Im Interview

Firmenchef Köster zur Kritik der Kreissparkasse an den Neubau-Preisangeboten

„Etwas vage“ erscheint Ralf Köster die Baustopp-Begründung der Kreissparkasse. Er ist Geschäftsführer der Oelkers Elektrotechnik-GmbH aus Oyten.

Achim/Oyten – Mit spärlichen und preislich zu hohen Angeboten von Unternehmen bei der Ausschreibung zum geplanten Neubau der Kreissparkasse am Gieschen-Kreisel in Achim hatte dieses Geldinstitut den vorläufigen Stopp dieses Vorhabens begründet. Diese Äußerungen möchte Ralf Oelkers, Geschäftsführer der Firma Oelkers Elektrotechnik aus Oyten, so nicht stehen lassen. Der 54-Jährige äußert sich im Interview mit Redakteur Heinrich Laue zu den Vorwürfen.

Herr Köster, warum haben Sie sich über die Äußerungen vonseiten der Kreissparkasse so geärgert?

Geärgert ist etwas übertrieben. Ich finde es schade, dass sich das Projekt jetzt nicht wie geplant umsetzen lässt. Die Begründung erscheint mir ziemlich vage. Ich behaupte, Betriebe aus dem Landkreis Verden haben durchaus Interesse, sich an dem Vorhaben zu beteiligen. Nur müssen sie auch in die Lage versetzt werden, die Angebotsbearbeitung mit auskömmlichen Mitteln zu schaffen. Am Neubauprojekt der Kreissparkasse zeigt sich beispielhaft der Trend zur rein funktionalen Ausschreibung ohne Massenangaben und genaue Produktbeschreibungen. Das lässt Raum für Interpretation, aber auch für Missverständnisse und Streitpunkte. Da muss man dann als Unternehmer beim Preisangebot mit erhöhten Sicherheitszuschlägen kalkulieren. Persönlich halte ich ein Leistungsverzeichnis mit Massen- und Produktangaben, das in gleicher Form an mehrere Anbieter verschickt wird, für die fairste Form der Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.

Woher kommt denn der Trend zu funktionalen Ausschreibungen?

Das kommt den Auftraggebern sehr entgegen. Sie sparen sich Kosten für Planer und Architekten, die im Vorfeld Leistungen erbringen müssen ebenso wie das Risiko von Fehlern bei der Massenermittlung. Das geht dann nämlich ausschließlich zu Lasten des Auftragnehmers. Da steht beispielsweise, dass für den und den Raum eine Beleuchtungsstärke von soundsoviel Lux gewünscht wird. Mit wie vielen und welchen Lampen oder mit wieviel Metern Kabeln das der Auftragnehmer schafft, ist seine Sache. Notfalls muss er dann eben noch mal nachlegen. Bei der leistungsbezogenen Ausschreibung mit Massenangaben dagegen würde die Zahl von Beleuchtungskörpern oder auch Steckdosen konkret festgelegt. Das ermöglicht den Firmen leichtere, viel genauere Kalkulationen und damit günstigere Angebote.

Halten Sie die derzeitigen Preise im Baubereich nicht auch für überhöht?

Ich denke, dass seriöse Handwerksbetriebe ihren Kunden gegenüber nach wie vor seriöse Angebote abgeben. Allerdings machen sich dabei die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Preise im Materialeinkauf oder auch bei den Löhnen für Fachkräfte bemerkbar. Aber angemessene Löhne für fachlich gute Arbeit wollen wir doch alle.

Wie sieht es denn mit der Auslastung in ihrer eigenen Firma aus? Ist die Beteiligung an neuen Ausschreibungen in der derzeitigen Hochkonjunktur überhaupt noch machbar und interessant?

Grundsätzlich halten wir immer einige Kapazitäten frei – etwa für Spontan- und Reparaturaufträge von Stammkunden. Für größere Projekte, die in der Regel eine längere Anlaufzeit brauchen, haben wir ebenfalls die erforderlichen Kapazitäten. Da beobachten wir die aktuellen Entwicklungen immer genau. Auch bei einem Vorhaben wie dem Kreissparkassen-Neubau würden wir uns weiterhin gern beteiligen. Die Firma Oelkers-Elektrotechnik ist auch schon beim großen Wohnungsbauvorhaben „Apfelwiese“ gleich nebenan mit aktiv. Ins Kreissparkassen-Projekt einzusteigen, wäre so gesehen ein hervorragender Anschlussauftrag.

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