Erster Stadtrat Bernd Kettenburg geht in Ruhestand

Effizienter Manager, der viel bewegt hat

Spitzentreffen zu „Achim-West“ im Bundesverkehrsministerium mit Projektleiter Kettenburg nebst Bürgermeister.
+
Spitzentreffen zu „Achim-West“ im Bundesverkehrsministerium mit Projektleiter Kettenburg nebst Bürgermeister.

Achim – Aktenberge und Papierstapel? Das Arbeitszimmer des Ersten Stadtrats im ersten Stock des Rathauses präsentiert sich beim Besuch des Zeitungsreporters zum Abschieds- und Bilanzgespräch aufgeräumt wie immer. „Ich habe ein digitales Büro. Effektivität und Effizienz ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Berufsleben“, sagt Bernd Kettenburg, der von 1975 bis 2013, also 38 Jahre, beim Landkreis Verden beschäftigt war und seitdem mit dem Bürgermeister den Verwaltungsvorstand bei der Stadt Achim bildet.

Tatsächlich genießt der 61-Jährige als Organisator, Führungskraft und Projektmanager mit seinen profunden Sachkenntnissen, aber auch dank seines freundlichen Wesens weit über das Rathaus hinaus höchste Wertschätzung. Immer wieder loben Kommunalpolitiker Kettenburg für sein engagiertes Wirken, während er als treibende Kraft für die Ansiedlung von Amazon und von „Achim-West“ für Gegner dieser Großprojekte eher eine Reizfigur darstellt. Nun aber verliert der wiedergewählte Bürgermeister Rainer Ditzfeld seinen engsten und besten Mitarbeiter. Zum 1. November geht sein Stellvertreter in der Verwaltung, Bernd „The Brain“ Kettenburg, wie ihn Beobachter anerkennend nennen, in den Ruhestand. Der Wahlbeamte verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf eine zweite, achtjährige Amtszeit bei der Stadt. Damit endet in wenigen Tagen seine lange berufliche Laufbahn.

1960 in Völkersen geboren und dort auch aufgewachsen, begann Kettenburg nach dem Realschulabschluss 1975 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Verden, gleich anschließend qualifizierte er sich für den gehobenen Dienst. Der Diplom-Verwaltungswirt blieb auch danach lernbegierig, besuchte Fortbildungen für Kommunikation und Menschenführung, erwarb ein Zertifikat als Projektmanagement-Fachmann. Nebenbei lehrte er am Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Hannover und nahm zudem Prüfungen von angehenden Verwaltungsfachangestellten ab.

Schon früh entdeckte Kettenburg sein Faible für die Informationstechnik (IT) und trieb die elektronische Datenverarbeitung beim Landkreis voran. Die 26 Jahre als IT-Verantwortlicher bezeichnet er als „schönste und effizienteste Zeit“ für ihn bei der Behörde. 2008 stieg Kettenburg, der von seinem Wohnort Luttum aus oft mit dem Fahrrad zur Arbeit kam, zum Fachdienstleiter Organisation und Finanzen beim Landkreis auf. Akten von einem Stapel auf den nächsten zu legen, alles beim Alten zu belassen, „Dienst nach Vorschrift“ zu machen, war nie seine Sache. „Durch meinen Berufsweg zieht sich das Thema Bürokratieabbau und Verwaltungsvereinfachung“, bekennt Bernd Kettenburg, der verheiratet und Vater einer inzwischen erwachsenen Tochter ist. Das sollte sich auch beim neuen Arbeitgeber nicht ändern.

2013 reizte den „ewigen“ Kreisangestellten die von der Stadt Achim ausgeschriebene Stelle als Erster Stadtrat. „Ich wollte näher am Bürger sein“, beschreibt er seinen Antrieb, mit 53 Jahren den Arbeitsplatz zu wechseln. „Natürlich habe ich dann im Wesentlichen nach innen gearbeitet“, schränkt der Vizechef der Verwaltung sogleich ein. Kettenburg, anfangs noch „rechte Hand“ des damaligen Bürgermeisters Uwe Kellner, initiierte eine „neue Führungskultur“ im Rathaus. „Die Verantwortung liegt seitdem beim Sachbearbeiter oder auf der Produktebene. Nur bestimmte Dinge entscheiden die Fachbereichsleiter oder der Verwaltungsvorstand“, erläutert Kettenburg. Viele Mitarbeiter seien dadurch deutlich motivierter. Und natürlich trieb der IT-Spezialist auch bei der Stadt den Abschied vom Papier voran. „Wir haben ein geografisches Informationssystem aufgebaut und damit begonnen, die digitale Akte einzuführen, zum Schluss sollen auch die Bauleitpläne digitalisiert werden.“ Für Achim ein Leitbild zu entwickeln, war ihm ebenfalls wichtig. „Für das Lieken- und das Runken-Gelände wird dadurch zum Beispiel sozialer Wohnungsbau vorgeschrieben.“

