SPD-Fraktionschef Meyer feiert seltenes Jubiläum

Entscheidende Größe im Rat seit 25 Jahren

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Feierliche Auszeichnung: Bürgermeister Rainer Ditzfeld (l.) und Ratsvorsitzender Bernd Junker (r.) überreichten Herfried Meyer eine Dankesurkunde der Stadt und dessen Ehefrau Ute einen Blumenstrauß. Auch der Niedersächsische Städtetag mit Geschäftsführer Dirk Mende ehrte den Marathon-Mann im Vorsitz der SPD-Fraktion.

Achim - Ein Stimmenfänger, wie es Christoph Rippich und Hans-Jürgen Wächter waren, ist er nicht. Herfried Meyer hat andere Stärken. Der 62-jährige Sozialdemokrat besitzt Führungsqualitäten und kennt sich in der Achimer Politik aus wie kaum ein Zweiter. Seine Redebeiträge im Stadtrat und den Fachausschüssen zeugen stets von überragender Sachkenntnis. Meyer ist schon lange eine entscheidende Größe im Rathaus. Seit 25 Jahren leitet er die SPD-Fraktion, die größte Gruppierung im Rat. Ein Jubiläum, das in der Weihnachtssitzung des obersten Entscheidungsgremiums der Stadt gefeiert wurde.

„25 Jahre diese Bande zu führen, war sicherlich nicht ganz leicht“, wusste Ratsvorsitzender Bernd Junker, selbst Mitglied der SPD-Fraktion. Der eine oder die andere in der Runde labte sich da schon an den süßen Leckereien, die die WGA-Fraktion an die Ratskollegen und selbst an die nicht immer wohlgelittenen Pressevertreter verteilt hatte. Und manch einer sann noch über die Weihnachtsgeschichte nach, die von Gästeführerin Elke Gerbers zu Beginn der Sitzung vorgetragen worden war.

Aber dann stand jemand im Mittelpunkt, der sich sonst nicht ins Rampenlicht drängt. Bürgermeister Rainer Ditzfeld dankte Herfried Meyer für dessen „unermüdlichen Einsatz für die Stadt Achim“. Derart viel Zeit und Energie ehrenamtlich für das Gemeinwohl aufzuwenden, sei gerade heutzutage nicht selbstverständlich. Für das „herausragende Engagement“ überreichte der Bürgermeister dem SPD-Fraktionschef eine Dankesurkunde der Stadt. Seit dem 12. 12. 1994 bekleide Meyer diesen Posten und auf den Tag genau 25 Jahre später, am 12. 12. 2019, falle nun die Ehrung im Rat, bemerkte Ditzfeld.

„Es ist selten, dass jemand 25 Jahre Fraktionsvorsitzender ist“, sagte Dirk Mende, Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetags. Kommunen bildeten die Grundlage der Demokratie, betonte der Gast aus Hannover, bevor er Meyer eine Ehrenurkunde des Verbands aushändigte.

Auch CDU-Fraktionschefin Isabel Gottschewsky und Rüdiger Dürr, der lange die örtliche Partei führte, sowie Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Thomas würdigten unter großem Beifall das Wirken des politischen Wegbegleiters. Sie hatten für Meyer kleine Geschenke parat.

Der Gepriesene bedankte sich in launig-lockerer Weise auf Plattdeutsch für all das Lob. Und wünschte sich weniger Zwist im Rat. Eine „sehr gute Gemeinde“, sagte Meyer mit Blick auf die Nachbarkommune Oyten, zeichne sich durch gute Zusammenarbeit der Fraktionen sowie von Rat und Verwaltung aus.

Zuvor hatte schon die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Petra Geisler eine Laudatio auf den „Chef“ gehalten, ein Geschenk überreicht und wesentliche Stationen in dessen Politkarriere benannt. Über die berichtete Meyer aber auch im Gespräch mit dem Achimer Kreisblatt.

