Von Redakteur Manfred Brodt

Kommentar:„Nicht nur die Fußgängerzone zählt“

Ein Kommentar von Manfred Brodt. Auch als prinzipieller Anhänger eines Einkaufszentrums mit Fachmärkten zum Beispiel für Elektronik und Textilien auf dem Lieken-Gelände muss ich zur Kenntnis nehmen, dass nach einhelliger Meinung der seriösen und nicht parteiischen Experten solche Fachmärkte nur rentabel wären zusammen mit einem größeren Lebensmittelmarkt, der täglich Laufkundschaft garantiert, und dass ein Mega-Lebensmittelmarkt den Supermarkt mit der ganzen Marktpassage bedrohen und der kompletten Fußgängerzone den Todesstoß versetzen könnte. 

Ich muss auch glauben, dass die Kunden niemals den Weg vom Lieken-Gelände über eine attraktive Straße „Zum Achimer Bahnhof“ zu schnuckeligen Läden, Cafés und Restaurants in der Fußgängerzone auf sich nehmen würden, weil sie schon viel kürzere Wege nicht gehen.

Manfred Brodt

Wenn allerdings die Entfernung zwischen dem Lieken-Areal und dem Fußgängerreich zu groß ist, Bahnstrecke und Brücke eine Sperre bilden, dann gilt das auch umgekehrt. Will heißen, die Menschen in der „Vogelsiedlung“, zwischen Freibad und Friedrichstraße und in den geplanten 100 neuen Wohnungen der „nördlichen Innenstadt“, insbesondere für Senioren, werden sich nicht unbedingt ins Gewühl der City drängen, die Tiefgarage oder andere entferntere Parkplätze ansteuern. 

Sie können bequemer auch nach Bierden oder Oyten fahren. Deshalb wäre ein nicht riesiger „Lieken-Supermarkt“ für die Menschen in der nördlichen Innenstadt dennoch durchaus sinnvoll, die in der Umgebung drei Discounter, aber keinen Supermarkt mit auch höherpreisigen Waren haben. Alle Discounter brummen, warum nicht auch zwei Supermärkte mit getrennter Kundschaft?

Stadtplanung sollte jedenfalls nicht nur für die kleine Fußgängerzone betrieben werden, zumal die Stadtverwaltung selbst vor Jahren den Ausbau und die Aufstockung der jetzt so geschätzten Marktpassage auch mit Hilfe solcher Gutachten torpediert hatte. Damals war herrschende Lehre, dass statt dessen an den Rändern der City „Filetstücke“ angeboten werden sollten, ein Fachmarktzentrum auf dem Scherf-Rühe-Gelände und eine Markthalle auf dem Baumplatz und der Gefängnisfläche. Sie sollten dann Menschen in die Fußgängerzone locken. Was daraus geworden ist, ist bekannt.

Lesen Sie zu dem Thema auch den Artikel "Bahnhof als Freizeitzentrum"

Rubriklistenbild: © dpa

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