Somalische Flüchtlinge sind dem Krieg entflohen und haben beim Achimer Golfclub sehr gute Freunde gefunden

Durch die Wüste und übers Meer bis Achim

Abdi Fatah Nur Xasan (links) und Abdisamad Mohamed Hashi schneiden Büsche auf dem Achimer Goldplatz in Badenermoor zurück. - Foto: Sommerfeld

Achim - Fünf Jahre lang waren sie auf der Flucht, jetzt sind sie angekommen. Genauer gesagt: Jetzt wissen Abdi Fatah Nur Xasan (28) und Abdisamad Mohamed Hashi (26), dass sie in Deutschland bleiben dürfen. Seit Anfang des Jahres arbeiten die beiden Somalier als Greenkeeper auf dem Achimer Golfclub in Badenermoor. Wir berichteten bereits kurz.

Unter Anleitung von Hans-Dieter Pöhls, der sich beim Golfclub ehrenamtlich um den rund 80 Hektar großen Naturbereich kümmert, pflegen Abdi Fatah und Hashi die Teichlandschaft, Heide und Rasen. „Wir müssen das Gelände in Ordnung halten, sonst verbuscht es und die Artenvielfalt verschwindet“, umriss Pöhls die Aufgabe. Dazu zählt beispielsweise, Gestrüpp zu beschneiden und Büsche zu stutzen.

„Freitags von 9 bis 15 Uhr“, ergänzt Abdi Fatah. Etwas Deutsch sprechen die beiden schon. Ihr Fazit, das dann aber doch Dolmetscher Mohamud Farah übersetzt: „Der erste Schritt für uns in Deutschland ist getan, die Arbeit macht Spaß. Für uns ist es ein Erlebnis, zu lernen und zu arbeiten.“

Ganz wichtig: „Wir haben das Glück, dass Vorarbeiter und Chefs sehr freundlich zu uns sind.“ Auch die Mitglieder des Golfclubs sind angetan von den beiden jungen Männern. „Wir haben nur positive Resonanz bekommen. Alle sagten: Weiter so“, ergänzt Gerd Schwabe.

Hans-Dieter Pöhls vom Team „Golf und Natur“ und Clubmitglied Schwabe ist es zu verdanken, dass Flüchtlinge und Golfclub zueinander fanden. Vor zwei Jahren stieß der Daverdener Schwabe auf Abdi Fatah und Hashi, die bei ihm in der Nähe untergebracht waren. Nun informiert er uns über Flucht und Aufenthalt der Somalier. „Wir wollen es ihnen nicht zumuten, alles noch einmal zu durchleben“, begründet er, warum er selbst über deren Erlebnisse berichtet. Sie hatten ihm ihre Geschichte erzählt.

„Wir waren auf einmal konfrontiert mit Schicksalen, die wir so nicht kannten“, beginnt Schwabe. In Somalia herrscht seit Anfang der 90er Jahre Bürgerkrieg, und was das bedeutet, haben Abdi Fatah und Hashi am eigenen Leibe erfahren: Das Leben ist ein Überlebenskampf. Bei einem Anschlag auf seine Familie verlor Abdi Fatah ein Auge, das später amputiert wurde.

Nach 8000 Kilometern Handy und Lösegeld

7000 bis 8000 Kilometer weit flüchteten die beiden Männer durch afrikanische Länder und die Sahara, bis sie in Libyen ankamen. „Dort hat man sie ins Gefängnis gesteckt und ihnen ein Handy in die Hand gedrückt mit den Worten: Ruft mal zu Hause an - man wollte Lösegeld erpressen“, erzählt der Daverdener.

Nach mehreren Monaten gelang ihnen die Flucht, sie machten sich im Schlauchboot auf den Weg übers Mittelmeer. Drei Tage und drei Nächte dauerte die Fahrt, bis sie auf Lampedusa landeten. „Sie haben mitansehen müssen, dass es viele nicht nach Europa schafften - auf dem Schlauchboot, auf dem Weg durch die Wüste: 35 Menschen auf einem Jeep, da fielen einige wortwörtlich hinten runter“, berichtet Schwabe.

Auf Lampedusa wurden sie registriert. „Das bedeutet, dass Italien ihr Asylland ist“, erklärt Schwabe. Entlassen wurden sie in die Obdachlosigkeit. „Essen, Unterkunft, ärztliche Versorgung - Fehlanzeige. Einer lebte sieben Monate lang, der andere ein Jahr lang auf der Straße“, sagt Schwabe.

In Deutschland angekommen, verbrachten Abdi Fatah und Hashi ein Jahr in der Tatenlosigkeit: Sie durften nicht arbeiten. Dann flatterte der Abschiebungsbescheid ins Haus, doch Schwabe erreichte mit Hilfe der evangelischen Kirche Bremen, dass die beiden in Deutschland Asyl bekamen.

Alle sind froh darüber, dass es die beiden Männer geschafft haben. Doch ein schaler Nachgeschmack bleibt. So bezahlen Schwabe und seine Frau den beruflichen Integrationskurs für Abdi Fatah, und, um zu den Kursen in der Achimer Volkshochschule und zum Golfclub zu gelangen, sind die Absolventen auf Unterstützung des „freundlichen Umfelds“ angewiesen. „Taxi Schwabe fährt beide zur Arbeit“, formuliert es der Daverdener und fügt hinzu: „Man kann nur wünschen, dass die Gesetzgebung flexibler wird und bürokratische Hürden abgebaut werden.“ Oder der Lohn für die Arbeit: „Von den 200 Euro, die jeder pro Monat bekommt, bleiben ihnen nur 70 Euro. Das übrige Geld wird mit den staatlichen Zahlungen verrechnet.“ Nicht gerade motivierend. Und: „Die beiden müssten therapeutisch behandelt werden, denn sie haben miterlebt, wie Menschen ermordet wurden.“

Dennoch: Abdi Fatah und Hashi sind froh, sich ohne Gefahr für Leib und Leben bewegen zu können, und ihnen wird Vertrauen entgegengebracht. „Das ist das, was unter dem Strich bleibt“, meint Schwabe. Jetzt wollen Abdi Fatah und Hashi richtig Deutsch lernen und am liebsten mehr arbeiten. Das hört Clubmanager Thomas Schmidt gern. Übrigens: Hashi hatte in Somalia bereits als Gärtner gearbeitet. „Es wäre schön, wenn sich aus dem Job eine Ausbildung entwickeln würde“, meint Schwabe und Schmidt nickt zustimmend.

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