Eltern monieren Fehler bei der Betreuung / Bürgermeister: Diese Lücke bleibt vorerst

Düsteres Bild zur Personallage in Kindertagesstätten gemalt

Achim - „Wir wissen im Augenblick einfach nicht, wie wir die Lücke schließen könnten“, gab Bürgermeister Rainer Ditzfeld zu. Ein junger Vater aus Baden hatte sich zu Beginn der gemeinsamen Schul- und Sozialausschusssitzung im Rathaus darüber beschwert, dass es verlässliche Betreuung in der Badener Kita nicht mehr gebe: „Dabei haben wir Eltern doch alle dafür die Beiträge bezahlt“.

Trotz über 100 Beschäftigter in den städtischen Einrichtungen und ständig weiter laufender Ausschreibungen gebe es weiter zwölf unbesetzte Stellen, berichtete dazu Wiltrud Ysker, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur in der Stadtverwaltung.

Ditzfeld äußerte Verständnis für den Unmut der Eltern, wies aber auch darauf hin, dass sämtliche größeren Kommunen Niedersachsens ähnliche Probleme hätten, wie er jüngst auf einer Konferenz erfahren habe. Es stünden einfach nicht genügend ausgebildete Kräfte zur Verfügung. Dazu komme, dass Nachbargemeinden ebenfalls suchten und allein die Stadt Bremen jährlich rund 300 Erzieherinnen und Erzieher neu einstelle. Das erhöhe zusätzlich die Engpässe in diesem Berufsbereich.

Es führte mancherorts schon soweit, dass neue Kita-Bauten halb leer stehen, weil schlicht das nötige Fachpersonal fehle, wusste der Bürgermeister.

„Einfach ein paar Euro drauflegen geht nicht“

Daher sei zu hoffen, dass die neue Landesregierung sich schnell dem Problem widme und zum Beispiel die Erzieherinnen-Ausbildung deutlich modernisiere und attraktiver für junge Leute mache.

Die Stadt Achim bemühe sich ihrerseits, etwa die Anleitung von Praktikanten zu verbessern, Supervisionen und Fortbildungen anzubieten, um Fachkräfte zu halten. „Einfach mal ein paar Euro beim Gehalt draufzulegen wie in der freien Wirtschaft“ sei aber leider im öffentlichen Dienst nicht möglich, bedauerte Ditzfeld.

Den derzeit in Achim beschäftigen Erzieherinnen bescheinigten Stadt und Ausschussmitglieder hervorragende Arbeit. „Sie leisten Unglaubliches“, lobte auch Ilka Engelberg, die Stadtelternratsvorsitzende für den Kita-Bereich. Allerdings drohe die Gefahr von Erkrankungen bei ständiger Überlastung. Die derzeitige „massive Infektwelle“ bei Kindern und Erwachsenen erhöhe dieses Risiko noch, ergänzte Dr. Petra Gölz (CDU).

Leben mit Lücken in der Kita-Betreuung ist somit aller Voraussicht nach in absehbarer Zukunft nicht zu vermeiden. Auch „Tagespflegkräfte unter Vertrag zu nehmen“ – eine Anregung aus dem Publikum – ist aus rechtlichen Gründen laut Wiltrud Ysker nicht möglich.

Integration in kommunale Kitas hervorragend gelungen

Das Positive hob Kita-Fachberaterin Gudrun Schütte in ihrem Tätigkeitsbericht hervor. Sie kümmert sich auch um die entsprechenden Einrichtungen in Ottersberg, Oyten und Thedinghausen.

Die Integration in kommunalen Kitas etwa sei in den vergangenen Jahren „hervorragend gelungen“, stellt sie fest. Auch dass unter Beteiligung von Lindgren-Grundschule, Kita und Bürgerzentrum in Achim-Nord ein Familienzentrum auf die Beine gestellt worden sei, bewertete sich als schönen Erfolg.

Das Kiga-Personal sei zumeist sehr engagiert und motiviert bei der Sache. Die Kolleginnen brauchten aber auch mal aufmunternde Signale nach dem Motto „Wir bekommen das alles schon hin“ bei der Arbeit, mahnte die Fachberaterin.

Sie wies außerdem darauf hin, dass auf der Kita-Leitungsebene eine ganze Generation von Kolleginnen mittlerweile kurz vor der Rente stehe und an Nachfolgerinnen rechtzeitig gedacht werden müsse.

la

Rubriklistenbild: © dpa

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