PRÄGEND IM ACHIMER RAT

Bernd Junker: Der streitbare Zuhörer

Nach 20 Jahren Kommunalpolitik ist nun Schluss für Bernd Junker. Der SPD-Ratsherr freut sich darauf, weniger fremdbestimmt zu sein.
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Nach 20 Jahren Kommunalpolitik ist nun Schluss für Bernd Junker. Der SPD-Ratsherr freut sich darauf, weniger fremdbestimmt zu sein.

Achim-Bollen – „Du kannst was für die Menschen tun, also tu’ was“ – das sei immer sein Motto gewesen, sagt Bernd Junker. Zwei Jahrzehnte hat der Sozialdemokrat die Ratsarbeit in Achim mitgestaltet. Nun ist für den 58-Jährigen Schluss: Bei der jüngsten Kommunalwahl im September trat er nicht wieder an. „Ich finde, nach 20 Jahren reicht es jetzt mal, sonst kommt da zu viel Routine rein, und die Leitplanken im Denken werden auch immer enger“, sagt der Polizeihauptkommissar, der die Polizeistation in Thedinghausen leitet.

Zur Politik gekommen ist Junker über ein Projekt in dem Kindergarten, den seine beiden mittlerweile erwachsenen Töchter damals in einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz besuchten, wo die Familie lebte. Seine Frau habe ihn überredet, mit zu einem Elternabend zu kommen, weil er durch seinen Beruf wusste, wie man bei welchen Ministerien Fördermittel beantragen kann. Schnell war der Familienvater Feuer und Flamme. „Das war so ein tolles Gefühl zu merken, dass man etwas erreichen kann, wenn man Menschen mit einbindet.“ Damit war die Entscheidung, sich weiter zu engagieren, gefallen.

Junker schloss sich einer freien Wählergruppe in Dorsheim an und ließ sich in den Ortsrat wählen. Weil Junkers Frau Sigrid aus Uphusen kommt, zog die Familie im Jahr 2000 wieder in den Norden und ließ sich in Achim-Bollen nieder. Im Anschluss an eine Ortsausschusssitzung fragte Junker die damalige Vorsitzende Lore Künemann, ob sie noch Leute suchten. Bei der Kommunalwahl 2001 kandidierte er als Parteiloser auf der SPD-Liste und sicherte sich ein Mandat für den Stadtrat. „Meine Familie war schon immer sozialdemokratisch geprägt“, sagt Junker. SPD-Mitglied wurde er aber erst 2006.

Der Polizeibeamte wurde stellvertretender Bürgermeister und kandidierte 2014 sogar für den hauptamtlichen Bürgermeisterposten. Er unterlag seinem Konkurrenten Rainer Ditzfeld in der Stichwahl und gab daraufhin auch das Amt des Stellvertreters ab. Seit 2016 war Junker Ratsvorsitzender. Zudem saß er im SPD-Fraktionsvorstand und im Kreistag.

„Mein Herz hat immer für die Menschen geschlagen“, sagt Junker. „Ich habe mir deren Sorge und Nöte angehört und versucht, Lösungen zu finden.“ Aus diesem Grund erinnere er sich besonders gern an die Zeit als stellvertretender Bürgermeister. „Ich war unmittelbar dran an den Menschen. Ich bin zu ihnen in ihre Wohnzimmer gegangen und konnte ihnen Politik erklären.“ So etwa auch die Notwendigkeit einen Kreisverkehr in der Innenstadt zu bauen, den heutigen Geischen-Kreisel.

Er habe es immer als eine Pflicht gesehen, den Bürgern zu erklären, warum der Rat diese oder jene Entscheidung getroffen habe. Dabei sei er nie starr der SPD-Linie gefolgt, sagt Junker. „Es ging immer darum, was das Beste für Achim ist.“ Noch heute sprächen ihn die Menschen auf der Straße oder auf dem Wochenmarkt an, wenn sie Fragen zu politischen Entscheidungen zu Themen in der Stadt haben.

Im Rat galt er als streitlustig. Dazu steht er nach wie vor. „Das gehört zur Demokratie, die muss lebhaft sein, sie lebt vom Dissens. Diese Versuche, alles gleichschalten zu wollen, die haben mich manchmal frustriert.“

Sein politisches Mandat sei mit vielen Terminen verbunden gewesen. Und dann gab es da ja auch immer noch seien Beruf und die Familie. Nun will er weniger fremdbestimmt sein und die neu gewonnene Freiheit mit seiner Frau genießen. Außerdem wird er in den kommenden Tagen zum ersten Mal Großvater. „Es waren 20 tolle Jahre im Rat. Ich habe viel gelernt und viele interessante Menschen kennengelernt. Und wenn ich mir die Leute hier so ansehe, dann ist mir nicht bange um die Stadt.“ Der SPD will er weiter treu bleiben. Neue Aufgaben hingegen möchte er nicht wahrnehmen. „Ich habe nicht aufgehört, um an einen Neuanfang zu denken.“

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