Die Fachstelle hilft auch bei Spielbesessenen und Online-Junkies

Die meisten Süchtigen sind der legalen Droge verfallen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Achim - Drogen und Sucht durchziehen unser Leben, auch wenn es nicht jeder wahrhaben will. Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Verden mit Sitz in Achim leistet da eine segensreiche Tätigkeit, wie der jüngste Jahresbericht der Stelle wieder zeigt. Interessant ist, dass es bei den betreuten „Fällen“ in 43 Prozent um Alkohol, 16,4% um illegale Drogen, 4,6% um pathologisches Glücksspiel und jeweils 0,5 % um Essstörungen und Medikamentenabhängigkeit und zu 34% um nur einmalige Kontakte oder Kontakte zu Angehörigen handelte.

Wie die Statistik schon zeigt, ist die Arbeit der Suchtberatung vielfältig. Erste Station ist oft die offenen Sprechstunde in Achim und Verden donnerstags von 13 bis 17 Uhr, zu der die Menschen ohne Anmeldung kommen, sich kostenlos und verschwiegen beraten lassen können. Aus diesem Gespräch ergibt sich dann der weitere Beratungs- beziehungsweise Behandlungsbedarf, von der Vermittlung an eine Selbsthilfegruppe bis zur Einleitung einer ambulanten oder stationären Therapie. Auch die Motivationsgruppe mittwochs von 17.30 bis 18.45 Uhr in Achim ist eine Option.

Unter einer Sucht leiden nicht nur der oder die Abhängige, sondern auch die Angehörigen, ihnen nahe stehende Menschen. Die Fachstelle bietet so auch Seminare für Patienten mit ihren Angehörigen und nur für Angehörige an. Die eigentlich eng zusammenlebenden Menschen können so die Scham und die Sprachlosigkeit zu dem sie gemeinsam betreffenden Problem ablegen, über die Probleme sprechen, sich besser verstehen.

Wichtig ist stets der Zusammenhang zur Arbeit. „Arbeit kann helfen zu gesunden. Arbeit kann aber auch krank machen, steht im Jahresbericht. Arbeitslosigkeit bedeutet eben oft Perspektivlosigkeit, Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Zu viel Arbeit kann zu Überforderung, Vernachlässigung der Gesundheit und des Privaten führen. Oft genug wird versucht, die Krise und den Zusammenbruch mit legalen oder illegalen Drogen zu verdrängen und zu verhindern. All das wird thematisiert.

Der Prävention in Betrieben diente zum Beispiel im Einkaufszentrum Dodenhof ein zweitägiger Workshop für Auszubildende zur Stressregulation und Abwendung von Burnout. Die Jugendlichen machten sich Gedanken über „Energieräuber und Energiespender“. Die Rehabilitation und die Heranführung an die Arbeitswelt gehören so ebenfalls zum Aufgabenspektrum. Natürlich kooperiert man mit den Fachkräften der ambulanten und stationären Therapie.

Zu nennen wäre weiter die Prävention vor Drogen im Verkehr und vor allem bei der jungen Generation die Abhängigkeit von digitalen Medien und ihre Gefahren. 90 Prozent aller Jugendlichen besitzen ein Smartphone mit Internetzugang. Dieser dauernde Zugang zur Erwachsenenwelt und ihren fragwürdigen Angeboten erfordert Kompetenz bei ihnen, bei Eltern und auch Lehrkräften, was die Konsumhäufigkeit und Gefahren zum Beispiel des Cybermobbing, von Gewaltdarstellungen, Pornografie und des Datenmissbrauchs anbelangt. Informationsabende in Kindergärten und Schulen sowie die Mediensprechstunde jeden letzten Donnerstag in Achim von 14.30 bis 16.30 Uhr sind da hilfreich.

„Starke Eltern- starke Kinder“, lautet eine weitere Weisheit, und dem diente auch ein Präventionsangebot für Eltern, das sie zum selbstbewussten, kompetenten und freudigen Umgang mit ihren Sprösslingen besser befähigen sollte.

Umgekehrt können die überbordenen Probleme von Eltern auch ihre Kinder herunterziehen. Dem trägt zum Beispiel die gemeinsame Veranstaltung mit der Kreisvolkshochschule für Erzieher-innen „Mit Mama/Papa stimmt etwas nicht Rechnung.“ Erzieher-innen werden sensibilisiert und ermuntert einzugreifen, wenn zum Beispiel Vater oder Mutter beim Bringen oder Abholen des Kindes im Kindergarten regelmäßig eine „Fahne“ hat oder andere psychische Auffälligkeiten zeigt. „Je früher desto besser“, lautet die Devise zur angezeigten Hilfe.

Die Fachstelle für Sucht ist in Achim in der Feldstraße 2, (Tel.: 8798) und in Verden am Anita-Augsburg-Platz 14 (Tel.: 82812) beheimatet.

mb

www.suchtberatung-

achim-verden.de

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