Englische Panzer vor dem Etelser Schloss / Die meisten Opfer in Baden / Junger Soldat erschießt fanatischen Hauptmann

Aus dem SA-Heim wird ein britisches Lazarett

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Mediengruppe Kreiszeitung

Etelsen/Baden - Von Manfred Brodt. Am Vortag des „Führergeburtstags“, des 19. April, vor 70 Jahren waren die englischen Truppen von Daverden entlang der Bahnstrecke nach Etelsen vorgerückt, fuhren vor dem Etelser Schloss vor und besetzten es endgültig am 21. April. Es war damals SA-Schule und wurde nun ein britisches Lazarett.

Der frühere Kreisarchivar Robert Kienzle schreibt im Heimatkalender 1984: „Der britische Vormarsch lief nahezu planmäßig weiter wie im Sandkasten. Das zweite Marine Artilleriebataillon Wesermünde, das den Daverdener-Etelser Raum verteidigte, wurde aufgerieben. 130 Soldaten gingen in Gefangenschaft. Der Rest wurde versprengt beziehungsweise nach Achim zurückgezogen, dort gesammelt und neu aufgestellt.“

Bei den Kämpfen wurden unter anderem auch die Desert Rats eingesetzt, die schon bei der Besetzung der Normandie erfolgreich waren.

Viele Etelser hatten vor Beginn der Kampfhandlungen ihre Häuser geräumt und waren ins Moor oder in den Wald geflohen. Deutsche und Briten lieferten sich erbitterte Gefechte. Beim Kampf um Steinberg verteidigte sich eine Arbeitsdienstabteilung mit leichtem Flakgeschütz buchstäblich bis zum letzten, bis zum 21. April. Während die Nachschubkolonnen der Engländer ununterbrochen weiterrollten und ihre materielle Überlegenheit erdrückend war, hatten die deutschen Verteidiger der Heimat ihre Maschinengewehre teilweise auf Handwagen postiert und die Munition auf Schiebkarren befördert.

Die deutsche Panzerabwehr hatte Granaten mit Brandzündung und hoher Hitzeentwicklung aus den Stellungen im Wald abgefeuert, die viele Häuser in Flammen aufgehen ließen, während die englischen Tiefflieger Splitterbomben abwarfen. Das Kreisblatt berichtet in den 50er Jahren von acht toten deutschen Soldaten, 29 umgekommenen englischen Soldaten, einem gestorbenen jugoslawischen Kriegsgefangenen und einem unbekannten Toten in Etelsen.

Am Giersberger Frontabschnitt waren am 21. April drei 16- und 17-Jährige in Uniform aufgegriffen worden, die der junge deutsche Leutnant der dort aufgefahrene Artillerie unbedingt wegen Fahnenflucht erschießen lassen wollte. Es gelang nur mit großer Mühe, ihn davon abzubringen, berichtet der Kreisblatt-Chronist 1950.

Baden und Badenermoor standen am 21. April auf der Besetzungsliste. In der Serie des Achimer Kreisblatts von 1950 unter dem merkwürdigen Titel „Was vor fünf Jahren wirklich geschah“ heißt es dazu:

„Unter starkem Feuerschutz rollten um die Mittagszeit die ersten britischen Panzer nach Baden hinein. Die Spitze bildeten Flammenwerferpanzer, die beim geringsten Widerstand Brand und Zerstörung um sich her verbreiteten. Obwohl die bunt zusammengewürfelten deutschen Truppen mit den Landesschützen im Öllager gegen die Dampfwalze aus Stahl und Eisen kaum etwas zu bestellen hatten, wird aus den überall aufgeworfenen Schützenlöchern doch immer wieder noch geschossen. Dabei tut sich besonders ein Maschinengewehr-Netz an der Badener Schmiede hervor. Das militärisch wesentlich wichtigere Öllager wird dagegen so gut wie kampflos aufgegeben.“

Wie auch der Badener Johann Grau in seinen Lebenserinnerungen berichtet, hat der fanatische Badener Hauptlehrer auch in den letzten Kriegstagen Jugendliche zum Bau von Panzersperren in Baden und anderen Formen des Widerstands gegen die Engländer animiert. Ein Kapitänleutnant, ein Hauptmann der im Ölhafen gelegenen Marine, hatte in einem Haus der Verdener Straße seine Pistole auf junge deutsche Soldaten gerichtet, damit sie bis zum letzten Blutstropfen kämpften. Nachdem viele in den Luftschutzkeller geflüchtet waren, rief einer der jungen Soldaten von oben, der Hauptmann sei tot, der Krieg sei zu Ende.

Der Hauptmann lag tot auf dem Flur, und junge Soldaten erzählten, sie hätten ihn erschossen, als er ihnen mit der Pistole gedroht habe. Eine Zeitzeugin hat das 2005 dem Achimer Kreisblatt berichtet.

Der idyllische Weserort Baden beklagte durch den sinnlosen Widerstand die meisten Verluste in der Region. 34 deutsche Soldaten und drei Zivilisten hatten den Tod gefunden, zehn Höfe, Stallungen und Scheunen sowie 13 Wohnhäuser waren abgebrannt.

In der nächsten Folge:

Die Engländer erobern Achim

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