Ein Mikrokredit für ein Mikrogeschäft

Andreas Pofahl eröffnet kleinen Bäckerladen in Achims Bahnhof

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In seinem kleinen Bäckerladen wird es bei Andreas Pofahl im Achimer Bahnhof schnell gemütlich.

Irgendwann war Andreas Pofahl die Fahrerei leid. „Morgens um halb fünf nach Hamburg-Wandsbek, das ging ja noch schnell. Aber mittags zurück – da habe ich genauso lang gebraucht, nur um über die Elbe zu kommen. Ich habe schon ein steifes Bein bekommen.“ Also hängte der 52-Jährige seinen Job im Kundendienst als Qualitätsbeauftragter für Großbäckereien und Ausbilder in ganz Norddeutschland an den Nagel – und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit.

Achim - „Weihnachten habe ich mit meiner Frau über die Sache nachgedacht, obwohl ich tolle Stellenangebote hatte.“ Die Sache – das ist die Eröffnung des kleinen Bäckerladens im Achimer Bahnhof: Klein ist wörtlich zu nehmen. Auf niedlichen 17 Quadratmetern versorgt Andreas Pofahl die Reisenden seit vergangenem Mittwoch mit Brot, Brötchen und Snacks sowie Kaffee und Tee. Das Geschäft ist so klein, dass es manche erst suchen müssen, um es am Rande des Bahnhofsgebäudes an Gleis 1, Fahrtrichtung Verden und Hannover, zu finden. „Sie müssen mehr Schilder aufstellen“, empfiehlt ihm eine Kundin. „Hab’ ich ja“, entgegnet Pofahl fast schon schreiend, während einer der vielen Güterzüge vorbeiknallt. Doch „Strolche“ hätten ihm eins kaputtgemacht. Außerdem darf er nicht überall Schilder aufstellen. Das verbietet das Eisenbahnbundesamt. Doch der nicht auf den Mund gefallene 52-jährige Bäcker („Ich bin seit 37 Jahren in der Branche“) ist sich sicher, dass sich sein Angebot auch schnell ohne Schilder herumsprechen wird.

Hoher Andrang im Laden - vor allem Pendler

Morgens um 5.30 Uhr geht es los. Der Andrang vom ersten Tag an hat ihn überwältigt. Vor allem Pendler rennen ihm die kleine Bude ein. Erschöpft und glücklich freut er sich auf den Feierabend um 14.30 Uhr (samstags um 11.30 Uhr). Denn als – der Scherz sei erlaubt – frisch gebackener Selbstständiger muss er bereit sein, noch härter zu malochen als als Angestellter. Kein Problem für ihn. „Ich wollte das ja so.“

Nach fünf Monaten der intensiven Vorbereitung und Planung, guten Gesprächen mit dem Kreisbauamt („Sogar abends um 20 Uhr!“), dem Rathaus, dem Vermieter des Bahnhofsgebäudes, der Industrie- und Handelskammer, dem Gesundheitsamt und der landeseigenen N-Bank, die ihn mit einem Mikrostarterkredit ausgestattet hat, verkauft der Ur-Achimer nebenan im Ofen gebackene Brötchen. Das Brot wie auch der Teig für die Brötchen stammen von der Landbäckerei Baden, seinem Lehrbetrieb. Mit dem Geld von der N-Bank hat er einen fünfstelligen Betrag in die Ausstattung des kleinen Bäckerladens investiert.

„Ich wollte es anders machen als die anderen.“

Pofahl setzt auf Nachhaltigkeit. „Ich wollte es anders machen als die anderen.“ Die Auflage, Wurst und Hackepeter zum Beispiel, kommt von einer Landschlachterei aus der Region. Pofahl verzichtet auf die Belieferung durch den Bäcker-Fachgroßhandel. Der Kaffee ist fair gehandelt und Bio, genauso wie der Tee aus Ostfriesland. Die Kunden bekommen bei ihm keine Plastikbecher, sondern zu 100 Prozent kompostierbare aus gehärteter Milchsäure. „Was sollte ich denn den Kindern antworten, die nach den freaky Fridays zu mir kommen und auf Plastikbecher zeigen, wenn ich darin den Kaffee ausschenken würde?“

Was macht ein gutes Schwarzbrot aus?

Wieder donnert ein Güterzug vorbei. Der Neu-Unternehmer muss seinen kleinen Vortrag für eine Kundin unterbrechen, was ein gutes Schwarzbrot ausmacht. „Die sechste Zutat ist die Gärzeit.“ Und von Brotschneidemaschinen hält er auch nichts. „Wer soll die richtig sauber machen?“ Lieber zu Hause selber schneiden, meint Pofahl, der sein Projekt nur dank seiner Ehefrau Yvonne stemmen konnte.

Für die Kundin bucht er derweil ein Feinbrot in die Kasse ein. Damit kann das Gerät nichts anfangen und macht „Funbrot“ daraus. „Das passt doch!“, findet Andreas Pofahl. „Lasst uns Spaß haben.“

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