Ulrich Wilke geht in den Ruhestand

Erster Pastor mit Computer, Gespür für Jugend

Pastor Ulrich Wilke wird an diesem Sonntag in der Kirche feierlich verabschiedet.
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Pastor Ulrich Wilke wird an diesem Sonntag in der Kirche feierlich verabschiedet.

Achim – Die evangelische Kirchengemeinde in Achim hat in jüngster Zeit einen erheblichen Aderlass an Geistlichen zu verkraften. Seit Oktober 2019 sind mit Dietrich Hoffmann und Marina Kortjohann bereits zwei Pastoren in den Ruhestand gegangen, nun folgt mit Ulrich Wilke innerhalb von zwei Jahren der dritte Talarträger, der aus Altersgründen der St.

-Laurentius-Kirche beruflich den Rücken zukehrt.

Ende 2010 kam der jetzt 65-Jährige nach Achim und war vor allem für den Pfarrbezirk Uesen zuständig, zuletzt kümmerte er sich auch um in einem Teil der Nordstadt wohnende Gemeindemitglieder. „Ich habe gerne hier gearbeitet“, sagt Wilke, der am Sonntag in der Kirche feierlich vabschiedet wird, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Werdegang des Seelsorgers ist eher ungewöhnlich. 1956 in Lübeck geboren, durchlief Ulrich Wilke nach seinem Hauptschulabschluss eine Lehre als Fernmeldehandwerker. „Dabei habe ich Lust aufs Lernen bekommen.“ Der junge Mann, der in der evangelischen Jugend seiner Heimatstadt „sehr aktiv“ war, machte auf dem zweiten Bildungsweg Fachabitur und studierte anschließend an der theologischen Fakultät Hermannsburg / Celle. Darauf folgte das Vikariat an der Stadtkirche in Celle.

1986 trat der frisch mit Ehefrau Christiane verheiratete Wilke seine erste Pfarrstelle in Sibbesse und Möllensen an, später wirkte er zusätzlich noch im Nachbarort Petze. In den dörflichen Gemeinden zwischen Alfeld und Hildesheim verblüffte der frisch eingeführte Würdenträger manch einen Laien mit seinem ausgeprägten Interesse an Technik. „Ich war 1986 der erste Pastor mit Computer.“

1998 verschlug es ihn nach Scheeßel, weil er nicht mehr länger „Alleinkämpfer“ sein wollte. „Dort waren noch zwei Kollegen.“ Neben der Jugendarbeit, die ihm bereits in Sibbesse Freude bereitet hatte, entdeckte Ulrich Wilke ein neues Aufgabenfeld. „Im Team haben wir die Notfallseelsorge beim Hurricane-Festival gemacht.“ Zuvor hatte er einen entsprechenden Kurs bei der Hannoverschen Landeskirche besucht.

2010, wieder nach zwölf Jahren an einem Ort, zog es den Lübecker, längst Vater eines Sohnes, erneut zu neuen Ufern. Eine Tätigkeit in der St.-Laurentius-Gemeinde in Achim lockte. „Die Stellenausschreibung fand ich interessant: Öffentlichkeits- und Jugendarbeit waren als Schwerpunkte angegeben.“ Ulrich Wilke bekam den Job als Nachfolger des in den Ruhestand gewechselten Pastors Michael Hassenpflug.

Und bereute diesen Schritt nicht. „Die große Gemeinde mit vier Pastoren bot viele Möglichkeiten.“ Wilke arbeitete zum Beispiel in der Redaktion für den Gemeindebrief „Blickpunkt“ mit. „Und das will ich auch im Ruhestand weiter machen.“

Mit Elan stürzte sich der Kirchenmann 55+ auch auf den zweiten Teil der Stellenausschreibung. „Besonders die Konfirmanden- und Teamer-Ausbildung hat mir Spaß gemacht.“ Ein gutes Händchen für junge Menschen zu haben, hänge nicht vom Alter ab, merkt der nicht mehr ganz junge Pastor an. So wird er auch noch als Ruheständler den aktuellen Konfirmanden-Jahrgang bis zur feierlichen Einsegung im Mai 2022 betreuen.

Die Corona-Zeit habe dann wieder „ganz neue Herausforderungen“ mit sich gebracht. Wilke wurde zum „Hygiene-Beauftragten“ der Gemeinde ernannt. „Heiligabend 2020 herrschten ganz harte Bedingungen: Man durfte nicht in der Gemeinschaft singen und musste großen Abstand zueinander halten“, blickt er zurück. Ein in der Desma-Halle geplanter ökumenischer Gottesdienst mit 500 Leuten sei dann plötzlich auch nicht mehr möglich gewesen. „Doch im Konfirmandenunterricht erwuchs die Idee, mit Hilfe eines Treckergespanns die frohe Botschaft von der Geburt Jesu zu verkünden.“ Gesagt, getan. An Heiligabend machte der „Holynight-Express“ mit Pastor Wilke und Mitgliedern des Fanfarenzugs des Schützenvereins Achim in verschiedenen Stadtteilen Station.

„Wir lernen von Jesus Christus, Menschen vorbehaltlos zu lieben“, benennt der Geistliche für sich einen Glaubensgrundsatz. „Dementsprechend war es mir immer wichtig, Leute gleich zu behandeln, egal ob ich einen Professor vor mir hatte oder jemanden aus einer sogenannten niederen Schicht.“ Kirche, sagt er mit Blick auf die zusehends an Rückhalt in der Gesellschaft verlierende Institution, müsse „dicht an den Menschen bleiben“.

An diesem Sonntag um 15 Uhr wird Pastor Wilke in der Kirche von Superintendent Fulko Steinhausen feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Zu dem Gottesdienst und anschließenden Empfang sind alle Gemeindemitglieder willkommen.

Ulrich Wilke, für den St. Laurentius „voraussichtlich zum Jahreswechsel“ einen neuen Pastor oder eine neue Pastorin von der Landeskirche geschickt bekommt, wird auch künftig nicht unter Langeweile leiden. „Nach einer Ausbildung beim Deutschen Roten Kreuz als Rettungssanitäter und einem Erste-Hilfe-Lehrgang fahre ich vertretungsweise im Rettungswagen mit.“

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