Sachstandsbericht von Bibliotheksleiter Stephan Leenen im Fachausschuss

Die Bücherei im digitalen Zeitalter

Wegen Corona verzeichnet die Achimer Bibliothek erwartbar einen Besucherrückgang, begegnet der Krise aber mit neuen Angeboten.
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Wegen Corona verzeichnet die Achimer Bibliothek erwartbar einen Besucherrückgang, begegnet der Krise aber mit neuen Angeboten.

Achim – Die Pandemie hat sich auch auf die Achimer Stadtbibliothek ausgewirkt. Das war jetzt der Tenor des Sachstandsberichts von Büchereileiter Stephan Leenen im Ausschuss für Sport und Kultur. Aufgrund der „Corona-Geschichte“ habe es eingeschränkte Öffnungszeiten und damit ein Drittel weniger Besucher gegeben. Allerdings habe die Einrichtung durch die neue Präsenz in den sozialen Medien viele Nutzer erreichen können. Leenen nannte beispielhaft das Bilderbuchkino, das über Facebook in die heimischen Stuben übertragen wird. „Da schauen Hunderte zu. Das ist völlig irre! Ich bin froh, dass wir das machen können.“

In seinem Bericht skizzierte er Themenfelder eines Maßnahmenplans, um die Reichweite und Relevanz der Bibliothek zu erhöhen, aber auch finanzielle Aspekte. So kostet die Vormerkung für ein gewünschtes Medium nunmehr einen Euro statt 75 Cent. An der Jahresgebühr in Höhe von 15 Euro sollte nichts geändert werden, Achim liege an vergleichsweise vorderer Stelle, und eine Anhebung sei angesichts der Corona-Einschränkungen nicht vermittelbar. Allerdings sollte über eine Gebühr für die letzte Mahnung nachgedacht werden. 10 bis 20 Euro seien üblich, Achim verlange hingegen nichts. Durch die Versendung von Vorbestellbenachrichtigungen und der ersten Mahnung per E-Mail spare die Bücherei nun Briefporto.

Etliche Angebote liefen zurzeit auf Sparflamme oder seien gar nicht zustandegekommen. „Beim Geschichtsprojekt mit den Schulen hat der Lockdown reingehauen. Die Jugendlichen waren im März gerade so weit, anzufangen“, sagte Leenen. Es gebe aber das Angebot „Bärentatze“. Dabei werden Leenen zufolge Bücher in Koffern in die Kindertagesstätten gebracht. Die Sprösslinge lesen und bewerten die Kinder-Literatur. Dieses Angebot soll im kommenden Jahr auch dank der Unterstützung des Rotary-Clubs forciert werden.

Künftig sollte der Zugang zu Datenbanken verbessert werden, sodass die Besucher besser Themen recherchieren können. Denkbar sei auch, dass – wie schon in der Vergangenheit – Beratungsangebote in der Bücherei stattfänden.

Jugendliche und junge Erwachsene würden zudem durch sogenannte Lan-Partys im Hause angesprochen. „Ich bin fasziniert und geschockt zugleich, in welche fantastischen Tiefen man da abtaucht“, sagte Leenen.

Verstärkt würden auch Medien online genutzt. Dank des Beitritts zum Bücherei-Verbund Nordleihe ist zum Beispiel das Herunterladen von Hörbüchern möglich. Im ersten Halbjahr hätten 147 Nutzer 650 Hörbücher heruntergeladen, nannte Leenen Zahlen.

Der Büchereileiter stellte dem Gremium außerdem die Ergebnisse eine Umfrage (vor Corona) vor. Die Nutzer seien demnach recht zufrieden mit der Einrichtung und lobten Zustand der Medien und die Übersichtlichkeit in den Räumen. Sie wünschten sich aber neben neuen Sitzgelegenheiten auch längere Öffnungszeiten. Leenen zufolge kann womöglich diesem Wunsch entsprochen werden, wenn sich die Bücherei zur sogenannten Open Library (offene Bibliothek) wandele: Nutzung und Ausleihe erfolgten dabei ohne Personal. Die Räume seien kameraüberwacht.

Der Ausschuss unter Vorsitz von Rüdiger Dürr (CDU) nahm den Bericht von Stephan Leenen „zustimmend und mit Wohlwollen“ zur Kenntnis. Allerdings mahnte Herfried Meyer (SPD) an, das kommunale Online-Bezahlverfahren noch in diesem Jahr auf den Weg zu bringen, und nicht erst im kommenden, wie von Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Wiltrud Ysker, Fachbereichsleiterin für Bildung, Freizeit und Kultur, ins Auge gefasst. Das würde dann auch in der Bücherei angewandt. „Dass das nicht geht, ist ein Anachronismus. Es muss doch in anderen Bereichen Muster geben“, sagte Meyer. Und weiter: „Das muss noch in diesem Jahr kommen. Aus dem Lasso lass’ ich euch nicht raus“, richtete er sich an den Verwaltungschef. Der versprach, im nächsten Ausschuss für Organisation, Finanzen und Personal am 5. November das Thema auf die Agenda zu heben.

Herfried Meyer regte zudem an, lieber die Jahresgebühr auf 20 Euro zu erhöhen und dafür auf eine Partnerkarte zu verzichten. „Die braucht keiner. Es wird ja derselbe Account genutzt.“ Es sollten zudem verstärkt die Nutzer Ü 60 in den Blick genommen werden. Mit den Online-Ausleihangeboten sei man auf einem guten Weg.

Von Philipp Köster

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