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„Es gibt keine Leistungsüberwachung“

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Von: Michael Mix

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Seit gut einem Jahr verpacken Kräfte im Logistikzentrum im Uesener Feld von Kundinnen und Kunden bestellte Waren verschiedenster Art. archiv
Seit gut einem Jahr verpacken Kräfte im Logistikzentrum im Uesener Feld von Kundinnen und Kunden bestellte Waren verschiedenster Art. archiv © Bischoff

Achim – Als der Achimer Stadtrat vorige Woche das Logistikzentrum von Amazon im Uesener Feld besichtigte, hatte Linken-Politiker Oliver-Jan Kornau kritische Fragen zu befristeten Einstellungen, Kameraüberwachungen von Personal und anderem mehr im Gepäck. Die hätte er vor Ort gerne im Beisein der Presse gestellt. Was Amazon allerdings nicht wollte. Warum Medien und damit die Öffentlichkeit bei dem Besichtigungstermin außen vor bleiben mussten, dazu hat Thorsten Schwindhammer, Pressesprecher des Online-Versandhändlers, auf Nachfrage dieser Zeitung folgendes Statement abgegeben:

„Es ist für uns selbstverständlich, dass wir Besucher:innen in unseren Gebäuden haben, hierzu gehören auch Medien und politische Vertreter:innen. Der Termin wurde gemeinsam mit der Stadt als informeller Austausch geplant und auch so durchgeführt. Selbstverständlich sind auch Sie als Medienvertreter, wie auch hunderte andere Journalisten jedes Jahr, in unseren Gebäuden sehr willkommen. Wir bitten aber um Verständnis, dass wir uns an die Vereinbarungen für Besuche halten und nicht jeder Termin als medienöffentlich geplant werden kann.“

Immerhin hat Schwindhammer die von Kornau gestellten Fragen beantwortet. Was nachfolgend im Wortlaut nachzulesen ist.

Wann beendet Amazon in Achim die Einstellungspolitik mit hunderten Befristungen, die bei jedem regelmäßig-halbjährlichen Austausch wieder hunderte Lohnabhängige in prekären Lebenssituationen hält? Anmerkung: Es dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass selbst Mitglieder des neuem Betriebsrates von Befristungen betroffen sind. Wie wird Amazon mit diesen umgehen?

Im Amazon-Logistiknetzwerk in Deutschland haben über 75 Prozent der Kolleg:innen einen unbefristeten Vertrag. Es werden auch hier am Standort nach und nach immer mehr Kolleg:innen entfristet. Erst Ende April haben wir in Achim rund 140 Kolleg:innen entfristet. Als Unternehmen wollen wir Jobs mit Perspektive bieten und setzen auf langfristige Arbeitsbeziehungen zu unseren Mitarbeiter:innen. Übrigens konnten wir schon über 40 Kolleg:innen befördern und ihnen damit eine Karriereentwicklung ermöglichen.

Wie sieht sich Amazon in der Verpflichtung gegenüber „seinen“ Arbeiter:innen, die regelmäßig am Achimer Bahnhof übernachten müssen, da sie erst frühmorgens wieder aus Achim wegkommen und welche konkreten Maßnahmen wird Amazon zur Behebung dieses unwürdigen Missstandes „seiner“ Arbeiter:innen durchführen?

Uns ist eine solche Situation nicht bekannt. Bitte konkretisieren Sie dies oder nennen uns Mitarbeiter:innen, die dies betrifft, denn das wäre nicht in unserem Interesse. Viele Mitarbeiter:innen nutzen Bus und Bahn, deren Fahrzeiten an die Schichtpläne angepasst sind. Nach dem Ende der Schicht um 23.45 Uhr haben unsere Mitarbeiter:innen nur kurze Zeit später die Möglichkeit, Züge vom Bahnhof in Achim zu nehmen. Wir bieten beispielsweise ein bezuschusstes Jobticket. Wiederum andere Mitarbeiter:innen nutzen das Auto oder Fahrrad. Stolz sind wir auf unser neu geschaffenes Bike-Sharing-Angebot. Über 300 Mitarbeiter:innen nutzen das Angebot, das Amazon komplett für die Kolleg:innen zahlt. Es gibt Stationen an den Bahnhöfen Achim und Baden und am Logistikzentrum. Die Kolleg:innen können mit den Bikes kostenlos zwischen den beiden Punkten pendeln.

Welche Kontrollen gibt es innerhalb des Konzerns, mit denen verhindert werden soll, dass der Konzern beziehungsweise (autonome?) Konzernteile „seine“ Arbeiter:innen mittels des sogenannten Trackings rechtswidrig überwacht? Hat der Betriebsrat Zugang zu diesen eventuellen Kontrollen und gibt es zusätzliche Kontrollen von staatlichen Datenschützer:innen? Welche konkreten Maßnahmen gegen die totale Video-Überwachung der Arbeiter:innen bei Amazon sind in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat geplant? Wird es eine Einzelfallbegutachtung der sicherheitstechnischen Notwendigkeit jeder Kamera im Betrieb geben?

Wir halten uns überall an Recht und Gesetz, und diese Vorwürfe treffen nicht zu. Wir nutzen Videokameras zum Beispiel für Notausgänge und Fördertechnik. Die entsprechenden Aufzeichnungen sind nur dem Sicherheits- und Technikpersonal zugänglich. Vorgesetzte der Mitarbeiter:innen haben keinen Zugriff auf diese Kamerabilder. Die Videoaufzeichnung dient nicht zur Leistungsüberwachung von Beschäftigten. Was wir überwachen ist der Warenfluss, damit die Ware auch dort ankommt, wo sie hin soll. Früher haben wir mit Stift und Zettel kommissioniert, aber das ist nicht mehr zeitgemäß, und auch die Belegschaft würde sich das nicht wünschen. Unsere Führungskräfte arbeiten eng mit ihren Mitarbeiter:innen zusammen, um diese zu fördern und zu coachen. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Beschäftigten ständig daran, unsere Prozesse zu verbessern und die Arbeitsabläufe zu optimieren, um als Team gemeinsam jeden Tag besser und effizienter zu werden. Wie es allgemein üblich ist, wird die Geschäftsführung auch hier gemeinsam mit dem Betriebsrat entsprechende Betriebsvereinbarungen zu verschiedenen Themen auf den Weg bringen.

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