Ilka Engelberg vom Elternrat zur Kita-Not

„Erschrocken über Fehl von 180 Plätzen“

Ilka Engelberg.

Achim - Die bestehenden städtischen Kitas sind laut Stadtverwaltung mittlerweile personell „ordentlich sortiert.“ Demgegenüber steht die alarmierende Mitteilung über aktuell fehlende 180 Kita- und Krippenplätze insgesamt. Und die geplanten Neubauten brauchen ihre Zeit. Wir befragten Ilka Engelberg, Vorsitzende des Stadtelternrats der Kindergärten, zur derzeitigen Lage, zu Auswirkungen auf Familien und möglichen Auswegen.

Frau Engelberg, wie beurteilen Sie als Vorsitzende des Stadtelternrats für Kindergärten die Situation in Achim kurz vor Beginn des neuen Kita-Jahres?

Ilka Engelberg: Als ich gelesen habe, dass für 180 Kinder Kindergarten- und Krippenplätze fehlen, war ich sehr erschrocken. Wobei mir hierbei noch nicht klar ist, wie viele Kinder wirklich keinen Platz haben und wie viele vielleicht nicht den gewünschten verlängerten Vormittagsplatz oder Ganztagsplatz bekamen. Diese Zahlen wurden – so ist es mir in Erinnerung – zusammen genommen. 180 Kinder bedeutet, dass es mehr sind, als in einer Einrichtung betreut werden. Angesichts der doch akuten Situation würde ich mir eine besser ausgewertete Zahl wünschen, aufgeschlüsselt nach Kindern, die gar keinen Platz erhalten haben, oder nicht den gewünschten verlängerten Vormittagsplatz beziehungsweise Ganztagsplatz. Dies würde bei der Planung weiterer Kindergärten helfen. Es ist gut, dass der Bau der neuen Kindergärten beschlossen wurde, aber es wäre besser, man könnte die Bauten schneller fertigstellen. Aber wie so häufig im Leben müssen dies die Finanzen auch hergeben. Jedoch kamen dieses Jahr andere Faktoren hinzu – die gesetzliche Änderung in Niedersachsen, dass Kinder, die zwischen 1. Juli und 30. September eines Jahres ihren sechsten Geburtstag feiern, auf Antrag noch ein Jahr von der Einschulung zurückgestellt werden können. Es war nicht absehbar, dass diese Regelung schon 2018 greift. Somit müssen auch Kinder weiter in Kitas bleiben, die nun erst nächstes Jahr eingeschult werden. Ich meine, dass mal die Rede von 80 Kindern im Achimer Stadtgebiet war. Wie viele davon nun tatsächlich im Kindergarten bleiben, ist mir allerdings nicht bekannt.

Was müsste und könnte die Stadt Achim zusätzlich tun?

Engelberg: Am Besten für alle Beteiligten wäre es, so schnell wie möglich neue Einrichtungen zu bauen – die Problematik des Personalmangels mal außen vor. Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich nicht, was die Stadt tun kann. Es wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht, dass Neubaugebiete erschlossen wurden, ohne an entsprechende Infrastruktur – Kindergärten und Schulen – zu denken. Ich würde mich freuen, wenn die Kommunikation zwischen Verwaltung und betroffenen Eltern offener wäre. Etwa beim Vorbehalt in den Bescheiden für die Plätze im neuen Kindergartenjahr. Letztlich wusste man als Elternteil nicht, ob man sich darauf verlassen soll, dass der Platz noch sicher wird, oder ob man sich um Alternativen kümmern soll. Alternativen sind sicherlich hauptsächlich Tagesmütter – aber die möchten eine verbindliche Anmeldung und keine unter Vorbehalt. Sicherlich muss die Stadt weiterhin große Anstrengungen unternehmen, um neues Personal für die noch offenen Stellen zu gewinnen und vor allem das vorhandene Personal halten. Wir Eltern haben der Verwaltung auch schon Vorschläge gemacht – eine Reaktion hierauf habe ich noch nicht erhalten.

Haben Sie ein Beispiel?

Engelberg: Die Homepage der Stadt zum Beispiel ist im Hinblick auf die Kindergärten mehr als ausbaufähig. Hier könnte man jede Menge Informationen zu den einzelnen Kitas einstellen, um potenzielle Bewerber neugierig zu machen. Jede Entscheidung, die im Rathaus über Kindergärten getroffen wird, beeinflusst unmittelbar das Elternleben und teilweise auch unsere Existenz – siehe die unerträgliche Situation in Uphusen in dem nun ausgelaufenen Kindergartenjahr. Ich denke, wir haben hier in Achim tolle, engagierte Familien, die etwas bewegen und das Miteinander stärken wollen, damit sich weiterhin viele fürs Wohnen in Achim entscheiden. Dies geht jedoch nur, wenn wir Familien auch ernst genommen werden und die Politik Entscheidungen an die Bedürfnisse der Familien anlehnt. Durch fehlende Kommunikation und fehlendes Miteinander verpufft das Engagement vieler Eltern schnell, da man merkt, dass man eh nicht gehört wird und sich nichts ändern lässt. Wir Eltern werden zwar häufig angehört– aber man hört uns nicht zu. Das ist mein Empfinden.

Welche Alternativen sehen Sie für Eltern, deren Kinder mangels Plätzen und noch fehlender Neubauten zunächst außen vor bleiben?

Engelberg: Ich kann Eltern letztlich nur empfehlen, sich um Alternativen zu kümmern und am Ball zu bleiben, um doch noch in einer Einrichtung nachzurutschen. Es wäre auch sinnvoll, den Rat eines Rechtsanwaltes einzuholen, wenn etwa die Betreuung bei der Tagesmutter teurer ist als in einer städtischen Kita. Es geht nicht darum, die Stadt zu bestrafen, sondern darum, dass uns Bürgern per Gesetz Rechte gegeben werden, die nicht immer realisiert sind. Letztlich ist die Stadt Achim – trotz einiger Fehlentscheidungen – auch nur Glied am Ende der Kette und hat keinen Einfluss auf Landes- oder Bundesgesetze. Hier ist die Politik gefragt. Wenn aber niemand rechtliche Schritte wegen fehlender Plätze einleitet, wird die Lage niemandem auffallen. Insofern würde ich mir mehr Engagement der Eltern wünschen, für ihre Rechte zu kämpfen – auch wenn es müßig und langwierig ist. 

la

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