Digitales Büro: IT-Spezialist Bernd Kettenburg zeigt hier das geografische Informationssystem für die Stadt.

Darüber hinaus erzielte Kettenburg als Mitgeschäftsführer der halbstädtischen Grundstücksentwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft EVG „einige Ansiedlungserfolge“. Ein Coup war, dass Amazon nach Achim kam, womit vor Ort 2 000 Arbeitsplätze geschaffen worden seien. Zwar betreibe der Konzern ein umstrittenes Geschäftsmodell, räumt Kettenburg ein, „aber den Online-Handel kriegen wir wohl nicht mehr aus der Welt“.

Ein Dauerbegleiter seiner Amtszeit bei der Stadt war und ist für ihn das Thema „Achim-West“. Als Projektleiter hat er dafür einen Großteil seiner Arbeitskraft verwendet. „Verkehrliche Entlastung mit der Entwicklung dringend benötigter Gewerbeflächen zu verbinden, halte ich nach wie vor für sinnvoll“, sagt Kettenburg. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert, 3,5 Kilometer Straße zu bauen“, spielt er auf die sich hinziehende Planung an. Gerne hätte er noch die Beschlussreife im Dienst erlebt. Kettenburg zeigt sich optimistisch, dass „Achim-West“ kommt. „Ich glaube aus meiner Berufserfahrung heraus, dass gute Projekte sich durchsetzen.“

Als „belastend“ hat er die Corona-Zeit empfunden. „Die Schließungen von Schulen, Security im Rathaus und all die Einschränkungen für die Bevölkerung hätte ich mir gerne erspart“, sagt der scheidende Erste Stadtrat.

Wenn Bernd Kettenburg Ende Oktober all seine Führungsaufgaben an seinen Nachfolger Daniel Moos übergeben hat, „werde ich nicht in ein schwarzes Loch fallen“, ist er sich sicher. Mit der größten Stadt im Kreis wird der dynamische Verwaltungsmann weiter verbunden bleiben. „Ich habe von Hermann Schröder den Vorsitz des Achim-Cesis-Vereins übernommen“, verrät Kettenburg. Mit der Partnerstadt in Lettland wolle er den Schüleraustausch ausbauen. „Und daheim ist viel liegengeblieben.“ Der Luttumer hat sich vorgenommen, das alte Fachwerkhaus zu renovieren und den Garten auf Vordermann zu bringen. „Auch will ich an meiner Gesundheit arbeiten und wieder regelmäßig joggen.“ Reisen stehen bei ihm ebenfalls auf dem Programm. „Ich will mit meiner Frau noch mehr von Deutschland und der Welt sehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Aller-Weser-Klinik setzt ab Montag auf 2 G-Plus-Regelung

Aller-Weser-Klinik setzt ab Montag auf 2 G-Plus-Regelung

Aller-Weser-Klinik setzt ab Montag auf 2 G-Plus-Regelung
Verdener Weihnachtsmarkt:<br/>Nikolaus‘ Sessel gestohlen

Verdener Weihnachtsmarkt:
Nikolaus‘ Sessel gestohlen

Verdener Weihnachtsmarkt:
Nikolaus‘ Sessel gestohlen
Die großen Steuerzahler in Verden gewinnen in der Coronakrise

Die großen Steuerzahler in Verden gewinnen in der Coronakrise

Die großen Steuerzahler in Verden gewinnen in der Coronakrise
Steiler Aufstieg in der Thedinghauser Kommunalpolitik

Steiler Aufstieg in der Thedinghauser Kommunalpolitik

Steiler Aufstieg in der Thedinghauser Kommunalpolitik

Kommentare