Ex-Sportwart kritisiert Vorstand

„Beim TV Baden wird der Mangel verwaltet“

Volleyball ist das große Steckenpferd von Peter-Michael Sagajewski, der bis vor Kurzem diese Sparte des TV Baden geleitet hat und den Verein reformieren will.
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Volleyball ist das große Steckenpferd von Peter-Michael Sagajewski, der bis vor Kurzem diese Sparte des TV Baden geleitet hat und den Verein reformieren will.

Achim-Baden – Knatsch herrscht zurzeit beim TV Baden. „Mr. Volleyball“ Peter-Michael Sagajewski hat auf der jüngsten Jahreshauptversammlung, wie berichtet, Ämter hingeworfen, weil er mit der Arbeit des Vorstands alles andere als zufrieden ist. „Ich will aber nicht nachtreten“, beginnt der 61-Jährige am Donnerstag das Gespräch mit dieser Zeitung, „mein Ziel ist, dass es mit dem TV Baden nach vorne geht“.

Dass er bei der Versammlung die Leitung der Volleyballsparte niedergelegt hat, bereut Sagajewski inzwischen. „Das war ein Fehler.“ Aber er sei enttäuscht darüber gewesen, dass kaum junge Mitglieder der Sparte zum Generaltreffen des Vereins gekommen waren. „Als impulsiver Mensch habe ich darauf reagiert.“ Vielleicht bestehe ja aber noch die Chance, dass er den Posten wieder übernehmen könne.

Teammanager der ersten Herrenmannschaft, die in der zweiten Volleyball-Bundesliga spielt, bleibe er ohnehin. „Diese Position stand nie zur Debatte.“

Als Sportwart des TV Baden wollte und will Sagajewski jedoch auf keinen Fall weitermachen. „Mein Rücktritt erfolgte aus Enttäuschung über eine vertane Chance“, sagt er. Leider sei auf der Versammlung nicht Günter Kraus zum zweiten Vorsitzenden gewählt worden. „Ein Tausendsassa“, schwärmt Sagajewski, „Sportorganisator, Trainer – einer, der weiß, wie man einen Verein voranbringt.“ Kraus habe auch die Internetseite des TVB ehrenamtlich entwickelt und gepflegt sowie an die Nolis-Plattform der Arbeitsgemeinschaft Achimer Sportvereine angebunden. „Da stecken viele hundert Stunden Arbeit drin.“ Bei der Wahl zum Stellvertreter des Vorsitzenden Helmut Masemann sei Kraus dann allerdings knapp mit 40:43 Stimmen Amtsinhaber Volker Wrede unterlegen gewesen.

Schon Jahre vor Beginn der Corona-Pandemie habe der Verein an Attraktivität verloren, führt Sagajewski aus. Seit 2017 hätten etwa 300 der damals rund 1 500 Mitglieder dem TV Baden den Rücken gekehrt. „Dementsprechend fehlen jetzt Einnahmen.“

„Es müsste mehr für die Vereinsentwicklung getan werden“, fordert der langjährige ehrenamtliche Funktionsträger, der beruflich als Medizintechniker tätig ist. „Es fehlt Strahlkraft in die Zukunft.“ Sagajewski vermisst neue Angebote des Turnvereins, dem auch viele Handballer oder Leichtathleten angehören. „Dabei haben wir in Baden große neue Wohngebiete, also eine Menge potenzielle Mitglieder.“

Die Volleyball- und die Inlinergruppen hätten Zuwachs zu verzeichnen, „die anderen Sparten nicht“. Die Führungsriege des Vereins sei dafür mitverantwortlich, behauptet Sagajewski und fügt hinzu: „Es wird der Mangel verwaltet. Der Vorstand guckt nur nach hinten.“

Klar, die Volleyballsparte habe ein „hohes Budget“, räumt er ein. Die Ausgaben für die acht Teams im Wettbewerb beliefen sich pro Jahr auf eine fünfstellige Summe. Ausgeklammert bleibt dabei die Zweitliga-Mannschaft, deren Spielbetrieb mit oft weiten Auswärtsfahrten nach Angaben von Sagajewski „zu 97 Prozent“ über Sponsoren finanziert wird. „Wir sind teuer, keine Frage“, bekennt der ehemalige Spartenleiter. „Aber Mannschaften brauchen nun mal Trainer. Und die kosten natürlich Geld.“

Infolge des Mitgliederrückgangs sei die Querfinanzierung durch die anderen Sparten des Vereins schwieriger geworden. „Deshalb muss der TV Baden neue Einnahmequellen erschließen und der Bevölkerung spannende Angebote machen.“ Der TSV Achim zeige, wie es geht. Sagajewski verweist unter anderem auf die dortige neue Dartabteilung.

Aber auch auf eigene Anstrengungen der Volleyballsparte im TV Baden, die Kosten zu drücken. So sei das Budget im Haushaltsplan für 2021 um die Hälfte reduziert worden. Darüber hinaus habe er vorgeschlagen, den Beitrag für die Mitglieder der Sparte monatlich um vier Euro zu erhöhen.

„Ein Vorstand, der überwiegend aus Volleyballern besteht, wäre für den gesamten Verein gut“, stellt Peter-Michael Sagajewski abschließend fest. „Ich würde gerne meine Innovationskraft mit einbringen.“

Volker Wrede, zweiter Vorsitzender des TV Baden, hält nichts von einer Vorherrschaft der Volleyballer im Verein. „Wir haben hier viele Sparten.“ Und das solle auch so bleiben. „Es muss schon ein gewisses Gleichgewicht herrschen“, betont der „alte Handballer“ auf Nachfrage.

Wrede, der nach eigener Aussage die Finanzen beim TVB besonders im Blick hat und deshalb immer wieder mit Sagajewski in Clinch gerät, begrüßt es zwar, dass das Budget der Volleyballsparte halbiert worden ist. „Aber das dürfte nicht reichen“, schickt er gleich hinterher. Denn Jugendmannschaften der Sparte trainierten bis zu vier Mal pro Woche mit je zwei Übungsleitern. „Das kann sich kein Verein leisten“, sagt Wrede und bekräftigt: „Wir sind nicht nur auf Volleyball ausgerichtet.“

Anders als von Sagajewski dargestellt, könne von Mitgliederschwund keine Rede sein. 200 Leute seien in der Corona-Zeit aus dem TV Baden ausgetreten, „dafür sind 100 neu dazugekommen“, berichtet Wrede. Und es sei auch Unsinn zu behaupten, dass der Vorstand nichts bewege. „Wir hatten zwischenzeitlich neue Angebote wie Reha-Sport, Tanzen und Wassergymnastik eingeführt, die aber durch die Pandemie ausgebremst wurden.“ Wrede erwähnte auch die „Fitnessbude“, in der jeder Interessierte mit Zehnerkarten Sport treiben könne. „Und Nordic-Walking lief sogar während der Pandemie.“

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