Rosengarten-Moschee ist fertig

„Achimer Gemeinde hat einen der schönsten Gebetsräume im Norden“

Die Moschee an der Hasseler Straße verfügt jetzt auch über ein Minarett.
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Die Moschee an der Hasseler Straße verfügt jetzt auch über ein Minarett.

Achim – Seit wenigen Wochen steht auch das Minarett neben der Moschee an der Hasseler Straße. „Bis auf Restarbeiten ist unser Gemeindehaus fertig“, sagt Ilhami Yoldas, Vorsitzender des Kulturvereins Achimer Muslime (Kamu), auf Nachfrage. Sechs Jahre hat der Bau gedauert, aber der Einsatz der Mitglieder, die viel in Eigenleistung erstellten und  eine Menge Geld für die Finanzierung des Projekts aufbrachten, habe sich gelohnt, stellt er fest und fügt stolz hinzu:

„Wir denken, dass diese Moschee eine Bereicherung für Achim ist und den Stadtteil aufwertet.“

Doch der Weg bis zur Realisierung des Objekts war für die „rund 700 Sunniten einschließlich Frauen und Kinder“ unter dem Dach des Kamu beschwerlich. „Wir wollten schon lange ein eigenes Gemeindehaus haben“, erinnert Yoldas an den ins Auge gefassten Standort an der Feldstraße / Ecke Georgstraße und folgende Auseinandersetzungen mit Anwohnern, Behörden und Gerichten. Auch Pläne an anderer Stelle in Achim hätten sich zerschlagen. Schließlich habe der Verein 2012 das 8 000 Quadratmeter große Grundstück an der Hasseler Straße 21 erworben, und nach der von der Stadt erfolgten Ausweisung des Areals als „Sondernutzungsgebiet für kirchliche Zwecke“ sei dort im April 2015 der Grundstein gelegt worden.

Über die Art und Größe des Gemeindehauses und wie es ausgestattet sein sollte, darüber hätten die gut 180 zahlenden Kamu-Mitglieder, „überwiegend Männer“, entschieden. Entstanden sei so eine Moschee mit 180 Quadratmeter großem Gebetsraum und Kuppel, 11,50 Meter hoch und sieben Meter im Durchmesser. „Das ist ungewöhnlich groß für eine Kleinstadt wie Achim“, merkt Yoldas an. In der Region verfüge lediglich die Fatih-Moschee in Bremen-Gröpelingen über größere Ausmaße.

Die Achimer „Ravza Camii“, übersetzt „Rosengarten-Moschee“, sei nach dem Propheten-Gotteshaus im saudi-arabischen Medina benannt worden, erläutert der Kamu-Vorsitzende. Das Kernstück, der Gebetsraum, hat nach seinen Angaben eine Innenarchitektin aus Dortmund entworfen. Die wie er selbst aus der Türkei stammende Expertin habe sich bei der Gestaltung auf edle Materialien aus ihrer Heimat gestützt. Die Einrichtung, etwa die Gebets- und die Predigtkanzel für den Imam, besteht aus hochwertigem Nussbaumholz. Über dem handgewebten türkisfarbenen Gebetsteppich schwebt ein riesiger Kronleuchter. „Und ein professioneller Kalligraf aus der Türkei hat die Wände und die Decke mit Ornamenten verziert“, informiert Yoldas. Die für all das aufgewendeten 70 000 Euro seien gut investiert, findet der 51-jährige Geschäftsmann, der schon seit 1971 in Achim wohnt. Der Vater von vier erwachsenen Kindern schwärmt: „Es ist einer der schönsten Gebetsräume Norddeutschlands.“

In Pandemiezeiten werden die Besucher registriert.

Der in Stahlbetonweise errichtete 17 Meter hohe Gebetsturm sei mit 5 000 Euro vergleichsweise kostengünstig gewesen. Dieser habe ohnehin nur symbolischen Charakter. „So wie eine christliche Kirche einen Turm hat, so gehört zu einer Moschee ein Minarett“, erklärt Yoldas. Früher habe von dort aus ein Muezzin die fünf täglichen Gebetszeiten angekündigt, aber das passiere selbst in der Türkei längst über Lautsprecher. „Und bei uns hier ruft der Imam im Gebetsraum dazu über Mikrofon auf.“

Imam Ibrahim Durak beim Freitagsgebet im vollen Gebetsraum.

Noch hergerichtet werden soll ein „Jugendlokal“ mit Spiele- und Leseecke sowie Bistro in einem Gebäude, das über einen Innenhof mit der Moschee verbunden ist. Die Fläche im Erdgeschoss diente laut Yoldas vier Jahre lang als „Multifunktionsraum“, nämlich als Gebetsstätte für Männer und Frauen, für Vereinsversammlungen, als Treffpunkt für Jugendliche und Koranschule. Nebenan gibt es eine Küche samt Döner- und Pizzaofen sowie einen Sanitärtrakt. Einige Schritte weiter hat der aus der Türkei geholte Imam Ibrahim Durak mit seiner Ehefrau eine Wohnung bezogen. „Das ist die einzig bezahlte Kraft der Gemeinde.“

Die Gebäude seien weitgehend von Mitgliedern gemauert worden. Handwerklich versierte Kräfte aus den eigenen Reihen hätten auch Fliesen und Kabel verlegt sowie die Klempnerarbeiten erledigt. Der Verein profitiere davon nicht nur in finanzieller Hinsicht, sagt Yoldas. „Das schweißt zusammen.“

Kamu-Boss Ilhami Yoldas.

Unter dem Strich habe Kamu dennoch knapp 1,2 Millionen Euro in das Projekt gesteckt, „alles aus eigenen Mitteln“, betont Ilhami Yoldas. Immerhin 250 000 Euro seien durch den Verkauf der Immobilie an der Feldstraße eingenommen worden. Dazu habe es viele Spenden von Mitgliedern gegeben. „Einer hat sogar 70 000 Euro gespendet.“

Ein Landschaftsgärtner solle nun noch die Gestaltung des Außengeländes planen. Die 62 Parkplätze für motorisierte Besucher, etwa des Freitagsgebets („das ist unser Sonntagsgottesdienst“), sind schon fertig.

Schon bald soll auch die interessierte Öffentlichkeit die Rosengarten-Moschee näher kennenlernen. Ilhami Yoldas verspricht eine „große Einweihung, wenn Corona vorbei ist und 1 000 Leute kommen dürfen“.

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