1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Achim

Achimer Apotheker kritisieren neue Verordnung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marvin Wennhold

Kommentare

Ab sofort dürfen auch Apotheker Corona-Impfungen verabreichen. In Achim wird es vorerst jedoch kein derartiges Angebot geben.
Ab sofort dürfen auch Apotheker Corona-Impfungen verabreichen. In Achim wird es vorerst jedoch kein derartiges Angebot geben. © Bartz

Achim – Eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes macht es möglich: Ab heute können auch Apotheker eine Corona-Schutzimpfung vornehmen – vorausgesetzt sie nehmen im Vorfeld an einer Schulung teil. Die Euphorie über diese neue Impfmöglichkeit hält sich bei den Achimer Apothekern jedoch in Grenzen. Die Gründe dafür sind vielfältig – aber auch einleuchtend.

Die neue Verordnung schafft auf dem Papier neue Anlaufstellen für Impfwillige. Eine feine Sache, könnte man meinen. Doch ist diese Ausweitung der Impfstellen derzeit überhaupt sinnvoll?

Kay Wolff, Inhaber der Paulsberg-Apotheke, hat darauf eine klare Antwort: „Momentan ist das Impfthema durch. Ich halte diese neue Verordnung daher nicht für sinnvoll.“ Ihm zufolge gebe es aktuell keinen Bedarf. Die Ärzte würden das momentan auch alleine gut schaffen. „Ich habe bei einem Kollegen in der Praxis nachgefragt. Dort gibt es immer mehr offene Termine.“

Eine ähnliche Antwort kommt auch aus der Alten Apotheke: „Wir impfen morgen nicht, und sonst auch nicht“, macht eine Mitarbeiterin am Telefon deutlich. „Wir haben in Achim die Situation, eine gute Arztdichte zu haben. Daher sehen wir fürs Erste nicht den Bedarf, Impfungen bei uns anzubieten“, führt Inhaber Stefan Bürger aus.

Doch auch andere Faktoren halten die Apotheken davon ab, Impfungen vor Ort anzubieten: Neben den oftmals fehlenden Räumlichkeiten ist vor allem der Sicherheitsaspekt ein Thema: „Was nützt das schelle Impfangebot, wenn in meiner Apotheke jemand kurz nach der Impfung kollabiert?“, fragt Bürger. „Wenn etwas Schlimmeres passiert, würden das meine Mitarbeiter so schnell nicht vergessen.“ Arztpraxen seien für solche Dinge der bessere Ort. „Ich sehe derzeit einfach nicht die Not, mich auf dünnes Eis zu begeben.“

Bürger begründet die Abneigung gegen den Impf-Vorstoß in Apotheken auch mit der Menge an Impfstoff, die sie derzeit an die Arztpraxen verteilen. „Momentan geben wir im Vergleich zum Impfbeginn nur noch rund 20 Prozent der möglichen Impfstoffmenge an die Arztpraxen raus. Wir kommen impftechnisch in ein absolutes Tal“, verdeutlicht Bürger.

Etwas wohlgesonnener auf die neue Impfmöglichkeit reagiert auf Nachfrage nur die Weser-Apotheke, auch wenn es dort ebenfalls kein Impfangebot geben wird. Eine Mitarbeiterin erklärt jedoch: „Wir hätten das schon gerne gemacht – es fehlen jedoch auch bei uns schlicht und einfach die Räumlichkeiten.“

Wie eine Nachfrage bei Clemens Keitsch vom Impfteam des Landkreises Verden zeigt, ist diese Haltung durchaus nachvollziehbar: „Die Zahlen der Impfungen gehen drastisch zurück.“ Im mobilen Impfzentrum bei Dodenhof sehe man das deutlich. „Dort hatten wir kurz nach der Eröffnung 800 bis 900 Impfungen am Tag. Jetzt sind es nur noch zwischen 100 und 200.“ Auch bei den Kinderimpfungen seien die Zahlen rückläufig. „Dort werden mittlerweile weniger als 50 Prozent der verfügbaren Termine gebucht.“ Bei den mobilen Impfteams ist es ähnlich. Die Zahl der Impfungen hänge da jedoch auch immer vom jeweiligen Angebot vor Ort ab. „Als wir vor Kurzem in Achim waren, haben wir beispielsweise zwischen 40 und 60 Impfungen an einem Tag durchgeführt.“ Das sei zwar vergleichsweise wenig – aber durch das breite Impfangebot vor Ort zu erklären. Keitsch macht deutlich, dass trotz der rückläufigen Zahlen die Impfungen weiterhin ein gutes Mittel zur Pandemiebekämpfung seien. „Im Schnitt haben wir bei den Terminen auch immer rund zehn Prozent Erstimpfungen. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass wir weiterhin Menschen mit den Angeboten erreichen.“

Auch interessant

Kommentare