Einkaufszentrum auf Lieken-Brache? / Großes Interesse an Besichtigung

„Ohne Magnet kommen keine Kunden nach Achim“

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So ähnlich könnte das Einkaufszentrum aussehen.

Achim - Von Manfred Brodt. „Man kann planen in der Innenstadt, was man will, die Leute bleiben weg, wenn kein Magnet kommt“, sagt Karl Will gestern, der zusammen mit seinem Partner Peter Skrabs von W&S auf dem Areal der früheren Lieken-Brotfabrik am Bahnhof ein Einkaufszentrum plus Wohnungen bauen möchte. Zu dem Besichtigungstermin der CDU auf dem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück hatten sich rund 150 interessierte Achimer eingefunden.

Enttäuscht war der eine oder die andere, weil sie nicht in das Gebäude hinein durften aus versicherungsrechtlichen Gründen, wie es hieß. Mehr als leere Fabrikhallen, die abgerissen werden müssen, hätten sie aber auch nicht gesehen. Ausländische Arbeiter haben die Produktionsanlagen demontiert, die über eine chinesische Connection in den Sudan gebracht worden sein sollen, um dort Brot zu backen, war zu erfahren.

Aber auch ohne Blick ins Gebäudeinnere war zu spüren, welch große Zukunftsfläche im Zentrum Achims hier liegt. Will und Skräbs möchten ja 7500 Quadratmeter Verkaufsfläche schaffen für maximal zweigeschossige Fachmärkte für Textil, Elektronik und Drogerieartikel. Klangvolle Namen wie C&A, H&M, Müller, Expert Behning und Telepoint werden da genannt. Laut den Investoren kommen sie nur, wenn ein großer Lebensmittelmarkt dabei ist, der ihnen die entsprechende Laufkundschaft garantiert.

Ein großer Lebensmittelmarkt hätte mindestens 3500 Quadratmeter und würde ein Sortiment von 26 000 Artikeln bieten. Dazu ein vergrößerter Aldi mit zusammen 350 bis 380 Parkplätzen. Im ersten Stock des zehn Meter hohen Gebäudetraktes, der zugleich Schutz vor dem Bahnlärm bietet, sind viele Nutzungen möglich von Büros bis zur Tanzschule.

Den Lieken-Turm mit seiner Grundfläche von 117 Quadratmetern unten und 127 Quadratmetern oben möchten die Investoren auf Wunsch vieler Achimer erhalten. Unten im Turm könnte ein Kultur- und Veranstaltungsraum entstehen, oben ein Café mit weitem Blick über Achim. Auch andere Ideen für die jetzige Industriebrache wie ein Schnellrestaurant oder eine Disco lehnen sie nicht rundweg ab, wenn sich Betreiber dafür finden würden.

Während der Kundenverkehr über den kommenden Kreisel am Fritz Lieken Eck/Embser Landstraße fahren soll, würden die Lieferfahrzeuge über die Bahnhofsseite das Einkaufszentrum ansteuern. Allein 6000 Quadratmeter für den Logistikbereich sind auf dem Areal vorgesehen. Karl Will fragt, wo sonst in der Achimer Innenstadt denn Sattelschlepper auf so einer großen Fläche anliefern könnten.

Er versuchte zu überzeugen, dass dieser Magnet Einkaufszentrum nicht der Achimer Innenstadt schade, sondern erst wieder Kunden nach Achim bringen und auch neue, attraktive, kleine Läden in der nur 450 Meter entfernten Fußgängerzone ermöglichen werde. Nicht dieser Magnet schade der Fußgängerzone, sondern die Einkaufszentren in Posthausen und Bremen. „Die erweitern und lachen sich doch kaputt über die Achimer Diskussion“, sagt der wortgewaltige Franke.

„Achim ist doch tot. Was wollen sie noch mit diesem Ort. Das ist doch lächerlich“, sagt ein älterer Achimer erbost über die „Bedenkenträger“. Natürlich gab‘s Meinungsverschiedenheiten, und die Besucher redeten noch lange mit den beiden Interessenten über Grundsätzliches und das Detail.

„Und was ist, wenn die Stadtratsmehrheit am, 23. April sagt, das läuft hier alles nicht?“, wollten wir wissen. „Dann warten wir ab, was in der Fußgängerzone passiert und kommen wieder. Wir haben einen langen Atem“, sagt Peter Skräbs, der zusammen mit seinem Partner Karl Will das Verfügungsrecht über das zentrale Grundstück hat.

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