Dekorier-Fett und Möbel im Bettbezug 

Bühnen-Schwank der Achimer Speeldäl entlockt Publikum tosenden Applaus

Ernas tollpatschiger Lebensgefährte möchte verhindern, dass der reiche Onkel die Wahrheit erkennt. Tatsächlich aber hat der Mann der Wirtin den Bürgermeister eingefangen. - Fotos: Schmidt

Achim - Von Ingo Schmidt. Sie haben gestritten, viel gelacht und dutzendfach jede Szene minutiös einstudiert. Doch statt, wie bisher, zu proben, galt es für das Ensemble der Achimer Speeldäl nun, das aktuelle Stück im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) auf die Bühne zu bringen. Am Samstagabend stand die Premiere an.

Unter dem Titel „Kaviar dröppt Currywurst“ (Kaviar trifft Currywurst) führten die zehn Laiendarsteller ihre gut 150 Gäste im ausverkauften Haus mit Witz und dem besonderen Charme, der der niederdeutschen Sprache innewohnt, in eine bizarre und possenreiche Kneipenwelt voller Torheiten, Ränkespiele und zahlreicher Verwechselungen. Und ernteten für ihr Spiel den tosenden Applaus des Publikums.

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein rustikaler Imbiss der Wirtin Erna. Mit Dekorier-Fett auf Bluse und in den Haaren hat sich die Chefin gemeinsam mit einigen wenigen Stammgästen gut in einfachen Verhältnissen eingerichtet. Aber die Lage ist prekär: Die Zahlungsmoral der Besucher liegt unterhalb des Theken-Niveaus, der Bürgermeister möchte den Schandfleck lieber heute als morgen schließen.

Und schließlich kündigt sich auch noch der reiche Onkel Harry von den Bahamas an. Dem hatte Erna glauben gemacht, er finanziere mit seinem Geld ein Edelrestaurant.

Erna (helles Oberteil) muss ihren Imbiss in ein Edel-Lokal verwandeln. Ein Streit mit Nachbarin und Mitbewerberin Elfi (links) scheint unausweichlich.

Guter Rat ist nun teuer, denn die bodenständige Erna muss plötzlich so tun, als sei sie eine Spitzengastronomin. Aber Stammgäste und Wurstbraterin ziehen an einem Strang und verwandeln die bisherige „Stramme Knackwurst“ in den „Gourmet-Tempel Achim“: Die alten Holzmöbel verschwinden unter weißer Bettwäsche. Die Speisekarte bietet statt „Backfisch mit Pommes und Ketchup“ nun „Lachs im Teigmantel mit gestifteten Kartoffeln auf einem Streifzug durch den Gemüsegarten“.

Ernas tollpatschiger Lebensgefährte jagt als piekfeiner Kellner von einer Katastrophe in die nächste. Notwendiges Equipment entleihen sich die Akteure bei Nachbarin Elfi, die nebendran ein florierendes Restaurant betreibt. Diese wünscht aber ihrerseits keine Konkurrenz und webt ein böses Intrigen-Geflecht.

Überzeugende Täuschung

Mit vielen Ideen und Ausflüchten scheint es Erna zu gelingen, über die tatsächlichen Verhältnisse hinweg zu täuschen und ihren Onkel vom „Edel-Lokal“ zu überzeugen. Doch als dieser dann auch noch eine Restaurant-Testerin ankündigt, bricht das komplette Chaos aus.

Regisseur Günther Kothe und die zehn leidenschaftlichen Laiendarsteller haben mit der plattdeutschen Komödie von Winnie Abel ein wundervolles Bühnenereignis inszeniert, das von Authentizität und durch den besonderen Charme der niederdeutsche Sprache getragen wird. Die Schauspieler Katja Makat, Thomas Nagel, Jutta Drapalt, Tim und Dieter Beinker, Nena Kelm, Anika Bosenius, Brigitte Diddens, Karin Bohlmann und Jochen Davids erhielten viel Beifall.

Mehrfach treten sie noch mit „Kaviar dröppt Currywurst“ in Aktion. Weitere Vorstellungen folgen am 21. Oktober im Kasch sowie am 3. und 4. November in der Gudewill-Schule in Thedinghausen.

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