Aktion des Präventionsrats

Dreisten Fahrraddiebstahl mutig angezeigt

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Patrick Wendt spielte für den „Tag der Zivilcourage“ den Fahrraddieb, den offenbar außer Lisa-Marie Schulze keiner zu beachten schien.

Achim - Betont locker schlendert der Mann in Kapuzenjacke auf ein Fahrrad zu, das auf dem Achimer Bibliotheksplatz angeschlossen ist. Plötzlich befördert er aus seinem Rucksack einen Bolzenschneider, mit dem er versucht, das Schloss aufzuhebeln.

Da es auf die Mittagszeit zugeht, belebt sich die Achimer Innenstadt. Diverse Passanten ignorieren den Diebstahl – nur Lisa-Marie Schulze bleibt stehen. Die zierliche 25-Jährige zückt ihr Handy und schaut sich suchend um. Kaum hat sie den Notruf gewählt, trifft sie auf Polizistin Katja Brammer.

Was Lisa-Marie Schulze gesehen hat, war kein echter Diebstahl, sondern ein Test, den der Präventionsrat Achim in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Polizeikommissariat initiiert hat. Den „Langfinger“ mimte Polizeibeamter Patrick Wendt. 

„Tag der Zivilcourage“ nennt der Präventionsrat die Aktion, für die er auch die Opferhilfevereinigung Weißer Ring mit ins Boot geholt hat. Anlass, um die Bevölkerung erstmals in dieser Form für dieses Thema zu sensibilisieren, war die Verleihung des Achimer Ehrenpreises.

Eingreifen für Schulze selbstverständlich

Lisa-Marie Schulze ahnte nicht, dass die Situation gestellt war. „Wenn ich nicht solche Angst gehabt hätte, wäre ich direkt hingegangen. Aber ein Mann kann ja schnell mal ausholen“, stellt sie sichtlich erleichtert fest. Der Täter habe vermummt ausgesehen und sei relativ verdeckt vorgegangen. Dass sie eingreifen würde, sei jedoch keine Frage gewesen. „Ich finde das total dreist. Mir ist selber schon mal ein Fahrrad am Bahnhof gezockt worden.“ Die Achimerin, die sich bis vor zwei Jahren noch bei der Feuerwehr Baden engagierte, wunderte sich, dass außer ihr keiner aufmerksam geworden ist. „Da sind ja tatsächlich viele vorbei.“

Schulze reflektiert mit den Polizeibeamtinnen Anna Winter und Katja Brammer (v.l.) die Situation.

„Sie haben einfach super reagiert“, sagt Katja Brammer im anschließenden Gespräch und Kollegin Anna Winter ergänzt: „Wir wollen gar nicht, dass in solch einer Situation einer dazwischen geht.“ Die relative Zurückhaltung der Passanten findet Brammer nicht typisch für die Achimer. „Ich finde, dass es insgesamt schon mehr geworden ist, trotzdem müssen wir immer wieder für das Thema Zivilcourage werben.“

Sechs Regeln für den Ernstfall

Mit der Aktion „Tu was“ listet die Polizei auf kleinen Kärtchen die sechs Regeln für den Ernstfall auf: 1. Helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. 2. Andere aktiv und direkt zur Mithilfe auffordern. 3. Genau beobachten und sich Täter-Merkmale einprägen. 4. Hilfe unter der Notrufnummer 110 organisieren. 5. Sich um Opfer kümmern. Und schließlich: 6. Sich als Zeuge zur Verfügung stellen.

Zivilcourage lege den Fokus nicht auf den Täter, sondern auf die Person, die Hilfe benötige, „den Rest macht die Polizei“, ergänzt Axel Prigge. Der Polizist aus Osterholz gehört zum Präventionsteam der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Gemeinsam mit Karl-Heinz Langner, Präventionsbeauftragter Niedersachsen beim Weißen Ring, unterhielt er gestern einen Infostand in der Marktpassage. Zu Aufklärungszwecken arbeite die Opferhilfeorganisation auch mit fingierten Handtaschendiebstählen. Um die Mechanismen der „Wegguck-Gesellschaft“ zu durchbrechen, helfe nur Aufklärung: „110, das kann jeder.“ Der Vorteil der Notrufnummer: Sie ist auch ohne Handy-Guthaben wählbar. - ldu

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