Endphase einer schwierigen Beziehung

43-Jähriger soll Ex-Frau geschlagen haben, weil sie Fernseher demolierte

Achim - Notwehr oder nicht? Diese Frage beschäftigte gestern zwischenzeitlich das Achimer Amtsgericht in einem Verfahren um häusliche Gewalt. In dem Fall hatte ein 43-jähriger Mann aus Ottersberg seine Frau im Februar 2017 mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen.

Begründung: Er wollte die Frau, die im Alkoholrausch in Rage geraten sei, zur Besinnung bringen. Zuvor habe sie etwas gegen den Fernseher geworfen, sodass dieser zu Bruch ging.

Die Schläge räumte der Angeklagte ein. Er habe sie davon abhalten wollen, dass sie noch mehr von seiner Wohnungseinrichtung zerstören würde. „Zwei- bis dreimal schlagen geht nicht“, kommentierte der Staatsanwalt den Versuch des Verteidigers, einen Freispruch wegen Notwehr zu erwirken. Körperliche Gewalt sei kein angemessenes Mittel, um jemanden von einer Sachbeschädigung abzuhalten.

Einstellung gegen Auflage

Daher einigte sich das Gericht auf eine Einstellung gegen Geldauflage. Der Angeklagte muss binnen fünf Monaten 500 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen.

Bei dem Prozess wurde dem 43-Jährigen zunächst sogar zweifache Körperverletzung vorgeworfen. Die Geschädigte, eine 42-jährige Verkäuferin, trat als Nebenklägerin auf.

Laut Anklageschrift hatten der Beschuldigte und seine Ex-Partnerin, die auch damals schon getrennt lebten, gegen Mitternacht gemeinsam eine DVD in dessen Achimer Wohnung ansehen wollen. Nachdem sie schon einiges an Wodka getrunken hätten, seien sie in Streit geraten. Im Verlauf der Auseinandersetzung habe der Angeklagte den Kopf seiner Lebensgefährtin gegen den Fernseher und gegen die Wand geschlagen.

Anschließend habe er sich auf sie gesetzt, sie geschlagen und gewürgt. Angeblich, weil er wütend war, dass sie den Fernseher kaputtgemacht hatte. Von der Attacke habe sie Nasenbluten, Hämatome, sowie Hautrötungen an Hals und Nacken davongetragen. Ein ärztliches Attest gab es nicht.

Wirre Aussagen vor Gericht 

Die Aussage der Nebenklägerin vor Gericht hinterließ einen wirren Eindruck und stimmte in wichtigen Punkten nicht mit dem überein, was sie unmittelbar nach dem Geschehen der Polizei mitgeteilt hatte. Vor Gericht hatte sie etwa erzählt, dass der Angeklagte sie mehrere Tage in seiner Wohnung festgehalten hatte. In der von ihr angegebenen Zeit waren jedoch offensichtlich mehrere Anrufe von ihrem Festnetzanschluss zu seinem Handy gegangen.

Auch schilderte sie in einem Fall, nach einem Fluchtversuch vom Angeklagten die Treppe hochgezerrt worden zu sein, im anderen, freiwillig wieder treppauf mit ihm ins Schlafzimmer gegangen zu sein.

Zuvor hatten sich die ehemaligen Ehepartner mehrfach gegenseitig wegen Körperverletzung angezeigt, die Anzeigen jedoch immer wieder zurückgezogen.

„Es gibt Beziehungen in diesem Leben, die sind einfach schwierig“, merkte Richterin Sabine Reinicke an, bevor sie die einhellige Entscheidung verkündete, das Verfahren nach §153a StPO vorläufig einzustellen. 

 ldu

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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