Kulturhaus plant Jugendtheaterprojekt mit WABE und zwei Achimer Schulen

Extremen auf den Zahn gefühlt

Die Burkini-Debatte zeigt, wie aktuell das Thema Verschleierung ist. Der Kasch-Workshop „Schleier Mayer“ nahm im Februar bereits die Gesichts-Verhüllung in den Fokus. - Archivfoto: Hägermann

Achim - Von Lisa Duncan. Was haben der Bergsteiger Reinhold Messner, der Survival-Experte Rüdiger Nehberg, ein Neonazi und die Fernsehsendung „Jackass“ gemeinsam? Sie widmen sich den Extremen: extremen Höhen, extremer Kälte, extremen Stunts – oder eben einer extremen politischen Einstellung. „Extreme“ sind auch das Thema eines neuen und großangelegten Theaterprojekts für Jugendliche im Achimer Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). Dafür werden noch Kooperationspartner gesucht.

Unter dem Arbeitstitel „272,15 Grad Celsius“ hat das Kasch bereits die Realschule Achim, die Liesel-Anspacher-Schule und das Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage (WABE) als Kooperationspartner herangeholt. Zu einem ersten Arbeitstreffen kamen sie Anfang dieser Woche zusammen. Weitere Veranstalter oder junge Akteure können sich dem Projekt aber gerne noch anschließen.

„272,15 Grad beträgt der kälteste Punkt im Universum“, erklärt Franziska Faust, beim Kasch zuständig für den Bereich Theater. Doch die objektive Messung steht hier nicht im Zentrum: „Es geht darum, herauszufinden, was für die Jugendlichen extrem ist.“

Der Startschuss für das Jugendtheaterprojekt „272,15 Grad“ soll am Sonnabend, 10. September, fallen. Das Kasch konnte dafür die beiden Bremer Theaterpädagogen Aishe Spalthoff und Silvan Stephan gewinnen, die mit den Teilnehmern im Alter von 15 bis 18 Jahren zusammenarbeiten werden.

Zum Schulterschluss mit WABE kam es durch die Dokumentation „Jung, gläubig, aktiv“ mit muslimischen Jugendlichen. Der Film wurde im Rahmen des anti-rassistischen Jugendprojekts „Perspektiv-Wechsel“ der WABE umgesetzt und hatte Ende Mai im Kasch seine Premiere.

„Extrem“ ist Teil der Reihe „Klub der Visionäre“, die beim Kasch vor etwa einem Jahr ins Leben gerufen wurde. „Alle Programmpunkte, die partizipativ sind, laufen unter diesem Label“, so Faust.

Theaterpädagogin Aishe Spalthoff, Regula Selbmann (WABE), Franziska Faust und Marlies Behnke, Konrektorin der Realschule (v.l.), werben für das Theaterprojekt „Extrem“ im Kasch.

Das „Extrem“-Projekt habe nicht zum Ziel, eine Totalitarismus-Theorie zu entwickeln, sondern vielmehr die Jugendlichen selbst darauf zu stoßen, was die Argumente, die vom extremen politischen Rand kommen, eigentlich aussagen und wie man diese widerlegen kann. Eingangs werden dazu Methoden wie Improtheater und Textlektüre verwendet. Darunter etwa ein Text, den die einstige Journalistin und spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhoff in der Todeszelle verfasst hat.

Was letztlich bei dem Projekt herauskommt, hinge auch von der Zusammensetzung der Gruppe ab. „Wir wollen von den Jugendlichen ausgehen. Sie sollen selber recherchieren und herausfinden“, betont Faust.

Für das Kasch stellt es eine Premiere dar, Theater mit Jugendlichen von 15 bis 18 Jahren zu machen. Die beiden Theaterpädagogen Aishe Spalthoff und Silvan Stephan verfügen allerdings schon über viele positive Erfahrungen mit dieser Altersgruppe. Zuletzt hatten sie ein ähnliches Projekt in Bremen-Nord angeleitet. „Die beiden sprühen vor Theaterleidenschaft“, freut sich Faust.

Für die Gruppe kann sich Franziska Faust vorstellen, dass auch Teilnehmer von dem Workshop „Schleier Mayer“, den das Kasch im Februar zum Thema Verschleierung veranstaltet hatte, wieder dabei sein werden. Dabei hatten die überwiegend jungen Akteure in selbst angefertigten Masken und Kostümen kleine Szenen erarbeitet, begaben sich aber auch in ihrer Rolle in den öffentlichen Raum und testeten Reaktionen von Passanten auf dem Achimer Marktplatz aus.

Weitere Institutionen, die sich vorstellen könnten als Kooperationspartner des Projekts aufzutreten, aber auch interessierte Teilnehmer können sich per E-Mail an franziska.faust@kasch-achim.de wenden oder direkt im Kasch vorbeikommen. - ldu

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