Thomas Köster ist seit 25 Jahren Achimer Ortsbrandmeister / Feierstunde im Rathaus

Der einsatzerfahrenste Feuerwehrmann

Bürgermeister Rainer Ditzfeld (l.) verliest die Ehrenurkunde mit den Verdiensten von Thomas Köster.
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Bürgermeister Rainer Ditzfeld (l.) verliest die Ehrenurkunde mit den Verdiensten von Thomas Köster.

Achim – Ein schöner Abend zu zweit soll es werden. Es geht zum Italiener. Kerzenschein und Mandolinenmusik. „Und dann, wenn das Essen kommt, sitzt du allein da.“ Dieses Erlebnis von Ute Köster war nicht etwa ein geplatztes Date. Und es kam in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schon öfter vor. Doch Ute hat es ihrem Thomas nicht krummgenommen, dass er sie versetzt hat. Denn seine Frau wusste ja, auf was und wen sie sich einlässt. Denn Thomas Köster ist nicht nur seit knapp 50 Jahren in der Achimer Feuerwehr aktiv. Seit Anfang dieses Monats ist der Dachdeckermeister auch 25 Jahre Achimer Ortsbrandmeister (OBM).

Am Montagmittag würdigten Bürgermeister Rainer Ditzfeld, Stadtbrandmeister Frank Boblat und Fachbereichsleiter Peter Hollwedel dieses kreisweit besondere Dienstjubiläum in einer coronabedingt vom Publikumsaufkommen her überschaubaren Feierstunde im Ratssaal.

Auf 25 Jahre und mehr als OBM hätten es im Landkreis Verden bislang nur drei Kollegen von Köster in kleinen Kirchlintelner Ortsfeuerwehren gebracht, hatte der Bürgermeister recherchiert. Und da jener 2019 für sechs Jahre wiedergewählt worden ist, könne er es noch mit dann 30 Jahren als Ortsbrandmeister unter die Top 3 schaffen.

„Dann ist aber auch Schluss“, blickte der mit einer Ehrenurkunde frisch ausgestattete 58-Jährige in die Zukunft. Dann sollten es andere, Jüngere machen.

Wenn sich denn jemand findet. Denn Köster selbst berichtete davon, dass es heute nicht so einfach sei, willige Leute für die Leitungsposten ab Gruppenführer aufwärts in der Feuerwehr zu gewinnen. Überhaupt habe sich einiges geändert: Früher hätten die Kameraden noch nach Dienstschluss oder nach einem Alarm bei einer Bratwurst oder einem „Einsatzbier“ zusammengesessen, heute gehe es stets rasch nach Hause. Die Feuerwehrleute seien zwar bereit, zu Einsätzen rauszufahren, auch Weihnachten und Silvester, und zwar „nüchtern“, aber Freizeit und Familie seien ihnen ebenfalls hohe Güter. So sei es schwierig und man müsse schon „kniefällig“ werden, um etwa für ein Gemeindefeuerwehrfest in der Umgebung mehr als nur die üblichen Verdächtigen zu finden, die mit einem Fahrzeug rausführen, sagte Köster, ohne seinen Leuten auch nur den Ansatz eines Vorwurfs zu machen.

Die grundsätzlich gute Kameradschaft innerhalb der Achimer Ortsfeuerwehren leide aktuell zudem unter der Pandemie. Viele Dienstabende fielen aus. „Es ist wichtig, dass wir Corona besiegen“, denn die Ausbildung leide darunter, dass sich die Löschkräfte nur alle zwei Wochen treffen könnten statt wöchentlich.

Durchschnittlich rund 100 Einsatzstunden jährlich hat die Achimer Ortsfeuerwehr laut Stadtbrandmeister Frank Boblat in den vergangenen 25 Jahren zu bewältigen gehabt, in jüngster Zeit 120 bis 140, „du warst bei 90 Prozent der Einsätze dabei“, sagte er an Köster gerichtet. Somit sei er der einsatzerfahrenste Feuerwehrmann im Kreis Verden.

Darunter waren, wie es in der Natur dieses ehrenamtlichen Jobs liegt, Großbrände und schwere Verkehrsunfälle. „Das ist immer sehr tragisch, besonders wenn es junge Leute trifft. Manche Bilder hat man heute noch vor sich“, so Köster.

Einmal musste der Dachdeckermeister auch einen Kunden „absaufen“ lassen. Bei einem Unwetter wurde die Feuerwehr zu einem Blitzeinschlag gerufen. Das ging vor, sodass das offene Dach des Kunden nicht vor dem Starkregen geschützt werden konnte.

Eine Ausnahme zwar, aber es könne schon vorkommen, dass sich bei einem Einsatz der Dachdecker-Betrieb lichtet, denn sowohl Kösters Bruder und Mitgeschäftsführer Torsten als auch einige Angestellte gehören der Feuerwehr an. Und auch die Söhne Thorben und Marc sind schon früh in die Fußstapfen des Vaters getreten, Marc, selbst Dachdecker im Familienbetrieb, ist zum Beispiel Gruppenführer. Schon früh hat der Papa seine Jungs für die Feuerwehr begeistern können, indem er mit ihnen die Einsätze mit Playmobil nachspielte.

Ute Köster wusste wohl spätestens zu dem Zeitpunkt, dass sie nicht nur mit einem Feuerwehrmann verheiratet war, sondern die Feuerwehr in der ganzen Familie einen großen Stellenwert einnimmt. Doch sie tröstet sich heute darüber hinweg, dass es Handys gibt. Ihr Thomas könne ihr dann sagen, wenn eine Verabredung zum Essen ansteht, ob seine Abwesenheit länger dauert oder ob es nur ein Fehlalarm war. Und wenn es doch mal wieder länger dauert „und ich allein beim Italiener sitze, kann ich mich wenigstens mit dem Handy beschäftigen“.

Von Philipp Köster

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