Bergamt erteilt RWE-Dea und Wintershall Erlaubnis für „Erkundungen“

Erdgas-Bohrungen bald auch in Achim?

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Das „Aufsuchungsgebiet Werder“ der RWE-Dea reicht im Norden bis zur A 27 und umfasst einen Großteil der Stadt Achim.

Achim - Von Michael MixRiesige Bohrer fressen sich womöglich schon bald bis zu 5 000 Meter tief durchs Achimer Erdreich.

Denn Konzerne vermuten nun auch in den Gesteinsschichten unter dem dicht besiedelten Stadtgebiet eine Menge Erdgas, was gegebenenfalls zu Tage gefördert werden soll. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat der RWE-Dea AG (Hamburg) und der Wintershall Holding GmbH (Kassel) bereits 2012 jeweils eine „Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen“ in Achim und umzu erteilt. Was hinter dem Rücken der Stadtverwaltung und -ratsmitglieder geschah.

Eine Nachricht, die jetzt nicht nur bei den bisher ahnungslosen Achimer Grünen wie eine Bombe eingeschlagen ist, sondern viele in der Bevölkerung schocken dürfte, sagt Parteichef Peter Bartram. Denn in den vergangenen Jahren ist die Gewinnung von Erdgas, das lange Zeit als „saubere Energie“ und „sanfte Brückentechnologie“ galt, gerade in der hiesigen Region negativ in die Schlagzeilen geraten.

Insbesondere im Flecken Langwedel, wo die RWE-Dea mit dem „Förderbetrieb Niedersachsen“ den Boden in erheblichem Umfang ausbeutet, und benachbarten Gemeinden, aber auch im Landkreis Rotenburg oder in Weyhe, hat die Erdgasförderung weit über das spezielle Fracking-Verfahren hinaus zu erschütternden Begleiterscheinungen wie Erdbeben, Rissen an Häusern, durch Benzol, Quecksilber und andere Schadstoffe verunreinigte Böden und Angst vor Vergiftung des Grund- und Trinkwassers geführt.

Dass die RWE-Dea und Wintershall ihre Aktivitäten auch auf Achim ausdehnen wollen, ist erst im Zuge der geplanten Probebohrungen in Daverden / Intschede und dem Wahrnehmen der „Erkundungsrechte“ im Gebiet „Werder“ ans Licht gekommen. Dort, in der Samtgemeinde Thedinghausen, kämpft eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben, und nahezu alle Kommunalpolitiker von Blender bis Riede laufen dagegen Sturm. Harald Hesse, Kandidat der Grünen für den Posten des Bürgermeisters in der Samtgemeinde, machte nun die Achimer Parteifreunde darauf aufmerksam, dass das vom LBEG unter der Nummer 11001 an die RWE-Dea vergebene und als „Werder“ bezeichnete „Aufsuchungsgebiet“ einen Großteil der Stadt Achim umfasst.

Wie auf einer Landkarte der Behörde zu sehen ist, erstreckt sich das insgesamt 81 Quadratkilometer große Areal von Etelsen / Baden bis Uphusen und im Norden reicht es bis an die Autobahn 27 heran. Bis zum 31. Januar 2017 hat die RWE-Dea dort die Erkundungsrechte erhalten.

Der nordwestlich angrenzende Bereich unter der Nummer 99003 trägt den Namen „Achim (neu)“ und wurde vorerst bis zum 30. April 2014 an Wintershall vergeben. Dieses 325 Quadratkilometer große Feld berührt die Ortsteile Bollen und Uphusen, dehnt sich jedoch vor allem in Richtung Weyhe und Syke aus.

In den genannten Gebieten und Zeiträumen haben die Energieversorger laut dem LBEG „das Recht, einen bestimmten Rohstoff aufsuchen zu dürfen“. Sie könnten dort im Hinblick auf vermutete Gasvorkommen etwa „geologische Recherchen“ anstellen.

Erkundungsbohrungen oder seismische Untersuchungen seien damit jedoch nicht erlaubt. Derlei technische Maßnahmen müsse das Unternehmen gesondert in Form von „Betriebsplänen“ beantragen. Lägen diese dem LBEG vor, würden auch andere Behörden wie zum Beispiel der Landkreis als untere Wasserbehörde und die Gemeinden als Planungsträger beteiligt. Dabei würden auch Umweltbelange bewertet.

„Aber warum vorher diese Heimlichkeiten über die Köpfe der Kommunen hinweg?“, schüttelt Peter Bartram den Kopf und schiebt süffisant hinterher: „Das sind die alten feudalen Rechte. Den Königen und Fürsten gehörten ja auch die Bodenschätze.“

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