Emir Sulejmanovic in Italien beim internationalen Seminar für junge Leute

„Menschen die Wege zum würdigen Leben öffnen“

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„Gespräch auf Augenhöhe“, links Emir Sulejmanovic, rechts Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments.

Achim - Von Manfred Brodt. „Jugendliche interessieren sich nicht für Politik“, ist ein gängiges, aber falsches Vorurteil. Der 24-jährige Emir Sulejmanovic aus Achim ist das beste Beispiel dafür. Als ein Auserwählter unter 1000 Bewerbern nahm er jetzt an der ersten europäischen „Schule der Demokratie“ in der italienischen Provinz Reggio Emilia mit 100 jungen Leuten aus 28 EU-Ländern teil.

Dabei war auch Emir lange Zeit nicht gerade ein homo politicus, sondern verbrachte die Wochenendnächte besonders gerne in Discos. Doch dann entschloss sich der frühere Achimer Realschüler, auf der Erwachsenen-Gesamtschule in Bremen sein Abitur nachzumachen, und kam ihm die Erkenntnis, dass das Leben Politik ist, und die Disco wurde durch die Parteiversammlung abgelöst.

Emir Sulejmanovic trat nämlich im Oktober 2014 in die SPD ein, und ist mit seinem Alter in der Ü- 60-Partei schon ein Exot. Natürlich bewegt er sich mit dem Smartphone durch die Welt, likte Sozialdemokraten und Sozialisten im Europäischen Parlament und erfuhr so von deren internationalem Seminar, für das er gleich seine ausführliche Bewerbung mailte. Sie gefiel auch, weil der 24-jährige Achimer, der als zweieinhalbjähriger Kosovo-Albaner mit seiner Familie aus Belgrad nach Deutschland geflüchtet war, sozusagen eine europäische Biografie hat.

Zusammen mit anderen Teilnehmern aus 28 EU-Ländern, der Ukraine, Türkei, Libanon, Ägypten, Tunesien, Marokko oder Montenegro diskutierte er unter anderem mit dem Fraktionsvorsitzenden der Sozialisten und Sozialdemokraten im Europaparlament Gianni Pittelli und hochrangigen Professoren, immer mit Simultandolmetscher für Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. In Arbeitsgruppen liefen Rollenspiele zu den wirtschaftlichen, sozialen und nationalistischen Konflikten in europäischen Ländern. Die jungen Leute schlüpften in die Rollen von Rechtsextremisten und Populisten oder der angegriffenen Regierung und mussten für ihre Position möglichst gut argumentieren. Emirs Gruppe stellte die Staatsmacht: „Und wir haben gewonnen.“

Gemeinsam mit 75 anderen Jugendlichen unterzeichnete der Achimer eine Resolution, dass Einwanderung nicht illegal sein könne, dass Menschen die Wege nach Europa und zu einem würdigen Leben geöffnet werden sollten. Die Resolution übergaben sie auch Martin Schulz, dem Präsidenten des EU-Parlaments, und er strahlte: „Well done“, gut gemacht.

Viele persönliche Kontakte, Feten und auch die Jahresfeier zur Befreiung vom italienischen Faschismus, alles war für den 24-Jährigen ein einzigartiges Erlebnis.

Besonders beeindruckte ihn, dass die jungen Leute mit den hochstehenden Persönlichkeiten auf Augenhöhe diskutieren konnten. „Die haben uns wirklich ernst genommen.“

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