Bei „Ex!t“ in Bierden verwalten junge Leute ihren Freizeit-Treffpunkt selbst

Eigenverantwortlich – und ohne Erwachsene

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Die Gruppe der einstigen Jugendlichen von „Ex!t“ ist älter geworden, darunter Tjark Hoffmann, Karsten Wendel, Lucas Gerken und Paul Stahnke (2. Reihe, v.l.).

Bierden - Von Lisa Duncan. Ein selbst verwalteter Raum für Jugendliche aus Bierden – diese Idee entwickelte eine Gruppe junger Leute vor fast zehn Jahren. Daraus entstanden ist das Jugendprojekt „Ex!t“. Seit 2007 können sich junge Leute in den Räumen am Bergrund 4a in lockerer Runde treffen. Und auch, wenn man hier nicht auf Sozialarbeiter trifft, gehört das Projekt zur Jugendarbeit der Stadt Achim.

In dem großen Zimmer haben es sich an einem Mittwochabend etwa zehn junge Männer auf den Sofas gemütlich gemacht. Auf dem Tisch stehen – passend zur Adventszeit – Kaffee und Kekse. Tjark Hoffmann (21), Paul Stahnke (21) und Karsten Wendel (22) nutzen den Treffpunkt schon seit einigen Jahren.

Ab dem 14. Lebensjahr kann man bei „Ex!t“ mitmischen. Da die heutige Gruppe schon seit einiger Zeit als fester Kern besteht, hat sich das Alter der Teilnehmer mittlerweile irgendwo zwischen 19 und 22 Jahren eingependelt. Rund 20 junge Leute aus Bierden, Uphusen, Oyten, Baden und mittlerweile auch Bremen treffen sich hier regelmäßig.

Nicht immer gehe es bei „Ex!t“ so geruhsam zu, erzählt Tjark Hoffmann. Im Sommer werde auch schon mal beim nahe gelegenen TSV Bierden Fußball gezockt. Die Räume am Bergrund verfügen über einen Billardtisch, eine Leinwand mit Beamer, eine Spielkonsole und eine Mini-DJ-Anlage, so dass gemeinsame Aktivitäten nicht vom Wetter abhängig sein müssen. Tjark Hoffmann etwa, von seinen Freunden bekam der Pastorensohn den Spitznamen „Elektro-Pastor“, übt hier manchmal an Plattenteller und Mischpult.

Darüber hinaus schmückt den Hauptraum eine Bar, ein Graffito mit dem „Ex!t“-Logo und ein kleines Aquarium (eine Privatspende). Der Tischkicker ist gerade nicht mehr ganz funktionstüchtig. „Billard war sowieso immer interessanter“, winkt Paul Stahnke ab – und die Gruppe diskutiert, wie man den etwas abgenutzten Filz des Pool-Tisches aufhübschen könnte. „Das ist hier wie jeder Freundschaftsabend sonst auch ablaufen würde. Zocken, Fußball gucken“, erklärt der 21-Jährige Stahnke. „Wir machen hier keine Sozialarbeit.“

„Ex!t“ sei entstanden, damit Jugendliche „eigenverantwortlich einen Raum nutzen und dabei möglichst wenig Kontakt mit Erwachsenen haben“, erklärt Till Bräkling von der Abteilung Kinder und Jugend der Achimer Stadtverwaltung. „Ich bin froh, dass es einige Jahre nach der Gründung immer noch klappt“, ergänzt Bräkling.

Die Stadt Achim mietete damals die Räume, in denen früher die Musikschule Wedel einquartiert war, für das Projekt an. Zwischenzeitlich hatte das Haus einige Jahre leer gestanden. Für das Jugendprojekt hat die

„Mittlerweile wie eine

Familie geworden“

Stadt den riesigen Raum renoviert, eine Trennwand hineingezogen und möbliert. Für Miete und Heizkosten kommt die Stadt weiterhin auf. Das seien, je nach Energieverbrauch, bis zu 8000 Euro im Jahr, sagt Till Bräkling. Vor zwei Jahren wurde zudem der Innenraum umgestaltet, mit Bar und Beamer ausgestattet.

Diese Neuerungen passierten im Zuge einer Zusammenarbeit mit dem Verein Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe (Sofa). „Es war geplant, den Laden, wenn wir ihn nicht mehr nutzen, eventuell mal an eine andere Gruppe zu übergeben“, erklärt Hoffmann. Dafür waren immer mittwochs als Ansprechpartner auch zwei Sozialarbeiter anwesend. Doch das Angebot stieß auf wenig Interesse und wurde wieder eingestellt.

Paul Stahnke erinnert sich, dass „Ex!t“ früher auch von anderen Gruppen genutzt wurde. „Nonkonform“ hieß eine Gruppe politisch Interessierter. Auch eine Gitarrengruppe hatte die Räume mal in Anspruch genommen. Zudem hatte der Freundeskreis sich einige Male am Ferienspaß der Stadt beteiligt: Mit Unterstützung des Achimer Filmemachers Ronald Wedekind hatten sie 2013 ein Videoprojekt realisiert, ein anderes Mal eine Schnitzeljagd organisiert.

Eine dauerhafte Fremdnutzung sei aber nicht vorgesehen: „Wenn andere die Räume nutzen, muss man denen vertrauen können“, so Stahnke. Das fange bei der Überlassung der Zweitschlüssel an und reiche bis zu der Verantwortung, die Treffen in Lautstärke und zeitlichem Rahmen am Wochenende zu begrenzen.

Das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird, scheinen die Jungs zu schätzen. „Ich finde es positiv, dass wir hier unseren Freiraum haben“, bringt es Lucas Gerken auf den Punkt. Selbst Ömer Faruk Kahve, der den Treffpunkt erst ein halbes Jahr regelmäßig nutzt, sagt: „Das ist mittlerweile wie ein ganz große Familie geworden.“

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