Erixx-Kontrolleurin reagiert heftig auf Versäumnis eines 15-jährigen Bahnfahrers

Monatskarte einkassiert

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Sämi van den Berg fährt mit dem Zug von Achim nach Bremen zur Schule. Als er am Mittwoch seine Monatskarte mit einer veralteten Kundenkarten-Nummer vorzeigte, wertete das die Kontrolleurin im Erixx-Zug als Betrug und nahm sie ihm weg.

Achim - Sämi van den Berg besucht ein Gymnasium mit Fußballprofil in Bremen-Obervieland und gelangt mit dem Zug und der Straßenbahn zur Schule. Doch als er vorigen Mittwochmorgen im „Heidesprinter“ von Achim gen Hansestadt brauste, war das keine gewöhnliche Fahrt für den Jugendlichen. Die Zugbegleiterin der privaten Bahngesellschaft Erixx nahm ihm die Monatskarte weg und brummte ihm obendrein ein „Bußgeld“ über 40 Euro auf.

Wieso das denn? Die Geschichte, die der frischgebackene 15-Jährige und seine Mutter Patricia van den Berg dazu erzählen, ist ein klein wenig kompliziert.

Zusätzlich zur Monatskarte muss der Jugendliche für die regelmäßigen Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen eine Kundenkarte vorweisen. Mit Sämis 15. Geburtstag am 3. Juni wurde die alte jedoch ungültig und eine neue musste her. Kein Problem. Allerdings vergaß der junge Achimer, die Nummer der neuen Kundenkarte auf seiner Monatskarte einzutragen. Als das am Mittwochmorgen eine Kontrolleurin von Erixx im „Heidesprinter“-Zug nach Bremen entdeckte, reagierte sie drastisch.

Das Vorhandensein der alten Kundennummer und das Fehlen der neuen auf der Monatskarte habe die „Schaffnerin“ als „Betrugsversuch“ gewertet und deshalb gleich die Monatskarte einkassiert, berichten Mutter und Sohn. „Immerhin mit einem Wert von 75,90 Euro“, merkt Patricia van den Berg an. Zudem habe die Zugbegleiterin noch 40 Euro Strafgeld verhängt. „Ein Unding, dass man so mit Kindern umgeht“, empört sich die 42-Jährige. „Und das wegen solch einer Kleinigkeit.“

Aufgrund der Karten-Wegnahme habe ihr Sohn am Mittwoch auch noch knapp zehn Euro für die Straßenbahn und die Rückfahrt mit dem Zug aufwenden müssen, ärgert sich die Mutter. „Jetzt fahre ich erstmal mit dem Fahrrad“, sagt der sportliche Sami, der in der kommenden Saison übrigens bei den U-16-Kickern des Bundesligisten Hannover 96 mitmischen wird.

Die Kontrolleurin habe wohl nach den Bestimmungen der Bahngesellschaft gehandelt, „aber menschlich nicht“, urteilt Patricia van den Berg.

Björn Pamperin, Pressesprecher von Erixx, sieht das durchaus ähnlich. Die Kollegin sei zwar nach den tariflichen Richtlinien vorgegangen, erklärte er auf Nachfrage der Redaktion. Aber die Zugbegleiter hätten einen „Kulanzspielraum – einige schöpfen den aus, andere nicht“. Das „erhöhte Beförderungsentgelt“ von 40 Euro müssten die van den Bergs nicht bezahlen, versprach Pamperin, und die Monatskarte erhalte Sämi auch zurück.

mm

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