Stadtelternratsvorsitzender Buse kritisiert unnötig lange Schließung der Kitas

„Das wird stumpf durchgezogen“

Tobias Buse ist seit Ende November Vorsitzender des Stadtelternrats.
+
Tobias Buse ist seit Ende November Vorsitzender des Stadtelternrats.

Achim – „Wer hat keine Stimme? Die Kinder! – Wer saß da am Mittwoch nicht bei der Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten? Die Kinder!“ Mit flammenden Worten macht Tobias Buse auf die Kleinen aufmerksam. Auf die, die in der Coronakrise, aber auch sonst keine Lobby haben, trotz aller tröstenden und wertschätzenden Worte von Politikern.

Buse ist seit Ende November Stadtelternratsvorsitzender. Er folgte auf Ilka Engelberg, die das Amt sechs Jahre lang mit viel Engagement ausgeübt hatte. Beim 37-Jährigen laufen quasi die Fäden der Elternvertretung im Kita- und Hortbereich zusammen. Zugleich wirkt er als Vorsitzender des pädagogischen Beirats in der Kita der St.-Matthias-Gemeinde mit. Dort besuchen seine beiden Kinder die Krippe beziehungsweise den Kindergarten.

Buses Tochter (2) und sein Sohn (6) dürfen in die Notbetreuung; Papa Tobias organisiert bei Mercedes in Bremen als Betriebswirt die Essensversorgung von 13 000 Beschäftigten im Drei-Schicht-System. Seine Frau ist Kinderkrankenschwester. Beide Jobs werden als systemrelevant angesehen, sodass das Paar Anspruch auf die Notbetreuung hat.

Doch Buse weiß von vielen anderen Familien, die ebenfalls Tätigkeiten ausüben, die für das Funktionieren der Gesellschaft vonnöten sind, und deren Kinder nicht in die Kita dürfen. „Manche hatten sogar schon eine telefonische Zusage, und haben dann doch eine Absage erhalten“, sagt der Neu-Bierdener. Und nennt das Beispiel von einer schwangeren Mutter und einem zu Hause systemrelevant arbeitenden Vater: „Wer im Homeoffice arbeitet, merkt schnell, dass die Produktivität leidet.“

Buse stellt sich die grundsätzliche Frage: Was ist überhaupt systemrelevant? Doch darüber hinaus hätte die Diskussion darüber und die Begrenzung der Betreuungsplätze auf 50 Prozent („wenn das überhaupt voll ausgeschöpft wird“) schon länger überflüssig sein können, wenn die regionalen Inzidenzwerte mehr Berücksichtigung gefunden hätten. „Seit dem 17. Januar sind wir im Landkreis unter 50, bundesweit sind es 49 Prozent aller Landkreise.“ Seit Wochen sei Verden unter 35. „Es ist schwierig nachzuvollziehen, warum die Kinder nur eingeschränkt in die Einrichtungen dürfen. Das wird stumpf durchgezogen. Dafür fehlt mir jegliches Verständnis“, sagt der 37-Jährige.

Sowohl auf städtischer Ebene als auch im Landkreis mangele es an Leuten in verantwortlicher Position, die sich für eine Anwendung der moderaten Inzidenzwerte in eine Öffnungsstrategie einsetzten. Werte unter 50 erlaubten ja bereits seit Anfang Februar wieder den eingeschränkten Regelbetrieb. „Warum bewegt sich keiner? Warum hat keiner die Eier?“, bringt es der gebürtige Rheinländer knackig auf den Punkt.

Buse fürchtet um Langzeitfolgen: „Wie gehen die Schulen damit um, dass viele Kindergartenkinder auch im Vorschulalter lange nicht im Kindergarten waren?“ Diesen Sprösslingen fehle eine in einem wichtigen Alter prägsame Zeit mit Spielen, Streiten, Lachen, Getröstetwerden, Vertragen und anderen sozialen Kernkompetenzen.

Irgendwann gingen den Eltern zu Hause auch die Ideen aus, wie sie ihre Kinder beschäftigen könnten, selbst den kreativsten Köpfen. „Ich kann ja mit denen nicht jeden Tag Mandalas malen. Weiß ich denn, was pädagogisch sinnvoll ist?“

Tobias Buse lobt das Engagement „seiner“ Einrichtung in St. Matthias; dort werde aktuell auf die Nöte der Eltern reagiert und zum Beispiel ein neuer Gruppenraum geschaffen. Zugleich sieht er Verbesserungspotenzial in der Vernetzung aller städtischen und freien Einrichtungen in Achim. Der Austausch könne intensiver sein.

Will der Stadtelternrat womöglich in der Öffentlichkeit auf die Probleme aufmerksam machen? Konkrete Pläne gibt es noch nicht, für Mittwoch ist immerhin ein Treffen auf dem Parkplatz der St.-Matthias-Gemeinde anberaumt. Dabei geht es aber in erster Linie um die Novellierung des Kindertagesstätten-Gesetzes. Mitte März will Buse zu einer Stadtelternratssitzung einladen.

Doch vielleicht ist bis dahin schon der größte Druck vom Kessel. Mitten im Gespräch bekommt Buse einen Hinweis auf sein Handy mit frischen Informationen aus Hannover: Demnach dürfen die Kita-Kinder ab Montag wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb.

Von Philipp Köster

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch

Meistgelesene Artikel

Ausgangssperre: Kreis Verden spielt auf Zeit

Ausgangssperre: Kreis Verden spielt auf Zeit

Ausgangssperre: Kreis Verden spielt auf Zeit
Landkreis Verden zum Hochrisikogebiet erklärt

Landkreis Verden zum Hochrisikogebiet erklärt

Landkreis Verden zum Hochrisikogebiet erklärt
Ärger über starre Impf-Reihenfolge

Ärger über starre Impf-Reihenfolge

Ärger über starre Impf-Reihenfolge

Kommentare