Solight beteiligt sich an „Night of Light“

„Die ganze Branche sieht rot“

Es wäre so schön gewesen: Stadtfest feiern an diesem Wochenende. Die Veranstaltungsbranche leidet. Solight wird daher nächtens die „Alte Feuerwache“ rot beleuchten. 
archivFoto: häg
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Es wäre so schön gewesen: Stadtfest feiern an diesem Wochenende. Die Veranstaltungsbranche leidet. Solight wird daher nächtens die „Alte Feuerwache“ rot beleuchten. archivFoto: häg
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Achim – Massenhaft wären an diesem Wochenende Achimerinnen und Achimer aus dem Häuschen gewesen und hätten auf dem Stadtfest gefeiert. Doch die Corona-Beschränkungen erlauben keine größeren Menschenansammlungen. Wie nahezu alle Veranstaltungen fällt auch das Achimer Stadtfest sozusagen dem Coronavirus zum Opfer. Partyfreunde müssen also aufs Vergnügen verzichten. Weitaus härter trifft es allerdings jene, die mit Veranstaltungen Geld verdienen. Leute aus diesen Berufsgruppen ringen um ihre Existenz. Mit dazu gehört auch die Achimer Firma Solight, die sich auf dem Markt der Veranstaltungstechnik weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat. Nicht nur das Stadtfest kann das Unternehmen in den Wind schießen, nichts geht mehr.

„Die ganze Branche sieht rot“, sagen die Solight-Chefs Ulrik Borcherdt und Kevin Marks. Zusammen mit vielen anderen schlagen sie Alarm und wollen jetzt mit einer spektakulären Aktion auf ihre Notlage aufmerksam machen. „Night of Light“ nennt sich der „flammende Appell an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft“, der in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni von Helgoland bis Berchtesgaden ein Zeichen setzen soll. „1 500 Unternehmen und Institutionen, vom selbstständigen Tontechniker über den Messebauer bis zum Full-Service-Dienstleister à la Solight, machen mit“, sagt Borcherdt. Auch das Kasch werde sich an der Aktion beteiligen.

Solight wird das Gasthaus „Alte Feuerwache“ in der genannten Nacht von 22 bis 1 Uhr in rotes Licht tauchen. „Mit vier verschiedenen Lampentypen werden wir das Gebäude ganzflächig und einen Teil des Bibliotheksplatzes beleuchten“, kündigt Marks an. Darüber hinaus wollen die Solight-Macher selbst gefertigte Buchstaben aus Holz in der Größe 1,30 Meter mal 75 Zentimeter mit dem Schriftzug „LOVE“ auf den Stufen des Lokals aufstellen.

Die Rettungspakete der Regierung samt der beschlossenen Kredite für darbende Wirtschaftszweige reichten nicht aus, sagen die Achimer Unternehmer, die mit einem umfangreichen Portfolio aufwarten. Solight ist nach ihren Angaben nicht nur als Veranstalter aktiv, sondern auch als technischer Ausstatter, die Firma verleiht und installiert Licht-, Ton- und Videotechnik, auch prüft, wartet und repariert sie technische Anlagen. „Wir sind breit aufgestellt, aber sämtliche Standbeine sind uns weggebrochen“, zeigt Kevin Marks das Dilemma auf.

Einige Wochen im Lookdown wären laut ihm und Borcherdt für das Unternehmen mit insgesamt fünf Arbeitskräften verkraftbar gewesen. Aber das von der Politik bis Ende August verhängte Verbot von Großveranstaltungen mache Solight und vielen anderen in der Veranstaltungsbranche und der Kulturszene zu schaffen.

Die drei Mitarbeiter seien seit dem Frühjahr in Kurzarbeit. Der auf dem Desma-Gelände angesiedelte Betrieb verfüge zudem über einen Fuhrpark, und auch Lagerkosten fielen an. „Wir haben uns über die Jahre ein finanzielles Polster erarbeitet, aber das ist irgendwann aufgebraucht.“

Selbst kreative Ideen, die dazu angetan sind, dem Versammlungsverbot im Zuge der Pandemie ein Schnippchen zu schlagen, können die beiden Geschäftsführer nicht in die Tat umsetzen. „Wir wollten im Juli den ersten Achimer Auto-Kultursommer auf die Beine stellen“, verrät Borcherdt. Etliche Bands hätten sich bereiterklärt, kostenlos aufzutreten. „Es ist aber keine passende Fläche in Achim zu finden.“

Ulrik Borcherdt und Kevin Marks machen sich notgedrungen krumm, um ihre Firma über Wasser zu halten. „Wir helfen einem befreundeten Elektriker beim Kupferschreddern“, erzählen sie. Für einen Spediteur transportierten sie Waren mit Lkw. „Und wir fahren Essen für einen Party-Service aus.“

Von Michael Mix

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