Einer der größten Pfadfinderstämme Deutschlands

70 Jahre Wikinger in Achim: Erfolgreiche Jugendarbeit in Eigenregie

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Pfadis auf Tour 2017: Hier ein Bild von der Sommerfahrt, die Teile des Stamms in diesem Jahr nach Brandenburg führte. Zu den Wikingern gehören etwa dreimal so viele Pfadfinder, wie hier zu sehen sind. Der Achimer Stamm zählt zu den größten Deutschlands.

Achim - Die wichtigsten Zahlen sind schnell genannt: 1947 Gründung, 1951 Bau des Vereinsheims, seit 1975 Mitglied im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP). Heute Feier des 70-jährigen Bestehens. Mit dabei: ein Großteil der rund 180 Mitglieder. Aber der Stamm der Wikinger ist weit mehr als reines Zahlenwerk.

Auch wenn die Achimer Pfadfinder ihr Licht gerne mal unter den Scheffel stellen: Ihr Stamm zählt zu den fünf größten in Deutschland. Das ist ein Pfund, mit dem man durchaus wuchern kann. Genauso wie mit der Tatsache, dass bei den Wikingern seit sieben Jahrzehnten erfolgreich Jugendarbeit geleistet wird. Und das in Eigenregie. Soll heißen: von Jugendlichen für Jugendliche.

„Mück“ und „Pralli“ prägen viele Jahrzehnte

1947, zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, waren die Pfadfinder in Deutschland gerade wieder erlaubt. Hans-Dieter Hain, genannt „Mück“, rief in diesem Jahr die Achimer Wikinger ins Leben. Damals war das eine reine Jungengruppe, die sich regelmäßig in einem kleinen Lagerraum an der Georgstraße traf. Die Spedition Hoppe hatte sie den Pfadfindern zur Verfügung gestellt.

Nur vier Jahre später begann der Verein an der Breslauer Straße mit dem Bau eines eigenen Heimes. Das kleine Häuschen wurde allein durch (Sach-)Spenden finanziert und war das erste neu nach dem Krieg errichtete Jugendheim in freier Trägerschaft im damaligen Regierungsbezirk Stade.

Pfadis auf Tour 1951: Von Beginn an waren Fahrten fester Bestandteil des Pfadfinderlebens. Nur gehörten den Wikingern zunächst ausschließlich Jungen an.

Maßgeblich am Bau und an der Akquise von Spenden beteiligt war Hans-Joachim Keller, besser bekannt als „Pralli“. Er löste „Mück“ später als Stammesführer ab und prägte vier Jahrzehnte lang das Leben der Wikinger. „Er war die absolute Konstante, die den Regelbetrieb ermöglicht hat“, sagt Andreas Voß, der den Stamm selber 15 Jahre lang anführte. „Mück hatte die Vision und Pralli war derjenige, der mit dem Bollerwagen herumgezogen ist und auf Baustellen Material geschnorrt hat“, formuliert es der Achimer.

Voß, Jahrgang 1975, trat als Neunjähriger den Wikingern bei. Das typische Alter für den Start bei den Pfadfindern. Die erste Station – nicht nur bei den Wikingern – ist meist die Meute. In Achim zählt sie fast 25 Kinder, Wölflinge genannt, dazu fünf Leiter.

„Im Grunde ist das ja völlig verrückt“

Einmal in der Woche trifft sich die Gruppe. Spielerisch erlernen die Kinder in der Meutenstunde bereits die ersten Pfadfinderregeln: „Ein Wölfling hilft, wo er kann“ und „Ein Wölfling nimmt Rücksicht auf andere.“

Gegenseitige Unterstützung prägt auch das Leben in den Sippen. Vier dieser Gruppen besitzt der Stamm zurzeit, die jeweils von einer Sippenführerin und einem Sippenführer betreut werden. Die Leitungen sind meist nur zwei, drei Jahre älter als die Sipplinge selber. „Im Grunde ist das ja völlig verrückt“, sagt Andreas Voß und schmunzelt dabei. Schließlich geht es in dieser Besetzung auch jeden Sommer auf große Fahrt, mal im In-, mal im Ausland. Im Normalfall heißt das: Zehn Tage lang wandern die Sippen an, weitere zehn Tage verbringen alle gemeinsam in einem großen Zeltlager.

Gemeinsinn besonderer Art

Doch das vorgeblich „Verrückte“ hat sich in 70 Jahren bewährt. Noch nie, so Andreas Voß, habe beispielsweise ein Teilnehmer wegen schlechten Betragens abgeholte werden müssen. Im Gegenteil: „Die Jugendlichen merken automatisch, dass sie sich nicht so benehmen können wie vielleicht bei Papa und Mama.“ In der Gruppe, sagt der frühere Stammesführer, schliffen sich die Ecken und Kanten des einzelnen ab. Da heiße aber nicht, das alle gleich seien.

Dreimal pro Jahr geht der Stamm auf Fahrt. Das ist eine Wikinger-Tradition, und sie schweißt zusammen. Wer fünf Wochen im Jahr das Schwarzzelt miteinander teilt, ohne Handy, in der freien Natur, der entwickelt einen Gemeinsinn der besonderen Art. In der schnelllebigen Gegenwart wirken die Aktivitäten der Pfadfinder wie ein Anachronismus. Gerade das macht sie aber so wertvoll.

Wer mehr über die Achimer Wikinger erfahren möchte, kann sie heute Vormittag an ihrem Infostand auf dem Wochenmarkt besuchen. Ab 16 Uhr steht das Pfadfinderheim an der Breslauer Straße Neugierigen offen. 

kp

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