900 Euro Strafe für Diebstahl in Ottersberg

Für eine Handvoll Hackfleisch

Achim/Ottersberg - Von Lisa Duncan. Weil er im Februar eine Packung Hackepeter im Wert von 1,94 Euro nicht bezahlen wollte, muss ein 24-jähriger Mann aus Bülstedt (Landkreis Rotenburg) nun 900 Euro Geldstrafe zahlen. Dazu verurteilte ihn Mittwoch das Amtsgericht Achim.

Der Garten- und Landschaftspfleger und Vater von vier Kindern leugnete zunächst, den Diebstahl in einem Ottersberger Supermarkt begangen zu haben. Er habe wie jeden Morgen seine Tochter zum Schulbus bringen und auf dem Weg dorthin den Einkauf erledigen wollen. Auf halbem Weg zur Kasse, bereits den Arm mit Waren bepackt, sei ihm aufgefallen, dass ihm noch zwei Dosen Energy-Drink fehlten. Daraufhin sei er an der Kasse vorbei in die Getränke-Abteilung gewechselt, habe das rohe Fleisch in seiner Jackentasche „zwischengelagert“ – und es dann einfach vergessen. „Ich hätte mich daran ja nicht bereichern können“, beteuerte der Angeklagte.

Die Staatsanwältin glaubte dem Beschuldigten nicht und bestand darauf, die Videoaufzeichnungen anzusehen. Darauf sei zu erkennen gewesen, wie der Angeklagte etwas in der Hand gehalten, es in die Innentasche seiner Jacke gesteckt und den Reißverschluss zugezogen habe, gab der Richter zu Protokoll.

Ehemaliger Ottersberger vorbestraft

Der ehemalige Ottersberger ist wegen zwei anderer Taten einschlägig vorbestraft und hat mit dem Diebstahl gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. Eine Problematik, die dem Angeklagten anscheinend mittlerweile bewusst war. Kürzlich habe er sich von der Mutter seiner Kinder getrennt, einen Neuanfang in Bülstedt begonnen und sich mit einem Kleingewerbe in der Garten- und Landschaftspflege selbstständig gemacht, erzählte er dem Richter unaufgefordert.

Seiner Bewährungshelferin zufolge ist er im Kontakt zuverlässig und befindet sich, trotz des Rückschlags durch die Trennung, auf einem guten Weg.

Für die Staatsanwaltschaft stand fest, dass der Angeklagte die Tat begangen hat und seine Aussage gelogen war. Wie auf dem Video zu sehen sei, habe er nichts weiter in der Hand gehabt als er das Schweinehack einsteckte. Die Staatsanwältin plädierte für 60 Tagessätze à 30 Euro.

Dem schloss sich Richter Matthias Hahn an. „Was Sie rettet, ist, dass es sich um einen geringen Betrag handelt und Sie noch Halt im Leben haben“, sagte er. Ob seine Bewährung verlängert oder sogar widerrufen werde, darüber müsse das Amtsgericht Rotenburg entscheiden.

Rubriklistenbild: © dpa

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