Publikum bildet „Shanty Chor Achim“

Klaus Lage in Achim: Eher Kumpeltyp als Rampensau

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Klaus Lage musikalisch entschlackt: Mit Akustikgitarre trat er im Kasch vor seine Fans.

Achim - Von Bernd Hägermann. In der populären Musik können Hits Fluch und Segen sein. Klaus Lage könnte darüber Lieder singen. Als nach klammen Jahren und immer gleichen Speisen sich endlich Erfolg einstellte und Titel wie „1000 mal berührt ...“ es in den deutschen Zitatenfundus schafften, waren schlagartig die Miesen auf dem Konto verschwunden – und gleichzeitig die Vorurteile verfestigt.

Lage galt lange als Liedermacher mit Rock’n Roll-Attitüde und passte so in keine Schublade. Über die Stimme des Sängers gab es schon damals kaum etwas zu kritisieren, an den Texten schon.

Harte-Schale-weicher-Kern-Themen gefielen nicht überall. Dennoch lockten sie Massen. Aber das ist lange her. Heute gibt Klaus Lage sich musikalisch entschlackt und ist auf kleineren Bühnen unterwegs. Am Dienstagabend auf der im ausverkauften Großen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch). Mit ihm musizierten: Bo Heart, Jürgen Scholz und Stephan Emig.

Klaus Lage nahm sein Publikum, in dem sich nicht nur Zuhörer seines Alters befanden, sondern auch jüngere, mit auf eine Zeitreise. Die begann in den Siebzigern und setzte sich fort im darauffolgenden Jahrzehnt, als er dem Ruhrpott-Kommissar Schimanski eine maßgeschneiderte Hymne auf den Schmuddel-Parka komponierte. „Faust auf Faust“ traf auf den Punkt die Kunstfigur Schimanski. Genauso wie sie stand Lage nie im Verdacht, die Bodenhaftung zu verlieren. Er ist der nahbare Künstler, eher Kumpel als Rampensau, aber nicht einer von vielen.

Auch diejenigen, die zum Zeitpunkt von Klaus Lages ersten Radio-Hits den Kinderschuhen kaum entwachsen sein konnten, feierten den Sänger mit der Reibeisenstimme.

Klaus Lage, geboren in Soltau, aufgewachsen im Westen und dann nach Berlin, findet im fortgeschrittenen Alter womöglich besser als in jungen Jahren bezeichnende Bilder. Wenn beim Liebesverlust „Tränen bis ins Herz fallen“ oder beim Verliebtsein ihr „Lächeln breiter als die Elbe“ wird, dann braucht es nicht mehr viele Worte.

An diesem Abend musikalisch ebenbürtig waren seine Mitstreiter. Sie bewiesen es bei ihren Soli. Lage selbst saß meistens mit seiner Gitarre auf einem Hocker oder stellte sich direkt an den Bühnenrand und füllte dann mit seinem gesamten Stimmvolumen den Raum.

Das taugt auch für Maritimes. Lage ist seit vielen Jahren Unterstützer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). In dieser Mission gründete er am Dienstagabend kurzerhand den „Shanty Chor Achim“ und animierte zum Mitsingen. Gesungen wurde das Loblied „auf die Jungs, die immer da sind, wenn es eng wird.“ Klaus Lage könnte einer von ihnen sein. Die „Blaue Stunde“, so der Titel von Lages aktuellem Album, war längst verstrichen, als das Publikum den Sänger und seine Band noch immer feierte.

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