„Endlich kann ich darüber reden“

Fachtag Sterneneltern behandelt Trauerarbeit

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Die Initiatorinnen Heike Hansmann (links) und Stefanie Gebers (rechts) freuen sich über einen gelungenen Fachtag, den Gastrednerin Birgit Rutz (Mitte) aus St. Augustin maßgeblich prägte und als Weiterbildungsexpertin mitgestaltete. 

Achim - Der Verlust des neugeborenen oder ungeborenen Kindes bedeutet immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema – sehr zum Leid der Betroffenen, die mit einer traurigen und traumatischen Situation oftmals ohne Unterstützung umgehen müssen.

Am Samstag hatte die Kontaktstelle Selbsthilfe im Kirchenkreis Verden und die Selbsthilfegruppe „Sterneneltern Achim“ zu einem Fachtag mit Vortrag und Workshop ins Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) eingeladen. Zu den 70 registrierten Teilnehmern zählten neben Betroffenen auch Schwangerenberaterinnen, Hebammen und Krankenschwestern genauso wie Psychologen, Bestatter, Trauerbegleiter oder Fachkräfte der Pränatal-Diagnostik.

Ziel der Informationsveranstaltung war eine stärkere Vernetzung von Personen und Berufsgruppen, die mit den Themen Fehlgeburt, Stiller Geburt und Neugeborenentod in Verbindung stehen.

In ihrem Fachvortrag sprach Birgit Rutz als Sterbe- und Trauerbegleiterin von „Hope’s Angel“ über ihre Erfahrungen bei der Begleitung von Sterneneltern. Oft haben sie ihr Kind nicht einmal sehen oder anfassen können, und sie haben kein Foto oder Erinnerungsstück, was ihnen später bei der Trauerbewältigung helfen könne.

In den Kliniken werde in kritischen Situationen häufig ein Notfallplan abgerufen, der meistens mit einer Operation in Zusammenhang stehe und der keinen Raum für psychosoziale Rücksichtnahme kenne. „Wir als Selbsthilfegruppen würden gerne dort unterstützen“, erklärt Initiatorin Stefanie Gebers, „aber wir werden eher als Störung im Ablaufplan der Krankenhäuser wahrgenommen.“ Diese Sichtweise würden die engagierten Sterneneltern aus Achim gerne verändern. „Viele Therapien, die einem solchen Erlebnis nachfolgen, könnten mit einer vertrauensvollen und professionellen Betreuung verhindert werden“, ergänzt Heike Hansmann von der Kontaktstelle Selbsthilfe. Und der Kreis der Betroffenen sei groß: „Krank werden oft nicht nur die Mütter, sondern auch Väter, Geschwisterkinder oder Großeltern und andere Verwandte, die dem Ereignis der Geburt freudig entgegenblickten.“

Wunsch: Runder Tisch

Ein großer Wunsch vieler Tagungsbesucher ist ein regelmäßiger Runder Tisch im Landkreis Verden mit Selbsthilfegruppen und beteiligten Berufsgruppen mit dem Ziel, eine optimale Versorgung sicherzustellen. „Kliniken sollten an die Selbsthilfegruppen herantreten, sobald sich ein Sterbefall abzeichnet“, formuliert Stefanie Gebers den Idealfall.

Nach Vortrag und Mittagspause folgten Workshops, die der Fortbildung von „Begleitern“ dienten: Wie kann medizinisches Personal sensibilisiert werden? Wie kann man als Begleiter Zuspruch geben, hilfreiche Angebote liefern und gleichzeitig die notwendige Distanz bewahren? So lauteten wichtige Fragestellungen.

Ein zweiter Arbeitskreis befasste sich mit der konkreten individuellen Gefühlslage am „Tag X“ sowie einer Betrachtung desselben mit zeitlichem Abstand. Zum Abschluss lieferten die Workshop-Teilnehmer eine Nachlese mit Vortrag der Arbeitsergebnisse.

„Wir möchten eine Anlaufstelle bieten, damit Betroffene über ihre Erlebnisse, die Trauer und Ängste sprechen können“, fasst Stefanie Gebers ihr Engagement zusammen. Der Zuspruch sei nach Gründung der Achimer Selbsthilfegruppe deutlich angewachsen: Sogar Betroffene, die über Jahrzehnte ihre Erfahrungen verdrängt hatten, kämen heute auf sie zu und seien glücklich, endlich über das Erlebte reden zu können.

sch

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