Weil Förderung wegfällt

300 Achimer Haushalte zahlen plötzlich mehr für Heizung

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Das Blockheizkraftwerk in Achim versorgt auch viele Mietshäuser am Standort an der Friedrichstraße, so wie das Haus mit der Nummer 18 (im Hintergrund).

Achim - Von Lisa Duncan. 50 Prozent Preiserhöhung – ohne, dass der Kunde eine bessere Leistung erhält? Das würde normalerweise kaum jemand mitmachen. Für gut 300 Kunden der Stadtwerke Achim AG ist es nun Realität. Grund ist der Wegfall einer Bundesförderung für Fernwärme.

Die Stadtwerke geben die Kostenerhöhung für Heizung und Heißwasser direkt an ihre Kunden weiter. Werner Kluge ist indirekt davon betroffen: Der Rentner ist Wohnungseigentümer in Achim. Von der Preiskorrektur zum 1. Juli 2017 erfuhr er von seinem Hausverwalter. Was ihn daran besonders ärgert: „In Achim trifft das auch viele sozial Schwache.“

Kluges Immobilie befindet sich an der Friedrichstraße in Achim Nord. Und in dem Wohngebiet stehen nun mal, neben Reihenhäusern, auch viele günstige Mietwohnungen. Die beiden Familien, an die er vermietet, kennt er persönlich und weiß, dass sie sich ihren Lebensunterhalt mit Jobs im Niedriglohnsektor finanzieren müssen. „Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern zahlte bisher im Schnitt 2000 Euro Heizkosten pro Jahr. Jetzt sind es 800 Euro mehr!“

„Wir können tatsächlich nichts machen“, sagt Sven Feht, Vorstandssprecher der Achimer Stadtwerke. Sicherlich sei eine 50-prozentige Erhöhung „nicht ganz niedrig, aber der Gesetzgeber will, dass wir den Preis direkt an die Kunden weitergeben“.

310.000 Euro fallen weg

Entstanden sei die erhebliche Erhöhung durch den Wegfall der Kraft-Wärme-Kopplungs- (KWK)-Förderung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). „Es sind 310.000 Euro jährlich, die wegfallen“, erklärt Sven Feht. Betreiber von KWK-Anlagen erhalten nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz zeitlich befristete Zuschlagszahlungen. Voraussetzung für die Förderung ist die Zulassung der Anlage durch das BAFA, lässt sich der Internetseite des Ministeriums entnehmen.

Die Sache hat nur einen Haken: Ist das Blockheizkraftwerk (BHKW) mehr als 30.000 Benutzungsstunden gelaufen, fällt die Förderung weg. Sprich: Das BHKW läuft nicht mehr wirtschaftlich und umweltfreundlich genug, um gefördert zu werden. „Unser Blockheizkraftwerk läuft leicht über 6000 Stunden pro Jahr“, rechnet Feht vor. Daher sei nach vier Jahren Zuschuss das Ende der Fahnenstange erreicht. „Warum der Gesetzgeber die Förderung nicht über fünf Jahre gemacht hat, kann ich auch nicht verstehen.“

Die Kunden der Stadtwerke Achim hätten dafür viele Jahre einen reduzierten Fernwärmepreis gezahlt. zäumt der Stadtwerke-Sprecher das Pferd von hinten auf, und fügt hinzu: „Früher waren wir der drittgünstigste Fernwärme-Dienstleister in Deutschland.“

Laut Stefan Miebach, Bereichsleiter Verkauf bei den Stadtwerken Achim, sei die Erhöhung allerdings nicht so gravierend. Denn der Jahrespreis errechne sich aus drei Komponenten: Grundpreis, Wärmeleistung und Arbeitspreis. Nur Letzterer habe sich um 50 Prozent gesteigert, die anderen beiden nur geringfügig.

Preise werden ständig neu errechnet

Zudem bestehe für das Mehrfamilienhaus ein Sondervertrag, nach dem der Preis alle sechs Monate neu berechnet werde. „Damit ergeben sich für das Haus mit 42 Wohneinheiten Brutto-Mehrkosten in Höhe von 7224 Euro, sodass pro Wohnung im Schnitt 172 Euro mehr pro Jahr anfallen“, lautet Miebachs Kalkulation.

Auf die Frage, ob die Preisanhebung nicht hätte gestaffelt werden können, meint Vorstandssprecher Sven Feht: „Wir sehen zu, dass wir unsere Dienstleistungen kostengünstig anbieten, aber wir müssen wirtschaftlich bleiben.“

Vermieter Werner Kluge kann darüber nur den Kopf schütteln. „Es geht mir um das Unsoziale, dass man sich keine Gedanken darüber macht, wie die Leute das bezahlen sollen.“

Die Stadtwerke Achim AG versorgt das Wohngebiet Achim Nord und kommunale Einrichtungen mit Fernwärme aus einem „besonders rationell und umweltschonend arbeitenden Blockheizkraftwerk (BHKW)“.

Fernwärme:

Das BHKW erzeugt nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung elektrische Energie und Wärme gleichzeitig. Die elektrische Energie wird in das Stromversorgungsnetz der Stadtwerke Achim AG eingespeist und die Wärme über ein Fernwärmenetz zu den einzelnen Fernwärmekunden transportiert. - Quelle: www.stadtwerke-achim.de

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