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Fahrrad-Boom in Achim: Kunden müssen Geduld mitbringen

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Von: Marvin Wennhold

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Benny Leussink ist Inhaber eines Fahrradladens in Achim. Er bekommt den Boom hautnah mit – und muss täglich viele Kunden vertrösten.
Benny Leussink ist Inhaber eines Fahrradladens in Achim. Er bekommt den Boom hautnah mit – und muss täglich viele Kunden vertrösten. © WENNHOLD

Achim – Die Corona-Pandemie hat der Fahrradbranche einen ordentlichen Schub beschert. Seit etwa zwei Jahren boomt das Geschäft wie lange nicht mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig: Neukunden suchen beispielsweise Alternativen zum öffentlichen Nahverkehr oder einen sportlicheren oder abwechslungsreicheren Ansatz für den täglichen Weg zur Arbeit. Es scheint, als hätten die tristen Lockdown-Perioden und die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus in der Bahn oder im Bus dem Zweirad eine neue Wertigkeit verliehen.

Dieser Zweirad-Höhenflug macht auch vor der Stadt Achim nicht halt.

„Es wird immer mehr“, sagt Benny Leussink, der einen Fahrradladen in der Achimer City betreibt. Damit meint er die Kunden, die täglich sein Geschäft betreten. Demnach befeuern neben Corona auch die aktuell hohen Spritpreise den Trend. Leussink müsse seine Ladenbesucher derzeit jedoch häufig vertrösten. Das führe aber, wie vor zwei Jahren noch üblicher, kaum mehr zu Diskussionen: „Die Kunden sind größtenteils sehr verständnisvoll. Sie wissen, wie schwer es aktuell ist, gewisse Teile geliefert zu bekommen, und akzeptieren die Wartezeit“, sagt Leussink. Das liege auch daran, dass viele die Lieferschwierigkeiten aus der eigenen Firma kennen würden. „Die Lage ist überall gleich. Gewisse Teile sind einfach schwer zu bekommen und wenn man einen Container mit Ware bestellt, bezahlt man dafür ein Vielfaches mehr als noch vor der Krisenzeit.“ Laut des Ladeninhabers sind die langen Wartezeiten aus diesen Gründen derzeit enorm lang: „Zehn bis zwölf Wochen sind absolut normal – wenn was in Aussicht ist.“ Für bestimmte Fahrräder müsse man deutlich länger warten. Neben den Kunden muss auch Inhaber Leussink selbst viel Geduld mitbringen. Besonders, wenn es um Teile für die äußerst begehrten E-Bikes ginge. Aktuell sei vor allem die Akku-Lieferung teilweise schwierig.

„Es hat schon Zeiten gegeben, wo E-Bike-Hersteller ihre Räder ohne Akkus ausgeliefert haben, weil sie die Teile in erster Linie für ihre eigene Produktion brauchten und einfach nicht genug auf Vorrat hatten“, weiß Leussink. Diese Situation hält die Leute jedoch nicht davon ab, ihr Rad oder E-Bike zu bestellen – und dabei teils hohe Kosten in Kauf zu nehmen: „Vor drei, vier Jahren waren wir preislich im Schnitt bei 2500 Euro am Limit. Nun sind die Kunden bereit, deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen.“ Hauptsache, sie bekämen am Ende ihr Wunschrad.

Bei den akkubetriebenen Zweirädern sei das auch schon längst nicht mehr nur die ältere Generation: „Viele jüngere Leute sind ebenfalls an den Rädern interessiert. Ich habe regelmäßig Kunden in den Dreißigern, die sich ein E-Bike anschaffen oder sich zumindest darüber informieren wollen.“

In vielen Fällen gewähren Unternehmen ihren Mitarbeitern Zuschüsse für die Neuanschaffung. „Viele nutzen die Finanzierungsoptionen über ihren Arbeitgeber, die mit Leasing-Anbietern, wie ‘Jobrad’, ‘Businessbike’ oder ‘Mein Dienstrad’ kooperieren.“ Laut Leussink bieten das immer mehr Betriebe an. Neben den hohen Spritpreisen und der Corona-Pandemie ein weiterer Grund, warum die Branche boomt. Das lohne sich einfach mehr, weiß Leussink – vor allem für die Leute mit einem täglichen Arbeitsweg von acht bis neun Kilometern. „Sie können das Auto dann häufiger stehen lassen. Bei den aktuellen Spritpreisen sicherlich eine Überlegung wert.“

Trotz der schwierigen Liefersituation kann es laut Leussink in Einzelfällen auch mal sehr schnell gehen: „Vor Kurzem war ein Kunde bei mir im Laden, der ein E-Bike haben wollte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch eine kleine Auswahl da. Er hatte dann eins gefunden, was ihm gefiel und es gleich mitgenommen.“

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