Nach Auszug von syrischen und afghanischen Familien hat der TSV Embsen seine Sportstätte wieder

Dorf ist mit „Flüchtlingshalle“ klar gekommen

Bürgermeister Ditzfeld übergab die Schlüsselgewalt über die Sporthalle Embsen in die Hände des TSV-Vorsitzenden Uwe Everding zurück. Mit dabei war auch ein Fernsehteam von „Hallo Niedersachsen“.

Embsen - Von Michael Mix. Nach den Sommerferien 2016 werde die Sporthalle in Embsen wieder dem TSV zur Verfügung stehen, hatten Landrat Peter Bohlmann und Bürgermeister Rainer Ditzfeld im Oktober vorigen Jahres versprochen, als knapp 60 Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan dort untergebracht wurden und es im Dorf und im Verein ein wenig rumorte. Die Spitzen von Kreis und Stadt haben Wort gehalten. Gestern gaben sie den Schlüssel für die noch herzurichtende Sportstätte an Uwe Everding, Vorsitzender des TSV Embsen, zurück.

Zu dem symbolischen Akt war sogar ein Fernsehteam des NDR-Landesmagazins „Hallo Niedersachsen“ angerückt. Zusammen mit den Vertretern der örtlichen Presse nahmen die Berichterstatter aus Hannover von dem öffentlichkeitswirksamen Termin mit, dass rund um die „Flüchtlingshalle“ Embsen trotz anfänglicher Skepsis bei manch einem Beobachter vieles gut gelaufen ist. Im Zusammenspiel verschiedener Akteure, darunter zahlreiche ehrenamtliche Helfer, gelang es, sowohl die Flüchtlinge zu unterstützen als auch den Sportlern im TSV Trainingszeiten in anderen Hallen zur Verfügung zu stellen.

Landrat Bohlmann erinnerte gestern daran, dass der Landkreis Verden im vergangenen Herbst aufgrund des Amtshilfeersuchens des Landes Niedersachsen Quartiere für 500 Flüchtlinge innerhalb von zwei Wochen habe organisieren müssen. Die Halle in Embsen sei in Absprache mit der Stadt Achim ausgesucht worden, weil dort kein Schulsport betrieben wird.

Er und andere Verantwortliche hätten aber natürlich auch Bedenken gehabt. „Eine Sporthalle mitten in einem 800-Einwohner-Dorf mit Flüchtlingen zu belegen und dazu auch noch im Dorfgemeinschaftshaus eine Verpflegungsstation einzurichten – da konnte man befürchten, es könnte Probleme geben“, räumte Bohlmann ein. Aber große Teile der örtlichen Bevölkerung hätten die Menschen aus den fremden Kulturen mit offenen Armen aufgenommen und für die Familien, die meist mit nicht viel mehr kamen als sie auf der nackten Haut trugen, vielfach Kleidung gespendet.

Zusammen mit Bürgermeister Ditzfeld hob der Landrat das ehrenamtliche Engagement von 40 bis 50 Bewohnern des Ortsteils hervor. Diese Frauen und Männer hätten sich um die Flüchtlingsfamilien gekümmert, an sie Kleidung verteilt, mit ihnen Freizeit gestaltet, Deutschkurse gegeben und zuletzt auch noch dazu beigetragen, dass inzwischen alle Wohnungen im Achimer Stadtgebiet beziehen konnten. „Vorneweg ging bei all dem Susanne Hügen“, lobte Landrat Bohlmann die Embsenerin für ihren „außerordenlichen Einsatz“ und überreichte ihr als Dank und Anerkennung einen großen Blumenstrauß.

Bürgermeister Ditzfeld bedankte sich bei Abo Tuncel und dessen Familie für die Beköstigung der Flüchtlinge im Dorfgemeinschaftshaus. Der Gastronom mit kurdischen Wurzeln habe mit seiner Küche wohl den Geschmack der Nicht-Europäer getroffen. „Es gab kein Schwarzbrot“, merkte Ditzfeld mit einem Schmunzeln an.

Achims Oberhaupt blickte aber auch auf die Informationsveranstaltung von Stadt und Landkreis zur „Zweckentfremdung der Halle“ Anfang Oktober zurück. 280 Embser seien damals in den Ratssaal geströmt und einige hätten auch ihren Unmut kundgetan, erinnerte Ditzfeld. Insbesondere beim TSV sei „Dampf auf dem Kessel“ gewesen. Der Verein habe ohne Hallenkapazitäten vor Ort um seine Zukunft gefürchtet. Doch es seien rasch Lösungen gefunden worden.

Bevor der TSV-Vorsitzende das Wort ergriff, bedankte sich noch Paul Brandt im Namen der Dorfgemeinschaft beim Landkreis und der Stadt dafür, dass die Halle nun bald wieder von der Embser Bevölkerung für den Sport genutzt werden könne. Auch die Zusammenarbeit mit den Johannitern, die die Familien aus Syrien und Afghanistan in der Sammelunterkunft betreuten, und den Security-Kräften habe gut geklappt.

Brandt sprach von einer Erfolgsgeschichte, die vom Anfang bis zum Ende ziemlich reibungslos funktioniert habe. Der Landkreis und die Feuerwehr Embsen hätten die Halle für die Flüchtlingsunterbringung im Oktober mit Trennwänden hergerichtet und mit dem Verlegen von Folien auch Abnutzungsspuren weitgehend vorgebeugt. „Die Flüchtlinge sind pfleglich mit ihrer Bleibe umgegangen und haben diese auch regelmäßig gereinigt“, hob Brandt auf Nachfrage hervor.

Und deshalb müssten auch nur Teile der Fußböden im Eingangs- und Sanitärbereich sowie der Wandteppiche an den Hallenwänden erneuert werden, informierte er weiter. Womöglich könne der Sportbetrieb sogar noch vor den großen Ferien wieder aufgenommen werden.

Vereinsvorsitzender Uwe Everding bekannte, dass ihn die Nachricht von der Hallen-Beschlagnahme Anfang Oktober schockiert habe. „Da brach für mich eine Welt zusammen.“

Aber mit Hilfe von Dennis Lorenz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Achimer Sportvereine, seien Ausweichräume für die mehr als 300 Aktiven beim TSV Embsen gefunden worden. Das Sportheim des TSV Uesen, die Hallen an der Erich-Kästner-Schule, dem Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium, der Liesel-Anspacher-Schule und des TSV Bierden zählte Everding auf Nachfrage auf und schob hinterher: „Aber ich bin auch froh, wenn unsere Tischtennisspieler ihre Heimspiele nicht mehr auswärts beim Gegner bestreiten müssen.“

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