Erste Erwähnung bei Adelsversammlung in der Kirche

Achim feiert seinen 925. Geburtstag

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Zum 900. Geburtstag der Stadt hatte das Achimer Kreisblatt zusammen mit der Stadt einen Plakatwettbewerb veranstaltet. Dafür entstand auch dieses Bild mit Achimer Attraktionen.

Achim - Domini millesimo nonagesimo primo - im Jahre des Herrn 1091 - so steht es in einer alten Urkunde geschrieben. In diesem Jahr hatte der Bremer Erzbischof Liemar in die Achimer Kirche zu einer Adelsversammlung geladen.

Unter anderem wurde dabei über den jungen, hitzköpfigen Hoyaer Adeligen Gerhard von Stumpenhusen zu Gericht gesessen. Dieser hatte in den Jahren zuvor im jugendlichen Übermut Menschen im Erzbistum Bremen und der Umgebung beraubt und in Gefangenschaft genommen. Er wurde daraufhin mit dem Kirchenbann belegt und stand jetzt reumütig vor dem Gericht um seine Taten zu sühnen.

Unsere ehrwürdige St. Laurentiuskirche aus dem 12. Jahrhundert, sie wurde 1257 erstmals urkundlich erwähnt. 1091 gab es aber schon einen Vorgängerbau.

Als Schadensersatz musste Gerhard von Stumpenhusen einige seiner Ländereien und acht Leibeigene an die Geschädigten abgeben. Vor dem Erzbischof und den 300 Adeligen und Freien der Kirche legte er seinen Handschuh zum Zeichen der Wiedergutmachung über die Reliquien, so wie es bei den freien Sachsen Sitte war. Das war für die Anwesenden das sichtbare Zeichen der Entschädigung und als Beweis für die Nachwelt wurde dieses Dokument ausgestellt.

Mit dieser Urkunde von 1091 wurde unsere Heimatstadt erstmals urkundlich erwähnt und kann in diesem Jahr ihr 925 jähriges Jubiläum begehen.

Achim - das ist laut Duden, ein männlicher Vorname. Wir wissen es natürlich besser als der Duden - Achim - das ist vor allem der Name unserer Heimatstadt. Doch mit dem Namen begann es einmal ganz anders.

„villa que dicitur acheim“- so steht es in der oben beschriebenen Urkunde von 1091, deren Original leider im letzten Krieg verbrannte. „villa que dicitur acheim“ heißt übersetzt: Das Dorf, das Acheim genannt wird.

Sprachforscher deuten den Sinn dieses sächsischen Namens als „Ache und Heim“ - folglich - das Heim am Wasser. Mit der Ache könnte die Aller gemeint sein, die in früherer Zeit an Achim vorbei, bei Bierden in die Weser mündete.

In späterer Zeit änderte sich die Schreibweise des Ortsnamen mehrmals.

„Achem“ - „Haghem“ - „Hachem“ - „Achumb“ und „Achimb“ ist in alten Urkunden zu lesen.

Erst um 1670 begann der damalige Pastor Johann Knüttel mit der Schreibweise „Achim“, die dann bis zum heutigen Tage beibehalten wurde. Achim - das Heim am Wasser, eine ganz einfache und nüchterne Deutung des Namens unserer Heimatstadt.

Viel interessanter und schauriger deutet die Sage die Entstehung dieses Namens: Als im Jahre 782 der Frankenkönig Karl (er wird im Jahre 800 zum Kaiser gekrönt und wir kennen ihn als Karl der Große) in der Schlacht am Süntel den in unserer Region lebenden Sachsen unterlag, war er darüber so erbost, dass er in Halsmühlen (bei Verden) 4500 sächsische Geiseln hinrichten ließ. Jedoch gelang es einem dieser Gefangenen, sich seiner Fesseln zu entledigen. Hastig flüchtete er in Richtung Bremen. Diese Flucht war aber von den fränkischen Soldaten entdeckt worden, und sie setzten dem Flüchtenden nach.

Als er die Heidehöhen bei Baden überschritten hatte, geriet der Flüchtende in das Sandmeer der Weserdünen. Bald erlahmten seine Kräfte, und er wurde von seinen Häschern eingeholt. Durch einen Schwerthieb wurde er niedergestreckt und schwer verwundet. „Ach im Sande muss ich hier verenden!“ wollte er ausrufen, doch ihm kamen nur die Worte „Ach im!“ über die Lippen, dann traf den Sterbenden ein zweiter, tödlicher Schwerthieb.

Die fränkischen Soldaten ließen den Leichnam liegen, um ihn den Wölfen und Raben zum Fraß zu überlassen. Aber Verwandte und Freunde bestatteten den Leichnam in einer Steinkammer des Hügels. Als dann später an dieser Stelle eine Ansiedlung entstand, nannte man sie nach dem letzten Ausruf des Sterbenden - Achim.

Dies ist die etwas gekürzte Form und - wie ich meine- älteste Aufzeichnung dieser Sage. Sie erschien 1892 in dem Buch „Heidefahrten II“ von August Freudenthal. Dieser war Schriftsteller und Redakteur und lebte von 1889 bis 1895 in Achim. In dieser Zeit erforschte er unter anderem die Geschichte Achims. Leider ist uns nicht bekannt, woher Freudenthal diese Sage hatte. War sie das Produkt seiner Phantasie oder schon eine mündliche Überlieferung von alten Achimern, die vielleicht in der Schule gelehrt wurde?

Spätere Nacherzähler schmückten dann ihre Wiedergabe mit der Behauptung aus, der Berg an dem dieser Mord stattgefunden habe, sei der Kosakenberg gewesen. Hierin liegt aber ein Denkfehler, denn soweit überliefert, hat es im Achimer Bürgerpark und somit auch im Bereich des Kosakenberges kein Steingrab gegeben. Aber drei solcher Steingräber gab es im Kamerun, doch leider wurden sie im 19. Jahrhundert alle zerstört.

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