Etliche pfiffige kleine Geschäfte und das Gesamtbild prägende Leerstände

Allenfalls eine Scheinblüte in der Achimer Innenstadt

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Das Haus des traditionsreichen Textilgeschäftes ist in der Hand der Volksbank. Liegt hier die Quelle neuer Hoffnung?

Achim - Von Manfred Brodt. Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld sieht die „Pflanze Innenstadt blühen“ und warnt, dies durch ein Einkaufszentrum auf dem Liekengelände zu gefährden. Wir haben uns einmal auf den Weg in die Innenstadt gemacht, um diese Blüte zu erleben.

Mancher nicht hundertprozentig Ortskundige wird so tatsächlich überrascht sein, was es in Achims Einkaufsstadt alles gibt. Geschäfte für Damenschuhe, modische und preiswerte Textilien, den Software- und Hardwarebereich, Fahrräder, Geschenk-- und Kinderartikel, Spielzeug, Basteleien, Schmuck, Blumen, bessere Optik und Akustik, Fußpflege und vieles andere.

Alles kleine Geschäfte, die Nischen besetzen und sich durch viel persönlichen Service ihre Stammkundschaft erhalten und neue Kunden gewinnen. Von dem Traditionsgeschäft Eisenwaren Triebel bis zur Buchhandlung Hoffmann, die nicht nur auf dem Literaturmarkt, sondern auch im Onlineshopping uptodate ist, gibt es etliche Inhaber, die ihr Geschäft verstehen. An Friseuren und Apotheken ist ohnehin kein Mangel.

Die Analyse, Achims Einkaufsstadt sei tot, ist deshalb falsch und ungerecht, zumal der Wochenmarkt zweimal in der Woche die Stadt quicklebendig werden lässt.

Zu Gesundbeterei besteht allerdings auch kein Anlass. Zu augenfällig und langlebig sind doch diverse Leerstände. Oft sind es markante Häuser, in denen schon lange keine Geschäfte mehr gemacht werden, und das fällt auf.

Der im Rahmen der Stadtsanierung entstandene Neubau an der Feldstraße zwischen Obernstraße und Bergstraße bietet schon lange kein Reformhaus mehr, sondern eine große leere Geschäftsfläche. Das Gleiche auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Auch im ebenfalls während der Stadtsanierung entstandenen schmucken Haus an der Ecke Herbergstraße/ Alter Markt erinnert die Geschäftsreklame nur noch an vergangene Zeiten.

Zwar ist beim Penny- Markt an der Eisenbahn ein neues Einkaufseck mit Schuh- und Textildiscounter und Schnäppchenmarkt entstanden, im Gegenzug aber haben mehrere Schuhgeschäfte in und an der Fußgängerzone schlapp gemacht. Nachfolgegeschäfte sind überall nicht in Sicht.

Diese leichte, aber ständige Abwärtsbewegung verbunden mit Passivität der Verantwortlichen in Achims Geschäftswelt und im Achimer Rathaus vermittelt ein Stück Trostlosigkeit, auch wenn es sicher Städte mit schlimmeren Leerständen gibt.

Dass die in Achim nicht so ins Auge fallen, liegt auch daran, dass man an den nicht zu verpachtenden Läden in der Regel nicht die Schaufenster mit Zeitungspapier zuklebt und die Türen mit Brettern vernagelt, sondern sich bemüht, die leeren Flächen noch ansprechend zu gestalten.

So erfreuen an einer langen Glasfront der Marktpassage nicht attraktive Waren, sondern die Tapete eines saftig grünen Waldes.

Am geschlossenen Schuhhaus an der Achimer Brückenstraße warten auf den Stadtbummler weitgehend abstrakte Gemälde von Künstlern des Achimer Kunstvereins, in der Herbergstraße im einstigen Domizil des Wochen- und Sonntagstipps sind Stillleben der Blickfang und im ehemaligen so traditionsreichen Textilhaus an der Obernstraße, und am Bibliotheksplatz präsentiert der Achimer Günther Rumsfeld seine wunderbaren Gemälde von Venedig bis zu Segeltörns in rauer See.

Daneben macht der Traditionsverband Steubenkaserne mit Dokumenten, einem Spielzeugpanzer und einer Schaufensterpuppe in Uniform auf sich aufmerksam. Der Missstand wird so in Achim schön kaschiert.

Des Bürgermeisters Euphemismus begründet sich in diesem ehemaligen Textilhaus, das die wohl letzte Pleite hinter sich und auf dem die Volksbank ihre Hände hat, sowie im geplanten Umzug der Kreissparkasse in einen Neubau am Schmiedeberg-Kreisel.

Für beide Gebäude beziehungsweise Grundstücke erhoffen sich der Bürgermeister und der Stadtrat neue Zentren geschäftlichen Lebens. Dies ist bislang aber auch nur eine vage Hoffnung, die zudem erst spät erfüllt werden könnte.

Ihre größten Chancen hat diese Einkaufsstadt längst verspielt beim „Kaufhausmagneten“ auf dem Schmiedeberg, auf dem Gelände der ehemaligen Marktschule sowie des längst geschlossenen Gefängnisses. Die neue Chance eines großen Fachmarktzentrums mit Lebensmittelmarkt auf dem Lieken-Gelände wollen der Bürgermeister und die Ratsmehrheit nicht wagen.

So bleibt es bisweilen allenfalls bei einer Scheinblüte und der symptomatischen Aussage eines Werbeschildes in einem leeren Laden an der Obernstraße: „Ideen, Tatkraft Herzblut? Fachlich kompetenter Geschäftsbetreiber für diese Ladenfläche gesucht.“

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