„Ein sehr persönlicher Abend“

Interview mit Jens Wawrczeck („Die drei ???“) über Hitchcock und „Die Vögel“

Ein Faible für alte Filme hat der Synchronsprecher und Schauspieler Jens Wawrczeck. Foto: Christian Hartmann
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Ein Faible für alte Filme hat der Synchronsprecher und Schauspieler Jens Wawrczeck.

Achim – Seit 40 Jahren leiht Jens Wawrczeck dem Detektiv Peter Shaw in der Hörspielreihe „Die drei ???“ seine Stimme. Dass er ein Faible für Alfred Hitchcock hat, wissen nur wenige. Mit seinem Programm „Hitch und Ich“ ist er am Freitag, 7. Februar, in Achim zu Gast. Im Interview mit Sandra Bischoff erzählt der Schauspieler und Synchronsprecher, warum ein Auftritt vor 100 Zuschauern aufregender ist als vor 15  000, wofür er eine Ingwerwurzel in seiner Garderobe benötigt und worüber er mit dem Altmeister des Kriminalfilms gerne geplaudert hätte.

Was fasziniert Sie an Alfred Hitchcock?

Vor allen Dingen seine Ästhetik und seine Fähigkeit, mit surrealen Traumbildern von menschlichen Abgründen zu erzählen. Er macht es aber nicht mit dem psychologischen oder dem pädagogischen Zeigefinger, sondern er macht es verpackt in eine spannende Geschichte. Dieser sogenannte Hitchcock-Look hat mich schon sehr früh angesprochen. Dass diese Filme nicht altern, spricht für ihre Qualität.

Im Alter von 15 Jahren übernahmen Sie bei den Hörspielproduktionen der „Drei Fragezeichen“ die Rolle des zweiten Detektivs Peter Shaw. Damals erschien die Serie noch unter Hitchcocks Namen. War das Ihr erster Kontakt mit dem Altmeister?

Nein, Hitchcock hatte ich schon früher über Filme im Fernsehen kennengelernt. Ich hatte auch ein paar von den „Drei Fragezeichen“-Büchern gelesen. Die fand ich toll, weil sein Name draufstand. „Die Drei Fragezeichen“ zeichnen ja auch so etwas wie ein Idealbild von Kalifornien, wo an jeder Ecke gealterte Filmstars in irgendeinem Schloss leben.

Ihr Bühnenprogramm trägt den Titel „Hitch und Ich“. In Achim lesen Sie Daphne du Mauriers Kurzgeschichte „Die Vögel“, die Hitchcock 1963 verfilmt hat. Wie passt das zusammen?

Der Impuls für das Bühnenprogramm und meine eigenen Hörbücher kommt daher, dass mich immer interessiert hat, was Hitchcock inspirierte. 42 seiner rund 50 Filme basieren auf literarischen Vorlagen. Das Interessante und Erschreckende für mich, der das alte Kino liebt, ist, dass viele dieser Vorlagen nicht mehr im Handel erhältlich sind. Das hat meinen Missionseifer entfacht und ich habe angefangen, sie auszugraben. Dabei musste ich schnell feststellen, dass Hitchcock sehr frei mit den Vorlagen umgegangen ist. Ich lese während meines Auftritts nicht das Drehbuch des Hitchcockfilms, sondern tatsächlich die Originalgeschichte von Daphne du Maurier. Und die ist anders als der Film. Zuschauer geben mir oft das Feedback, dass sie den Film vergessen und während der Vorstellung ein neuer, eigener Film in ihren Köpfen entsteht. Nicht zuletzt durch das akustische Erlebnis während der Show, denn ich habe großartige Musiker an meiner Seite. Ich freue mich, dass ich meine Begeisterung für Hitchcock mit diesen Abenden ausdrücken und diese Texte spielen kann. Denn ich spiele mehr, als dass ich lese.

Mit Ihren „Detektiv-Kollegen“ Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich haben Sie seit dem Herbst mit der Live-Show „Die drei ??? und der dunkle Taipan“ riesige Hallen gefüllt. Ende Februar geht es weiter mit den Auftritten zum 40-jährigen Jubiläum der Hörspielserie. Ist die Lesung in Achim so etwas wie eine Verschnaufpause?

Es ist das Gegenteil, eher die größere Herausforderung! Auf den intimeren Bühnen, auf denen ich meine Hitchcock-Abende zeige, habe ich das Gefühl, mit barer Münze zahlen zu müssen. Ich kann da nicht mit den „Drei Fragezeichen“ punkten. Das ist jedesmal ein sehr persönlicher Abend, „Hitch und Ich“ ist mein Baby, das ich präsentiere. Da schwitzt man anders. Die „Drei Fragezeichen“ sind ein Phänomen, und das Publikum feiert bei unseren Auftritten auch sich und die Zeit, die es mit den „Drei Fragzeichen“ erlebt hat. Große Hallen mit 15 000 Zuschauern bringen auch immer eine gewisse Anonymität mit sich. Lampenfiebermäßig ist der Pegel bei den Hitchcock-Abenden definitiv höher.

Was tun Sie eigentlich für Ihre Stimme?

Gar nichts. Ich habe sehr strapazierfähige Stimmbänder. Von der Anlage her hätte ich Opernsänger werden können. Ich denke nicht so sehr darüber nach. Meine Stimme, so wird mir gesagt, ist eine markante Stimme. Ich achte nicht darauf, ob sie schön klingt.

Wir haben ein bisschen recherchiert und sind neben Wein auf eine Ingwerwurzel, ein scharfes Messer, ein paar Zitronen und ein Glas Honig für Ihren Auftritt gestoßen .…

Es gibt ja so psychologische Stützen. Gerade in dieser Zeit, in der man sich schnell erkältet, ist so was gut. Außerdem hat es etwas Heimeliges und erinnert entfernt an die eigene Küche, wenn da eine große Ingwerwurzel liegt. Für Notfälle habe ich aber immer Island-Moss-Pastillen in der Tasche. Und ich rede morgens mit mir selbst.

Man sagt Ihnen nach, ein schier unerschöpfliches Wissen über Hitchcock zu haben. Ihr Manager behauptet sogar, man könne Sie nachts wecken und Sie hätten sofort die richtigen Antworten parat. Wenn Sie einen Abend mit Hitchcock verbringen könnten, was würden Sie ihn fragen?

Ich würde wahrscheinlich die Me-Too-Debatte mit ihm anfangen. Ich wüsste zum Beispiel gerne im Zusammenhang mit dem Film „Die Vögel“, wie er mit seinen Schauspielern und besonders seinen Schauspielerinnen umgegangen ist. Tippi Hedren hat sich später sehr beklagt, wie gnadenlos er sie bei den Szenen mit den attackierenden Vögeln behandelt hätte. Ich würde ihn fragen, ob es so war und wenn ja, warum. Hitchcock war ja so etwas wie ein Vorzeige-Engländer. Ich kann mir vorstellen, dass sein Humor sehr schwarz war – aber grausam: nein!

Wie lautet Ihr Lieblingssatz von Hitchcock?

Es gibt tatsächlich einen Satz, den mag ich sehr: „Es gibt nichts, was mich mehr erschreckt als das knallende Geräusch, wenn einer mit der flachen Hand auf den Boden einer Ketchupflasche schlägt, und der Anblick, wenn sich dann diese dicke rote Soße über unschuldige Pommes frites ergießt, die niemandem etwas zuleide getan haben.“

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