Dirtpark Achim: Von Jugendlichen selbst geschaffene Sportstätte hat sich etabliert

Hoch hinaus im Stadtwald

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Der 16-jährige Marcel Buchner hebt mit seinem Dirt-Bike im Achimer Stadtwald ab.

Achim - Von Lisa Duncan. Der Achimer Stadtwald bietet nicht nur Spaziergängern Gelegenheit in Bewegung zu kommen. Vor rund fünf Jahren fingen Jugendliche aus dem Weser-Ort an, sich im ehemaligen Öllager ihre eigene Sport- und Freizeitstätte zu bauen. Nach dem Motto „einfach machen“ schufen sie sich in monatelanger Eigenarbeit eine kleine BMX- und Dirtrad-Anlage.

Obgleich die Stadt das Projekt zunächst nicht genehmigte, ließen sich die jungen Leute nicht von ihrer Idee abbringen. Durch Gespräche mit der Verwaltung erwirkten sie für den „Dirtpark“ im Herbst 2012 eine Baugenehmigung. Sie bekamen finanzielle Unterstützung, so dass sie weitere Sprunghügel einrichten konnten. Nun üben sie ihre BMX-Tricks in einer verkehrssicheren Fläche – auch wenn die etwas kleiner ist als das zunächst angedachte Gebiet.

Rings um das Gelände hat die Stadt Achim im Frühjahr 2013 Schilder aufgestellt, die den „Dirtpark“ nicht nur als offiziellen Freizeitplatz ausweisen, sondern auch Sicherheitsregeln für Nutzer enthalten („Die Bahn nur mit geeigneten Fahrrädern befahren“, „Nutzung nur bei guten Wetterbedingungen zwischen 10 und 22 Uhr“). Einmal jährlich prüft die Grundstücks- und Gebäudeverwaltung (GGA), ob die Sicherheitsbedingungen noch gegeben sind, sagt Till Bräkling, Leiter des Fachbereichs Jugend bei der Achimer Stadtverwaltung. In Kooperation mit deren Kollegin Gesa Kaemena hat die Gruppe um den 18-Jährigen Dominik Kiupel vergangenes Jahr erstmals ein zweitägiges Ferienspaß-Angebot geleitet, das gut angenommen wurde. Eine Wiederholung in diesem Jahr ist auch schon fest eingeplant.

Kiupel und sein Kumpel Marcel Buchner (16) gehören zum harten Kern im „Dirtpark“: Jungs aus der Nachbarschaft, die etwa zweimal die Woche die Hügel im Stadtwald nutzen. „Wir haben die Sommerferien durchgerockt“, erzählt Dominik Kiupel. Auf Stippvisite ist erstmals Leon Tiadis (14) mitgekommen, der noch kein eigenes Dirt-Bike hat, aber mal gucken möchte, ob dieser Sport etwas für ihn ist. Zu unregelmäßigen Terminen – meist über Facebook vereinbart – wird fleißig weiter gebaut. „Wir müssen einige Hügel noch vernünftig machen“, erklärt Marcel Buchner. Die ständigen Regenfälle im Winter haben die Oberflächen etwas wellig werden lassen.

Till Bräkling, findet es „klasse, wie die Gruppe da agiert und aktiv ist“. Auch von Eltern habe er durchweg positive Rückmeldungen erhalten. Die Jungs sind im Großen und Ganzen zufrieden, wünschen sich aber etwas mehr Unterstützung von der Stadt. Um ihr Domizil für den Sommer etwas besser auszustatten, stehen ein Unterstand, Fahrradständer und eine Sitzbank auf ihrer Wunschliste. „Ein Sonnensegel wäre auch o.k. Und die Bank könnte man ganz einfach aus einem alten Baumstamm zurecht sägen“, schlägt Kiupel vor.

Finanzielle Zuschüsse für ihr Projekt hat die Gruppe von der Stadt Achim schon mehrere bekommen. Die Planungskosten in Höhe von 3500 Euro wurden komplett übernommen, berichtet Till Bräkling. 2500 Euro kamen später noch aus Mitteln der Lokalen AG Achim des Landkreises Verden (mittlerweile „Money and more Achim“) hinzu. Im Herbst 2014 gab es 500 Euro von der „Jugendjury“. Ein Komitee ausschließlich aus Jugendlichen, das sich Projekte in ihrer Altersgruppe anschaut und bewertet, ob sie förderungswürdig sind. Dabei sprangen fünf LKW-Ladungen Lehm heraus, die für den Bau der Rampen benötigt werden. Weiteres Arbeitsmaterial wie Schaufeln und Schubkarren schafften die Achimer Jugendlichen mithilfe eigener Spendensammlungen an.

Mit den anderen Nutzern des Stadtwaldes kommen die BMX-Fahrer gut klar: „Bis jetzt sind wir immer positiv aufgenommen worden, es hat noch keiner gemeckert, manche gucken zu und fragen interessiert nach“, berichtet Kiupel.

Insgesamt finden die Jungs, die Stadt könnte mehr für junge Leute tun. „Achim ist eine Rentnerstadt. Es gibt nichts Neues und die Stadt stirbt langsam aus“, befürchtet Dominik Kiupel. Und Marcel Buchner fügt hinzu: „Es wäre toll, wenn es so etwas wie den Dirtpark auch in Uphusen geben würde.“

Übrigens: Wer an einer Mitarbeit im „Dirtpark“ oder ähnlichen Projekten interessiert ist, kann sich bei Till Bräkling oder Gesa Kaemena unter Tel. 04202/9160547 melden.

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