„Eine Bereicherung für unseren Betrieb“

Syrischer Flüchtling aus Achim schließt erfolgreich Ausbildung ab

Geselle Jamil Ali (l.) und sein Ausbilder Daniel Rinn
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Nach bestandener Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker folgt für Jamil Ali (links) nun die Fortbildung zum Servicetechniker, also zum technischen Experten und echten Problemlöser. Werkstattleiter Daniel Rinn unterstützt ihn dabei.

Achim – Jamil Ali ist angekommen in Achim. Der 39-jährige kurdische Syrer war einer der ersten Flüchtlinge, die nach Ausbruch des Bürgerkrieges im März 2011 den Weg nach Deutschland unternahmen und hier eine Zuflucht fanden. Er lebt heute mit seiner Frau und drei Kindern in Baden und fühlt sich wohl in der Stadt. Im Januar hat er erfolgreich eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abgeschlossen.

Sein Chef findet ausschließlich lobende Worte für seinen Mitarbeiter: „Er ist eine Bereicherung für unseren Betrieb“, sagt Matthias Höper, Geschäftsführer des Autohauses Höper in Oyten. Jamil Ali habe ab dem ersten Tag tolle Leistungen abgeliefert, am Arbeitsplatz genauso wie in der Berufsschule. Er sei fleißig, lernwillig und sprachlich absolut auf der Höhe. Diese Entwicklung sei keineswegs selbstverständlich, denn das Themenfeld ist unglaublich komplex geworden. „Heute muss ein beachtliches Wissen vorhanden sein“, weiß Matthias Höper, der Alis berufliche Qualifizierung in seiner Fachwerkstatt auch weiterhin unterstützt. Nach bestandener Ausbildung folge nun die Weiterbildung zum Servicetechniker.

Am Anfang war das sehr schwer wegen der Sprache.

Jamil Ali kam im Alter von 33 Jahren Ende November 2014 vom nordsyrischen Deir Ayoub nach Deutschland. Eine Flucht erschien zunächst wenig aussichtsreich, denn er besaß keine offiziellen Dokumente – eine syrische Staatsbürgerschaft sei ihm, ebenso wie Eltern und Großeltern zuvor, stets verweigert worden. Nachdem der Bürgerkrieg entbrannt war, habe er 2012 erneut einen Versuch unternommen und war überraschenderweise erfolgreich. „Plötzlich war das möglich“, erinnert er sich. Dann folgte der Entschluss, das Land zu verlassen. Seine schwangere Frau und den Sohn ließ er schweren Herzens zurück. Der Weg führte ihn über Umwege nach Deutschland, wo er von einer Aufnahmestelle in der Nähe von Göttingen nach Achim gelangte. Mit sieben weiteren Geflüchteten wohnte er in einer Unterkunft an der Asmusstraße. Nachbarn unterstützten die Neuankömmlinge und ihre Hilfe bildete, neben dem Engagement vieler weiterer Helfer, den Auftakt einer großartigen Willkommenskultur in der Stadt. Kontakte, die daraus entstanden sind, bestehen bis heute.

Um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, erweiterte Jamil Ali beständig seinen Bekanntenkreis. Nachdem sein Aufenthaltsstatus gesichert war, konnte er auch den Familiennachzug organisieren. Er fand Arbeit in einem Achimer Schnellrestaurant und spielte Volleyball beim TV Baden. Bei einer Weihnachtsfeier der Volleyball-Sparte ergab sich schließlich eine großartige Gelegenheit: Ein Mitspieler fragte ihn, was er für Pläne nach bestandenem Deutschkurs habe. Ali habe geantwortet, er wolle versuchen einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker zu bekommen. Auf kurzem Wege folgte eine Empfehlung an Matthias Höper, und nach einem Praktikum wurde der Ausbildungsplatz Realität. „Am Anfang war das sehr schwer wegen der Sprache“, erinnert sich Ali, aber Freunde, Ausbilder, Werkstattkollegen und die Berufsschullehrerin hätten ihn unterstützt. Auch sein Freund und Mentor aus den ersten Tagen in Achim, der Deutsch- und Politiklehrer Andreas Voß, habe ihm zur Seite gestanden. Wenn alles gut laufe, wolle Jamil Ali später Kfz-Meister werden. „Jamil hat eine bemerkenswerte Laufbahn hingelegt“, sagt Werkstattleiter Daniel Rinn, „er ist ein perfektes Beispiel für funktionierende Integration.“

Heute blickt Jamil Ali nur noch nach vorne und möchte die Vergangenheit hinter sich lassen. In Erinnerung bleibt ihm aber der Beistand, der ihm in Achim bis heute zuteil wird. Mit seiner Familie sei er hier angekommen und alle fühlten sich zu Hause.

Von Ingo Schmidt

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