An Gehölzen auf Grundstück an der Herbergstraße

Horst Lange vermutet Baumfrevel: „Eine Riesenschweinerei“

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Darüber wundert sich Horst Lange besonders: Selbst der Efeu, der sich um die Bäume rankt, scheint teilweise schon abgestorben zu sein.

Achim - Mindestens zehn Meter hoch ragen sie in den Himmel, die Bäume auf dem Grundstück an der Herbergstraße 8. Der etwa 160 Quadratmeter große Garten gehört Horst Lange. Aber bald wird sich Lange nicht mehr am Grün erfreuen können, denn die sechs, einst prächtig gedeihenden Baumriesen sind plötzlich abgestorben.

„Eine Riesenschweinerei“, nennt das der ehemalige Kämmerer und stellvertretende Stadtdirektor Achims. Denn er hegt den Verdacht, dass die Schäden von Dritten verursacht wurden. Ein angesengtes Bohrloch an einem der Ahornbäume legt diese Vermutung nahe.

Insgesamt stehen auf dem Grundstück vier Ahornbäume, eine Birke und eine Kiefer. Blattschwund gibt es nicht nur an den Bäumen selbst, sondern auch der Efeu, der sie umrankt, welkt langsam dahin.

Zuerst aufgefallen, dass mit den Gewächsen irgendetwas nicht stimmt, ist es Nachbarin Mary Hagen. Sie gibt seit vielen Jahren Kurse in der Kunstschule des Achimer Kunstvereins. Mit Horst Lange, der selbst in Bremen wohnt und dementsprechend selten vor Ort ist, hat sie vereinbart, dass sie den Garten nutzen darf. Oft habe sie in den Jahren zuvor mit Teilnehmern ihrer Sommermalkurse dort gesessen. 

Ein Bohrloch mit angesengtem Rand ist an einem der Ahorn-Bäume deutlich zu erkennen.

„Das war ein richtiges kleines Refugium“, erinnert sich Lange. Bis Hagen im Mai anrief und Bescheid gab, dass die Bäume ihre Blätter verlieren, beziehungsweise, dass sie teilweise nach dem Winter gar nicht zurückgekommen seien. Erst als die Kältewelle im April vorüber war, fiel der Künstlerin, die 2005 in das Haus mit Atelier eingezogen war, diese Veränderung auf. 

„Und das Seltsame ist: Betroffen sind nur diese Bäume, die Bepflanzung auf den umliegenden Grundstücken ist gesund“, so Hagen. Sie hält es nicht für abwegig, dass jemand die Bäume manipuliert haben könnte: „Ich bin sehr traurig darüber und verstehe solche Menschen nicht.“

Auch der Eigentümer des Nachbargrundstücks, Eckhart Petras, kann sich die Baumschäden nicht erklären. Er ist seit November 2016 dabei, nebenan Eigentumswohnungen zu bauen, die er später vermieten möchte. Auch er hat mit Lange eine Vereinbarung getroffen: Bis zur Fertigstellung seiner Bautätigkeit im November darf er den Garten nutzen, etwa um Baumaterialien zwischenzulagern. Erst vor Kurzem habe Lange ihm von dem Baumsterben erzählt.

Dieser Ahorn besteht fast nur noch aus abgestorbenen Ästen.

Vor wenigen Tagen dann hat Horst Lange die Situation selbst in Augenschein genommen – und war schockiert. Sofort holte er Rat beim Bauhof der Stadt Achim ein. Bei Verstößen gegen die Baumschutzsatzung der Stadt, die Lange einst selbst mit auf den Weg gebracht hatte, ist der Bauhof die erste Anlaufstelle. „Die Satzung besagt, dass jeder Laubbaum, der mindestens einen Meter Höhe und 80 Zentimeter Stammumfang misst, unter besonderem Schutz steht und nicht ohne Genehmigung gefällt werden darf“, so Daniel von Salzen, Baumbeauftragter in der städtischen Behörde. 

Die Stadt wird auf Langes Meldung hin ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Unbekannt einleiten. „Fakt ist, dass der Baum angebohrt wurde“, so von Salzen. Um nähere Angaben zur Ursache machen zu können, müsse jedoch ein Sachverständiger eingeschaltet werden.

Zudem hat Horst Lange die Polizei verständigt. Laut Gesetz steht auf Sachbeschädigung (§303 StGB) eine bis zu zweijährige Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. „Ob es einen Strafbefehl gibt, liegt aber im Ermessen der Staatsanwaltschaft“, erklärt Helge Cassens, Pressesprecher der Polizeiinspektion Verden/Osterholz.

Und ob die Bäume sich wieder erholen? „Große Hoffnung habe ich nicht. Aber wie der Bauhof mir bestätigte, sind sie standsicher und bergen keine Unfallgefahr. Also werde ich erstmal bis zum nächsten Frühjahr abwarten“, sagt Lange.

ldu

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