Englische Truppen erobern die Weserstadt / Tote, Verletzte, Zerstörungen und keine Kapitulation

Ein schicksalsschwerer Sonntag für Achim

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Das Gruppenfoto zeigt britische Besatzungssoldaten nach Kriegsende auf dem Schulhof der Marktschule. Die Fotos verdanken wir dem Achimer Stadtarchivar Günter Schnakenberg.

Achim - Von Manfred Brodt. Als am Nachmittag und Abend des 21. April vor 70 Jahren noch Uesen Angriffsziel war, fünf Bomben bei der Ueser Schule abgeworfen wurden und große Schäden anrichteten, soll Achim noch eine Chance gehabt haben, von schlimmen Zerstörungen verschont zu bleiben. Ein Achimer brachte am 21. April die Nachricht aus Bremen mit, dass die Engländer mit einem Bombenangriff drohten, falls nicht bis 19 Uhr ein Kapitulationsangebot vorliege. Da vom Kampfkommandanten im Achimer Rathaus, ein Wehrmachtsmajor, ein solcher Schritt wohl kaum zu erwarten war, flohen viele Einwohner in Panik in die Marsch. Tatsächlich erschien gegen 19 Uhr eine Flugzeugstaffel mit mehreren Maschinen über Achim und öffnete ihre Bombenschächte. Eine Turnhalle, ein Gasthaus, ein Wohnhaus und eine Gärtnerei beim Rathaus wurden zerstört. Der folgende Sonntag, 22. April, vor 70 Jahren sollte dann zum schicksalschwersten Tag werden, den das Weserstädtchen je erlebt hat. Die Briten hatten den Weserort sturmreif geschossen. Der Kreisblatt-Chronist der 50er Jahre spricht von einer „Feuerglocke“ über Achim. Unter einem Höllenlärm vollzog sich der Einmarsch der Engländer. Ein Panzer nach dem anderen rollte nach Achim hinein, Straßen und Häuser erzitterten unter dem Dröhnen der Kolosse. Die britischen Soldaten suchten Haus für Haus nach Wehrmachtsangehörigen ab, von denen aber keiner zu sehen war. Für einen Kaufmann aus der Obernstraße hatte diese Aktion verhängnisvolle Folgen. Als er auf dringendes Ersuchen die verschlossene Haustüre öffnen wollte, wurde er von den Kugeln eines Schnellfeuergewehrs durchbohrt, die die Tür durchschlugen.

Einige Rot-Kreuz-Helfer in Uniform, die im Notlazarett im Amtsgericht Dienst verrichteten, wurden festgenommen und für einige Tage nach Verden transportiert. Viele Häuser mussten geräumt werden, das Schloss, die heutige Musikschule, wurde als Hauptquartier eingerichtet, in die Marktschule zogen „Tommys“ ein.

Heftiger Widerstand wurde noch geleistet in Borstel, Ueserfinien, am Nordhornsberg und Ueser Schafkoven, doch der Siegeszug der Briten setzte sich fort. Deutsche Panzersperren schoben sie schnell weg. In Embsen hatte ein fanatischer Oberleutnant Aufsehen erregt, der, von seiner 20-köpfigen Polizeitruppe verlassen ganz auf sich allein gestellt, den Kampf gegen den übermächtigen Gegner aufnehmen wollte und dabei schwer verwundet wurde.

Befreit durch die Briten wurden hier polnische und russische Zwangsarbeiter, die, wie der frühere Achimer Stadtarchivar Horst Korte weitergab, dann verständlicherweise Rachegelüste hatten und zu Beutezügen ausgeschwärmt sein sollen.

Viele Tote, etwa 600 gefangene Soldaten und viele zerstörte Häuser waren die Bilanz dieses schwarzen Achimer Sonntags.

Das Achimer Kreisblatt hatte berichtet, nach der Besetzung des Achimer Bahnhofs am 22. April 1945 hätten die Briten von dort im Bahnhof Bremen angerufen, seien mit Bürgermeister Dr. Duckwitz verbunden worden, der dasTelefonat an den zuständigen Stabsoffizier weitergeleitet habe. Es soll zu einem Gespräch gekommen sein, bei dem der englische Offizier die Übergabe der Hansestadt Bremen verlangte. Ein Luftangriff habe das Gespräch dann jäh beendet. Der zuständige deutsche General Becker war nicht ans Telefon gegangen, weil er dies als Anfang eines Verrats angesehen hätte, wie er später zu Protokoll gab.

In der nächsten Folge:

Über Uphusen auf dem Weg nach Bremen.

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