THW-Bauexperte war in Bad Münstereifel im Einsatz

Droht Einsturzgefahr von Gebäuden?

Die Hochwasserkatastrophe richtete im nordrhein-westfälischen Bad Münstereifel erhebliche Schäden an, die der aus Achim gekommene Experte begutachtete.
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Die Hochwasserkatastrophe richtete im nordrhein-westfälischen Bad Münstereifel erhebliche Schäden an, die der aus Achim gekommene Experte begutachtete.

Achim – „Ein schockierendes Bild“ bot sich Hans Hoffmann beim Hochwassereinsatz in Bad Münstereifel. Der Baufachberater vom Technischen Hilfswerk (THW) in Achim, der zehn Tage lang im Kreis Euskirchen südlich von Köln ehrenamtlich tätig war, sah dort „massive Zerstörung in allen Bereichen“. Hoffmann berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung von ganz oder teilweise eingestürzten Häusern in der 16 000-Einwohner-Stadt Bad Münstereifel, kaum noch als solche auszumachenden Straßen, stark deformierten Autos.

„Und Brücken sind nicht mehr da oder hängen im Fluss. Bäume, Gestrüpp, Bekleidung liegen am oder im Wasser.“

Die Expertise von Hans Hoffmann, Bauingenieur für Hochbau, der beruflich am THW-Ausbildungszentrum Hoya Baufachberater ausbildet und sich in seiner Freizeit beim THW Achim einbringt, war nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen gefragt. Der 52-Jährige leitete in Bad Münstereifel das „Kompetenzzentrum technische Beratung“. Zum rund 30-köpfigen Team, das vornehmlich die Standfestigkeit von Gebäuden unter die Lupe nahm, gehörten nach seinen Angaben auch Spezialisten der Bundeswehr für geologische Gutachten.

„Unsere Aufgabe war es, Bauschäden zu dokumentieren und an die Stadt oder den Landkreis weiterzugeben“, schildert Hoffmann. Die entscheidende Frage habe stets gelautet: „Droht Einsturzgefahr von Gebäuden?“

Die Kräfte des Kompetenzzentrums hätten zunächst „kritische Infrastruktur“ wie Kindergärten, Schulen, Sporthallen, Rathaus, Gemeindehäuser, „aber auch die historische Stadtmauer und alte Brücken“, auf ihre Belastbarkeit überprüft. Anschließend seien auch private Häuser begutachtet worden. Dabei hätten die aus Fachwerk aufgrund des hohen Materialanteils aus Holz und Lehm eine bessere Statik aufgewiesen als die reinen Steinbauten. Manch ein Gebäude habe abgestützt werden müssen. „Zum Großteil konnten wir aber Entwarnung geben.“ Zur Sicherheit würden dennoch etliche Häuser schon bald auch noch von zivilen Statikern in Augenschein genommen und müssten „gegebenenfalls in den nächsten Monaten saniert werden“.

Nebenbei habe das Kompetenzzentrum auch „die eine oder andere Bausünde aufgedeckt“. So seien an manchen untersuchten Häusern Risse durch „falsche Bauweise“ entstanden, stellt der Fachmann aus Achim fest.

Hans Hoffmann, der sich auch in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert und stellvertretender Stadtbrandmeister ist, schwärmt von einer „super Kooperation mit den Behörden vor Ort, insbesondere mit der Bürgermeisterin“. Auch die Verpflegung durch das THW und DRK sei „ganz toll“ gewesen. Geschlafen habe er in einer leerstehenden Fachhochschule, „nahe am Einsatzort und passend ausgestattet mit Duschen und Lehrräumen, die wir für Besprechungen genutzt haben“.

In dem mittelalterlichen Kleinod Bad Münstereifel, durch das die Erft fließt, hat Hoffmann während der zehn Einsatztage nicht nur viele beschädigte oder zerstörte Bauwerke oft aus allernächster Nähe betrachtet, sondern auch eine „hygienische, gesundheitliche Problematik“ wahrgenommen. Zum Teil stinke es dort zum Himmel. Das Wasser sei mit Fäkalien verunreinigt, auch mit ausgelaufenen Ölen, Kraftstoffen. „Der Schlamm ist hochgradig toxisch.“ Wie alle Hilfskräfte sei er jedoch „einsatzgeimpft“, etwa gegen Hepatitis, Tetanus und auch gegen Covid-19. Zudem habe das Wechseln von kontaminierter Kleidung dazu beigetragen, sich keine Infektion einzufangen.

Aber wie sehr leidet die Bevölkerung, die Hab und Gut, zum Teil sogar ihr Dach über dem Kopf verloren hat, unter der Situation? Er habe vor allem „Gesten der Dankbarkeit“ erlebt, „uns wurde von Leuten zum Beispiel Essen gereicht“, erzählt Hoffmann. „Wir hatten ja mit vielen Bewohnern unmittelbaren Kontakt.“ Denn er und andere Bausachverständige hätten ein Haus nur im Beisein des Eigentümers oder der Polizei betreten dürfen.

Die Zerstörungskraft der Flutwelle, die aus dem kleinen Fluss Erft einen reißenden, gewaltigen Strom machte, hat THW-Helfer Hans Hoffmann im Nachgang erlebt und dokumentiert.

Nach dem verheerenden Unwetter habe es natürlich bei vielen Redebedarf gegeben. Am vom THW bereitgestellten Infomobil „Bau“ hätten Betroffene ihr Herz ausschütten können.

„Es gab Schicksale“, sagt Hoffmann. „Aber auch Lächeln, weil Hoffnung keimte. Weil die Bewohner merkten, dass sie nicht alleine gelassen werden.“ Die Bevölkerung in Bad Münstereifel habe sich „unheimlich dankbar“ dafür gezeigt, dass beispielsweise Strom- und Wasseranschlüsse wieder hergestellt wurden.

Hans Hoffmann ist bei seinem „bisher größten, weitesten, längsten Einsatz“ nicht zuletzt auch die „Solidarität aller Gruppen in der Stadt untereinander“ aufgefallen. Einer habe den anderen unterstützt, gleich welcher Herkunft, Religion oder Hautfarbe. „Das war vorbildlich.“

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