Einst erbittert bekämpft, heute „demokratisches Zentrum“

25 Jahre Achimer Rathaus: Selbst frühere Gegner des Baus singen jetzt Loblied

+
Der Chor Tomer aus Achims lettischer Partnerstadt Cesis brachte klangvollen Schwung in die Jubiläumsveranstaltung im Rathausfoyer.

Achim - Von Michael Mix. „Die damaligen Auseinandersetzungen um den Bau des Rathauses waren wohl schlimmer als jetzt die Diskussion um Amazon“, stellte Bürgermeister Rainer Ditzfeld im Beisein seiner Amtsvorgänger Uwe Kellner und Christoph Rippich im gläsernen Foyer fest. Das Trio eröffnete gestern den Tag der offenen Tür anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Verwaltungsgebäudes.

Die Veranstaltung, die nicht von allzu vielen Bürgerinnen und Bürgern besucht wurde, bot neben dem gemeinsamen Auftritt der drei noch lebenden Achimer Bürgermeister vor allem immer wieder musikalische Glanzpunkte. Der Chor Tomer aus Achims lettischer Partnerstadt Cesis unterhielt das Publikum in äußerst mitreißender Weise. Mit großer Klangfülle und tonsicher begeisterten die Jugendlichen mit ihren Liedvorträgen das Publikum.

Angesichts des erbitterten Streits um den Rathausbau Anfang der 90er Jahre wäre er seinerzeit in Cesis, mit dem Achim gerade frische Bande geknüpft hatte, am liebsten länger geblieben, sagte Ehrenbürgermeister Rippich und erheiterte damit die Zuhörer. Das langjährige Stadtoberhaupt (1968 bis 2006) erinnerte daran, dass auch noch lange nach der Gebietsreform 1972 und dem damit verbundenen Zusammenschluss Achims mit den umliegenden Gemeinden die Stadtverwaltung räumlich getrennt gewesen sei, „zum Teil lagen die einzelnen Ämter zehn Kilometer auseinander“. Eine „Zusammenführung“ habe er für sinnvoll gehalten, „es hätte jedoch kein neues, großes Rathaus sein gemusst“. Doch für diese Position fand Sozialdemokrat Rippich in der eigenen Partei keine Mehrheit. Mit Hilfe der FDP habe die SPD gegen die CDU und gegen den heftigen Widerstand einer Bürgerinitiative, aus der die Wählergemeinschaft Achim (WGA) hervorging, den Bau in der Fußgängerzone durchgesetzt.

Rippich, der vor 50 Jahren zum Bürgermeister gewählt wurde und seine letzten Dienstjahre am zunächst ungeliebten Amtssitz zubrachte, hat sich inzwischen mit dem Rathaus angefreundet. Es sei ein helles, freundliches Haus mit offener Tür für die Bürgerinnen und Bürger, und die Glashalle eigne sich erwiesenermaßen gut für Kunstausstellungen, Lesungen und andere Veranstaltungen. Das „demokratische Zentrum“ Achims sei zudem an einer historischen Entscheidungsstätte errichtet worden, denn früher hätten dort das Landratsamt und das Gogericht ihren Sitz gehabt. Rippich, der vor wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, resümierte: „Das Rathaus hat sich bewährt.“

Bürgermeister Rainer Ditzfeld (l.) und die Amtsvorgänger Uwe Kellner und Christoph Rippich mit frisch gemachten, gerahmten Fotos. Die Konterfeis zieren jetzt den Gang zum Verwaltungsvorstand.

Sein Amtsnachfolger Uwe Kellner setzte dieses Loblied fort – und zog dabei einen Vergleich mit dem Stadtverwaltungsgebäude von San Francisco. Dieses sei ein dunkles Haus mit Eingangskontrollen wie an einem Flughafen, habe er vor kurzem im Urlaub in Kalifornien erlebt. Das Achimer Gegenstück, das inzwischen ja auch die Stadtbibliothek beherberge, präsentiere sich dagegen offen und bürgerfreundlich.

Kellner, der von 2006 bis 2014 Bürgermeister war, hatte 1973 im alten Rathaus eine Lehre bei der Verwaltung begonnen. Danach sei er in der in Uesen angesiedelten Kämmerei und im Bauamt in Baden tätig gewesen. Hin und wieder habe er auch die Außenstellen in Bierden und Uphusen besucht. „Allein der Schriftverkehr der über das gesamte Stadtgebiet verteilten Verwaltung war ein aufwendiges Hin und Her“, fasste Kellner zusammen. Von daher habe der Neubau für ihn und alle Kolleginnen und Kollegen einen Gewinn bedeutet – „und sicherlich auch für die Bürger“. Kellner, der sich gestern zum Jubiläum vermutlich auch ein größeres Publikum erhofft hatte, schloss mit einer Art Appell: „Alle Achimerinnen und Achimer rein ins Rathaus!“

Gestern Nachmittag kamen nicht allzuviele. Die Führungen von Manfred Drees durch das Haus waren wenig gefragt. Auch auf den Fluren und in den Räumen der verschiedenen Fachbereiche, die einen Blick hinter die Kulissen erlaubten, hielt sich der Andrang in Grenzen. Die stündlichen Filmvorführungen und die Fotoausstellung zu den „Geburtswehen“ beim Entstehen des Rathauses bis hin zur heutigen Arbeit der Stadtverwaltung stießen da schon auf mehr Interesse. Gern labten sich auch etliche Besucher an Kaffee und Kuchen, von der Bürgerstiftung spendiert.

Hausherr Ditzfeld, der sich freute, zum Jubiläum auch Peter Skornicka, Controller beim Rathausbau, und Ralf Köster, der für die Elektroinstallation zuständig war, begrüßen zu können, dankte allen, die sich für den Tag der offenen Tür ins Zeug gelegt hatten. Ein Extra-Lob hielt der Bürgermeister für die Auszubildenden der Stadt als Organisatoren der Veranstaltung parat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Hamas ruft Gaza-Waffenruhe mit Israel aus

Hamas ruft Gaza-Waffenruhe mit Israel aus

Horror-Crash auf der A81 am Samstag - die Bilder

Horror-Crash auf der A81 am Samstag - die Bilder

Fotostrecke: Werder beim Blitzturnier in Essen

Fotostrecke: Werder beim Blitzturnier in Essen

Deichbrand 2018: Beste Stimmung auf den Campingplätzen

Deichbrand 2018: Beste Stimmung auf den Campingplätzen

Meistgelesene Artikel

Für Kinderglück: Cluvenhagener Paar reist mit 190er Benz um die Welt

Für Kinderglück: Cluvenhagener Paar reist mit 190er Benz um die Welt

Frank Tödter regiert nun das Völkerser Schützenvolk

Frank Tödter regiert nun das Völkerser Schützenvolk

Baugebiet Schneiderburg II: Investor will bald anfangen zu bauen

Baugebiet Schneiderburg II: Investor will bald anfangen zu bauen

Drittes Ladenlokal im Geschäftshaus Große Straße 33 hat noch keinen Mieter

Drittes Ladenlokal im Geschäftshaus Große Straße 33 hat noch keinen Mieter

Kommentare