In die Politik sei er, wie so viele, durch persönliche Betroffenheit und mit Hilfe eines Mentors gelangt. „Wir hatten schon Ende der 80-er Jahre vor unserer Haustür unheimlich viel Verkehr“, erzählt der Anwohner der Uphuser Heerstraße. „Dann kam auch noch die Nachricht, dass der Weserpark eröffnet werden soll, und es ereignete sich ein tödlicher Unfall an der Autobahn-Anschlussstelle. Da habe ich mich an einer Demonstration gegen die unerträgliche Verkehrssituation beteiligt.“ Kurz darauf sei die Autobahn-Auffahrt beampelt worden, und Hans-Jürgen Wächter, Sozialdemokrat, Vorsitzender des Ortsausschusses Uphusen und Mitglied des Achimer Stadtrats, habe ihn für die Kommunalpolitik begeistert. „1991 bin ich in den Rat gekommen.“ Bereits drei Jahre später, mit 37, wurde Meyer Vorsitzender der SPD-Fraktion. „Es hatte sich kein anderer danach gedrängt.“

Schon bald entwickelte der langjährige Teamleiter bei der Telekom, der 2013 vorzeitig in den Ruhestand wechselte, strategische politische Fähigkeiten. „Als die SPD in der Ratsperiode von 1996 bis 2001 keine Mehrheit hatte, haben wir einen Sitz im Verwaltungsausschuss an Johann Ditzfeld von der CDU abgegeben.“ Ein Schachzug, der die Atmosphäre im Rat befriedet habe, erinnert sich Meyer an diesen „Deal“.

In seiner Zeit als SPD-Fraktionschef sei aber auch eine Menge für die Stadt erreicht worden. Zu den Errungenschaften zählt er den Erhalt des Achimer Klärwerks und damit die Abwehr des Bremer Angebots, dort das Abwasser (teuer) reinigen zu lassen, den Bau der Sporthalle in Uphusen, die Einführung des Achimer Ehrenpreises, die Gründung der Bürgerstiftung, den Erhalt des Achimer Krankenhauses durch verstärkte finanzielle Beteiligung des Landkreises, den Weiterbetrieb der Uesener Schwimmhalle durch einen Verein, den Bau des Gieschen-Kreisels und die Schaffung der IGS.

Ein Fehlschlag sei die Gründung der Stadtmarketing-Gesellschaft gewesen. „Das können die Profis von der Mittelweser-Touristik besser.“

Aber was ist das Geheimnis, eine große Fraktion so lange erfolgreich zu führen? „Ich versuche, Themen gut vorzubereiten, damit möglichst alle ein breites Fachwissen haben“, erklärt Meyer. „Ich hatte aber auch immer das Glück, mit guten Leuten zusammenzuarbeiten.“

Alles Friede, Freude, Eierkuchen? „Natürlich gab es auch Auseinandersetzungen, etwa beim Thema Windkraft, woraufhin Eberhard Just hingeworfen hat.“

Für die Zukunft wünsche er sich, dass die Innenstadt vorankommt und dass „Achim-West“ was wird. „Das bin ich schon meiner Frau Ute schuldig, der ich Verkehrsentlastung für Uphusen versprochen habe.“

Seine Partei habe in Achim noch Luft nach oben. Die SPD müsse, gerade im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2021, „vor Ort noch präsenter werden“, sagt Herfried Meyer, der ein Ende seiner politischen Laufbahn offen ließ.

Einen Appell will der frühere Handball-Schiedsrichter beim TB Uphusen, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Stadtwerke Achim und des Bürgerbusvereins, der auch selbst am Steuer des „Achimobils“ sitzt und ansonsten gerne mit dem Fahrrad durch Stadt und Land kurvt, aber noch loswerden: „Wer Leistungsträger in einer Firma und überhaupt im gesellschaftlichen Leben ist, sollte sich überlegen, auch in der kommunalen Selbstverwaltung Verantwortung zu übernehmen.“

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