Evangelisch Freikirchliche Gemeinde humanitärer Tradition verpflichtet

Kirchenasyl in Achim für zwei junge verfolgte Ivorer

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Jonas Stapper und Maren Weber, als Unterstützerin der beiden Asylsuchenden sowie Gemeindeleiter Uwe Sackmann (von links) praktizieren mit dem Kirchenasyl Humanität.

Achim - Von Ingo Schmidt. Schon seit November 2015 leben zwei junge Flüchtlinge aus der Elfenbeinküste in den Räumen der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde (EFG) in der Bergstraße in Achim. Sie erhalten dort vorübergehend Asyl zum Schutz vor Abschiebung in ihr „Ankunftsland“. Ihre Identität wird hier nicht genannt, um das laufende Verfahren nicht zu gefährden.

Das so genannte Dublin III-Abkommen sieht vor, dass Flüchtlinge nur in ihrem Ankunftsland Asyl beantragen dürfen. Stellen die Behörden hier eine Ersteinreise in einem anderen europäischen Land fest, folgt unweigerlich die Abschiebung. Derjenige Staat, der einen anderen Staat um die Rücknahme des Asylsuchenden anfragt, hat nach der Zustimmung des angefragten Staates höchstens sechs Monate Zeit, um die Abschiebung dorthin zu realisieren. Nach Ablauf dieser Frist wird der um Rücknahme ersuchende Staat für die Prüfung des Asylantrages zuständig.

Erst jetzt werden die Fluchtgründe auch inhaltlich gewürdigt.

Soweit das Dublin-Abkommen, das aber in den letzten Wochen in zahlreichen Flüchtlingsfällen nicht mehr eingehalten wird.

Damit Menschen nicht in die Illegalität abtauchen müssen, kann ein Kirchenasyl unterstützend wirksam sein. Mit dem Thema Kirchenasyl sahen sich die Gemeindemitglieder erstmals im vergangenen Jahr konfrontiert: „Wir hatten in zahlreichen Flüchtlingsunterkünften mehrsprachig zu einem Sommerfest eingeladen, zu dem 250 bis 300 Gäste erschienen sind“, erinnert sich Uwe Sackmann, einer von vier Gemeindeleitern. „Dort fragte eine Besucherin, ob unsere Gemeinde Asyl gewähren würde.“

Ein Asyl kam nicht zustande, aber die Gemeinde setzte sich mit dem Thema intensiv auseinander und nahm Beratung durch den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Anspruch. Anfang November ergab sich schließlich ein konkreter Fall: Ein Student aus der Elfenbeinküste sollte nach Italien überführt werden.

Vor Abschiebung

ins Öllager geflüchtet

Er flüchtete vor den Beamten ins Öllager und suchte anschließend Schutz im Gemeindezentrum. „Wir haben uns daraufhin beraten und den jungen Mann aufgenommen“, beschreibt Uwe Sackmann die Entwicklung.

Eine solche Unterbringung erfordert gemeinsame Anstrengungen. Vorhandene Räume müssen zu einer Wohnung hergerichtet werden, und die Verpflegung durch Spendengelder muss sichergestellt sein. „Wir haben auch Kontakt zu einem Allgemeinarzt aufgenommen, der kostenfrei die medizinische Versorgung im Bedarfsfalle vor Ort übernimmt“, beschreibt Gemeindeleiter Jonas Stapper das „logistische“ Vorgehen. Auch ein zweiter Flüchtling wurde aufgenommen, dessen Abschiebebescheid wenig später eintraf. Die Räume dürfen die Gäste nicht verlassen, denn außerhalb besteht kein Anspruch auf Asyl.

Angst vor politischer Verfolgung war der Grund für die Flucht aus der Heimat. Als Student und Oppositionsangehöriger wurde einer der beiden nach einem Überfall auf den Campus schwer am Handgelenk verletzt. Der jüngere ist Sohn eines Regionalpolitikers, der zusammen mit dem Bruder von Rebellen 2010 verschleppt wurde. Er selbst konnte sich nach Spanien flüchten, wo er nach fünf Jahren Aufenthalt wieder abgeschoben werden sollte und sich nach Deutschland rettete.

Das Kirchenasyl steht in einer jahrhundertealten Schutztradition und ist die zeitlich befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus, denen bei Abschiebung in ihr Herkunftsland Folter und Tod drohen. In allen Fällen werden die Behörden und Gerichte über den Aufenthalt unterrichtet.

Die zwei Flüchtlinge hoffen nun auf ein Asylverfahren in Deutschland, das ihre besonderen Umstände und Fluchtgründe berücksichtigt.

„Wir erkennen die besondere Härte in beiden Fällen“, erklärt Uwe Sackmann. „Den Bedürftigen gegenüber sehen wir uns verpflichtet und würden als letztes humanitäres Mittel immer wieder Kirchenasyl gewähren.“

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