Der „Kardinal“ hält noch Winterschlaf

Durch das Gartenjahr mit Achimer Kleingärtnern / April: Vorziehen im Gewächshaus

Die gelbe Forsythie blüht schon, der Birnbaum zeigt erste Knospen: Harry Kolberg, zweiter Vorsitzender des Kleingärtnervereins Achim, in seinem Garten „Auf dem Plan“.
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Die gelbe Forsythie blüht schon, der Birnbaum zeigt erste Knospen: Harry Kolberg, zweiter Vorsitzender des Kleingärtnervereins Achim, in seinem Garten „Auf dem Plan“.

Achim – Wer dieser Tage das Parzellengebiet „Auf dem Plan“ des Kleingärtnervereins Achim an der Breslauer Straße besucht, dem dürfte es im ersten Moment schwerfallen, zwischen Schneeflocken und herabfallenden, weißen Blütenblättern zu unterscheiden. Typisch wechselhaftes Aprilwetter macht es den Hobbygärtnern derzeit nicht leicht, richtig in die Saison zu starten.

Dabei ist die Nachfrage nach Kleingärten seit Jahren ungebrochen und wurde laut Harry Kolberg, zweiter Vorsitzender des Kleingärtnervereins Achim und Obmann „Auf dem Plan“, im Coronajahr 2020 noch mal beschleunigt: Bei insgesamt 105 Achimer Kleingärten (80 im Gebiet „Abendfrieden“ und 25 „Auf dem Plan“) gab es sonst etwa 30 Anfragen pro Jahr, vergangenes Jahr waren es laut Kolberg 50 bis 60 Interessenten. „Die Menschen wollen raus aus ihren Wohnungen, dreiviertel davon machen das vor allem wegen der Kinder.“ Denn Platz zum Toben gibt es im Garten genug. Wer einen Kleingarten übernimmt, sollte dies aber nicht auf die leichte Schulter nehmen. „So ein Garten bedeutet Verantwortung. Da müssen wir vom Vorstand eine Auswahl treffen.“ Unterdessen geben nur wenige ihren Garten ab. „Höchstens alters- oder krankheitsbedingt“, sagt Kolberg, der seine Parzelle bereits seit 21 Jahren hält.

Zum Verein kam der gebürtige Achimer über seinen Gartenkollegen Walter Herrmann, ehemaliger Obmann „Auf dem Plan“ und nunmehr seit 45 Jahren Kleingärtner. Obwohl Kolberg inzwischen in Verden wohnt, ist er jeden Tag im Kleingartengebiet – zum Teil auch wegen seiner Pflichten im Verein. Zum Beispiel gab es letztes Jahr ein Vandalismusproblem, das sich mit Anbringen einer Videokamera und Warnschildern zum Glück bald erledigt hatte. Manchmal fragen andere Gartenfreunde das Fachwissen des gelernten Heizungs- und Sanitärinstallateurs nach: „Da werde ich häufiger gerufen – kannst du mal ...?“

Zwischen Winterkälte und Frühlingsblüte: Mit dem Bepflanzen lassen sich die Gartenfreunde noch Zeit.

Im eigenen Garten von Harry Kolberg zeigen sich als einzige Farbtupfer Forsythien und Stiefmütterchen. Die Witterung erlaubt „außer umgraben, abharken oder Unkraut zupfen“ nur wenig Gartenaktivität. Kolberg hat in seinem Gewächshaus immerhin schon ausgesät: Tomaten, Zucchini, Gurken und Kürbis stehen in kleinen Töpfen bereit. Bei spärlichen zwei Grad Celsius lassen sich die Keimlinge nur bei genauem Hinsehen erkennen. „Hier sind die Pflanzen vor Wind und Wetter geschützt, und das Wachstum wird durch die höhere Luftfeuchtigkeit und Wärme beschleunigt.“ Nach draußen kommen die Setzlinge erst, wenn die Lufttemperatur eine Woche lang 10 bis 12 Grad beträgt. Später kauft Kolberg auf dem Verdener Wochenmarkt noch Pflanzen dazu.

Die Fruchtauswahl variiert er nach Lust und Laune: „Letztes Jahr habe ich mal Wassermelone probiert. Das ist aber nichts für den norddeutschen Sommer“, erzählt der 70-Jährige. Ansonsten kommen im Beet die ersten Tulpen zum Vorschein, daneben zeigen Obstbäume – Kirsche, Birne und Apfel – vorsichtige Knospen.

„Geflammter Kardinal“ heißt die alte deutsche Apfelsorte, die der Baum trägt. „Den habe ich auf der Finkenburg in Thedinghausen von einem Pomologen bestimmen lassen.“ Ein sehr roter, süßer Apfel, von dem Kolberg in guten Jahren zentnerweise ernten kann. „Nur letztes Jahr hatte ich Pech. Das Wetter war zu nass, und ich habe nur 30 Prozent des Üblichen herausbekommen.“ Ansonsten verschenkt Harry Kolberg viel von seinem Obstbaumertrag. Feldfrüchte wie Gurken und Tomaten verbraucht er selbst. Das haben andere Vereinskollegen noch perfektioniert: „Viele ältere türkische und russische Mitglieder nutzen den Gemüseanbau zur Selbstversorgung“, weiß er. Im Parzellengebiet ist der Einsatz von mineralischem Dünger und chemischen Pestiziden verboten. Das sei besser, als Bio-Gemüse einzukaufen: „Man weiß, wo es herkommt“, so Kolberg.

Mit Gurken, Tomaten und Zucchini ist das Gewächshaus bestückt.

Das Gärtnern schätzt Kolberg „als Ausgleich und körperliche Betätigung. Man hat was zu tun und sieht den Erfolg, wenn es anfängt zu wachsen und zu blühen“. Am wechselhaften April schätzt er die „Vorbereitung und Vorfreude auf die Gartensaison“, die im Wonnemonat Mai erst so richtig losgeht. Gelegentlich unterstützt ihn dann sogar seine Frau Monika bei der Gartenarbeit. Aus Kolbergs Sicht eine gleichermaßen betriebsame und genussreiche Zeit: „Wir werden uns sicher auch mal hinsetzen und grillen.“

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