Erfolg vor dem Oberverwaltungsgericht

Achimer darf Krähen vertreiben

Lüneburg/Achim - Von Manfred Brodt. Mit einem überraschenden Urteil endete gestern die zweistündige Berufungsverhandlung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg zu einem Rechtsstreit zwischen dem Achimer Klaus Barfuß und dem Landkreis Verden um die Vertreibung von Saatkrähen. Der Vierte Senat des Oberverwaltungsgerichts hob ein vorheriges Urteil des Verwaltungsgerichts Stade auf und entschied, dass der Achimer von Februar bis April mit einer lärmenden Krähenklappe die Saatkrähen vor seinem Haus am Waldrand vertreiben darf und sich dies nicht genehmigen lassen muss.

Das Verwaltungsgericht Stade hatte dagegen 2014 nach einer Verhandlung in Achim dem Landkreis Verden in allen Punkten Recht gegeben, der diese Vergrämung untersagt hatte. Während das Verwaltungsgericht Stade und Silke Brünn, die Naturschutzbeauftragte des Landkreises, auf den besonderen Schutz der Saatkrähen abgehoben hatten, die nicht getötet, verletzt, in ihren Entwicklungsmöglichkeiten und in ihrer Population gefährdet werden dürften, folgte das Oberverwaltungsgericht der Argumentation von Klaus Barfuß und seines Anwaltes Michael Brennecke, dass die schwarzen Vögel ja nicht getötet, verletzt, gepeinigt und ihre Brutstätten und Nester nicht beseitigt werden sollten. Sie sollten nur durch die Krähenklappe von Februar bis April an andere Orte vertrieben werden und sich dort Nester bauen. Bei zwölf Krähenkolonien in Achim könne nicht die Rede davon sein, dass dieser Kreatur der Garaus gemacht werde.

Klaus Barfuß hatte im April 2014 dem Verwaltungsgericht Stade die Kolonie der rund 500 krächzenden und kotenden Krähen vor seinem Haus gezeigt und geklagt, dass sich diese Zahl durch Nachwuchs noch vervierfachen werde. Das Verwaltungsgericht hatte jedoch befunden, dass diese zeitlich beschränkten Belästigungen für einen Bürger zumutbar seien, der wissentlich an den Waldrand gezogen sei.

Dem ist das Oberverwaltungsgericht nicht gefolgt. Es hält die von Barfuß beabsichtigte Reduzierung der Krähenpaare vor seinem Haus von 250 auf etwa 60 im Jahr durchaus mit dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Europarecht vereinbar, da die Tiere durch die Krähenklappe nicht verletzt, in ihrem Bestand nicht beeinträchtigt und Brutstätten nicht zerstört würden.

Für den Landkreis Verden ist diese Entscheidung eine herbe Enttäuschung, zumal das Oberverwaltungsgericht Lüneburg auch keine Revision zugelassen hat.

Ab Februar stellt er

seine Krähenklappe auf

Der Achimer Anwalt Michael Brennecke freut sich dagegen über seinen Sieg auf ganzer Linie. Er hatte zwar auf die Zugkraft seiner Argumente gehofft, aber bei diesem emotionalen Thema nicht unbedingt damit gerechnet. Für ihn und Barfuß geht damit ein insgesamt achtjähriger Rechtsstreit mit dem Kreis zu Ende.

Klaus Barfuß in einer ersten Reaktion: „Ich bin fassungslos“. Ab Februar will er seine Krähenklappe wieder aufstellen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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