SERIE JUGENDARBEIT WÄHREND DER PANDEMIE Arbeitskreis präsentiert Ideen und Anregungen

Eine Lobby für Jugendliche

Aus der Krise lernen: Till Bräkling und Gesa Kaemena arbeiten an besseren Organisationsstrukturen und Angeboten für Kinder und Jugendliche in Achim und nehmen Vorschläge gerne entgegen.
+
Aus der Krise lernen: Till Bräkling und Gesa Kaemena arbeiten an besseren Organisationsstrukturen und Angeboten für Kinder und Jugendliche in Achim und nehmen Vorschläge gerne entgegen.

Achim – Als informeller Zusammenschluss regionaler Institutionen und Vereine widmet sich der „Arbeitskreis Achimer Jugendarbeit“ den besonderen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen. In unserer Serie machen deren Mitglieder auf die besondere Situation der Jugendlichen während der Corona-Pandemie aufmerksam. „Wir wollen zeigen, wie unsere Jugendorganisationen und -einrichtungen Kinder und Jugendliche trotz der Kontaktbeschränkungen bei der Stange halten“, erklärt Till Bräkling vom Fachbereich Bildung, Soziales und Kultur – Kinder und Jugend – im Achimer Rathaus. „Wir richten den Blick auf kreative Ideen im Umgang mit der Situation und gewinnen konstruktive Vorschläge aus der Praxis für die zukünftige Entwicklung der Jugendarbeit“, so Bräkling weiter.

Alternative Freizeitangebote, die unter Corona-Kontaktbeschränkungen stattfinden können, würden derzeit dringend gesucht, denn die aktuelle Lage sei alarmierend: So würden Jugendliche seit drei Monaten praktisch nur noch als Schüler betrachtet. „Sie mussten zu Hause möglichst gut funktionieren, und niemand hat danach gefragt, wie es ihnen damit geht“, beklagt Fachbereichskollegin Gesa Kaemena. „Lockerungen gelten vor allem für kommerzielle Bereiche wie Einzelhandel, Cafés oder Restaurants, aber Jugendliche nutzen in der Regel keine kommerziellen Angebote.“

Das sogenannte Homeschooling, also der Unterricht zu Hause, habe Eltern und Kinder vor eine extreme Herausforderung gestellt, die zu zusätzlichen Stress- und Konfliktsituationen geführt habe. Freundschaften hätten nicht im gewohnten Umfang gepflegt werden können, und der fehlende Kontakt zu geliebten Menschen wie den Großeltern hinterlasse bei den Kleinsten möglicherweise nachhaltige psychische Schäden. Ein Ansturm auf psychotherapeutische Praxen zeichne sich deshalb bereits ab.

„Während für öffentliche Bereiche und Handel nach Lösungen im Umgang mit der Corona-Pandemie gesucht werden, gibt es für Jugendliche keinerlei Anstrengungen und oder Beteiligungsformen“, kritisiert Till Bräkling. Dabei sei eine Teilhabe auf Verwaltungsebene gesetzlich vorgeschrieben. „Allerdings sei dies unter normalen Bedingungen bereits schwer umzusetzen – in der Krise tendiert das Maß gegen Null“, weiß Bräkling. „Wir sollten jetzt überlegen, wie wir in Zukunft besser mit der Situation umgehen können und die Beteiligung in der Krise organisieren.“

Lösungen und Visionen für die Zukunft halten die Sozialpädagogen bereit: So sollen die Bereiche Schule und Jugendarbeit besser verknüpft werden. Diese beiden sehr unterschiedlichen Systeme könnten stärker voneinander profitieren und jeweilige Ressourcen gemeinsam nutzen und entwickeln. „Ideal wäre ein Jugendbüro auf dem Campus, quasi als eine Anlaufstelle und Raum für Beteiligung, Beratung und Bildung“, fordern die beiden Jugendbeauftragten der Stadt Achim.

Für mehr Beteiligung sollten die Kinder- und Jugendrechte in den Beschlussfassungen der Räte stärker berücksichtigt werden. „Bisher ist es so, dass Ideen und Vorschläge an bürokratischen Hürden scheitern“, beobachtet Till Bräkling. „Engagement der Jugendlichen führt so zu Desillusionierung und Politikverdrossenheit.“

Im Moment seien sie sehr glücklich darüber, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen am Ferienspaßprogramm festgehalten haben und auf diese Weise Abwechselung bieten können, so Gesa Kaemena und ihr Kollege Till Bräkling. „Die geplanten Veranstaltungen sind gut belegt und können alle stattfinden“, sagt Gesa Kaemena erfreut.

Mit Blick auf die jeweiligen Corona-Verordnungen habe sie mit den Anbietern nach Lösungen gesucht und 120 Angebote in Kleingruppen auf die Beine gestellt. „Die Resonanz bei Eltern und Kindern ist überwältigend“, sagt die Ferienspaß-Koordinatorin und blickt mit Erleichterung auf die kommenden Wochen.

Von Ingo Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Aromenvielfalt im Gin-Glas

Aromenvielfalt im Gin-Glas

Der Audi E-Tron S kämpft gegen Kräfte der Physik

Der Audi E-Tron S kämpft gegen Kräfte der Physik

Schüsse vor Weißem Haus: Trump unterbricht Pressekonferenz

Schüsse vor Weißem Haus: Trump unterbricht Pressekonferenz

Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Meistgelesene Artikel

Schon 1500 Euro Spenden für Musikanlage

Schon 1500 Euro Spenden für Musikanlage

Endlich bezugsfertig

Endlich bezugsfertig

Begehrte Früchte am Wegesrand

Begehrte Früchte am Wegesrand

Image steht auf dem Spiel

Image steht auf dem Spiel

Kommentare