„Stadtforscher“ der neunten Klasse interviewen SPD- Bundestagsabgeordnete / Gymnasiasten wollen Solidaritätsgesetz

Von Drachenköpfen und Berliner Flughafen

Die Bundestagsabgeordnete Christina Jantz-Herrmann im „Kreuzfeuer“ von Jannik Woelki (re.) und Kevin Reimers. - Foto: Brodt

Achim - Von Manfred Brodt. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Jantz-Herrmann hat einen Interviewtermin – bei dem 15-jährigen Jannik Woelki und dem 14-jährigen Kevin Reimers im Zimmer von Oberstudiendirektor Dr. Stephan Krolle.

Beide sind Schüler der 9e des Cato-Gymnasiums, und das beteiligt sich auch in diesem Jahr wieder am Projekt „Stadtforscher“ der Bremer Universität, bei dem der Lehramtsstudiengang mit Schulen und Schülern bei lokalen Recherche- und Forschungsvorhaben in den Bereichen Politik, Geschichte und Geografie kooperiert, Die Universität und Lehramtsstudenten haben so Kontakt zu Schulen, und die Schüler lernen erstes wissenschaftliches Arbeiten und ihre Präsentation in der Öffentlichkeit.

In diesem Jahr lautet das große Oberthema, wie könnte es anders sein, „Flucht und Migration“. Die zwei Schüler haben sich zu ihrem Interview mit der Bundestagsabgeordneten ganz professionell natürlich auch die Presse eingeladen.

Während Kevin Reimers die Antworten allenfalls stichwortartig notiert, fragt der in Vietnam geborene Jannik Woelki, unterstützt durch vorbereitete Karteikarten mit Stichworten, aber nicht ausformulierten Fragen, ruhig, freundlich, gewínnend, immer den Gesprächspartner im Auge, fragt auch nach und hat anscheinend einen unerschöpflichen Vorrat an Fragen. Professionelle Interviewer, die nur Frage eins bis zwölf abspulen und dem Befragten kaum zuhören, könnten sich da eine Scheibe abschneiden.

Christina Jantz-Herrmann scheint es Spaß zu machen, und so beantwortet sie alle Fragen freundlich, ausführlich und geduldig. Dabei haben es manche Fragen durchaus in sich.

Unter den Asylbewerbern in Deutschland seien im ersten Vierteljahr 75 000 Syrer gewesen und fast alle anerkannt worden. 15 000 waren Albaner, und von denen ist keiner anerkannt worden, weiß sie. Wie kann man denn erkennen, ob ein Flüchtling wirklich wegen Bürgerkrieg und Verfolgung oder „nur“ aus wirtschaftlichen Gründen kommt, will Jannik wissen. Ja, durch Überrpüfung der Pässe und Dokumente, Dolmetscher, die die Dialekte kennen, und andere Landeskundige, meint die Bundestagsabgeordnete.

Sie plädiert klar für Hilfe, wenn Menschen in großer Not sind. 60 Millionen sind immerhin weltweit auf der Flucht. Und sie findet es nicht in Ordnung, dass die meisten EU-Länder sagen: Deutschland, mach Du doch mal.

Jannik: „Dafür ist man doch in der EU, dass man gemeinsam zu einer Lösung kommt.“

Seine Klasse hat sogar ein Solidaritätsgesetz ausgearbeitet, das jeden EU-Staat zum solidarischen Handeln verpflichtet. Die Bundestagsabgeordnete strahlt: „Ich bin bei Eurer Idee.“

Ist die Bundesrepublik mit ihren Waffenlieferungen nicht auch selbst schuld an Kriegen und Konflikten in der Welt, will der 15-Jährige wissen. Das geht der Abgeordneten dann doch zu weit, da man bei Waffenexportendoch vorsichtig vorgehe.

Christina Jantz-Herrmann unterstützt klar den Kurs der Bundesregierung mit Blockade der Flüchtlingsrouten, weiß jedoch, dass das wie bei einem Drachenkopf ist: „Schlägt man einen ab, wächst ein neuer nach.“

Auch der Schülereporter ist nicht um einen plastischen Vergleich verlegen: „Die Politik handelt doch so langsam wie der Berliner Flughafen gebaut wird“, kommentiert er.

Ein erfrischendes und für die Gymnasiasten sicher unvergessliches Interview.

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